Gärtnerei Hartmann

Gärtnerei Hartmann – Modellregion Süd-West

Interview mit Herrn Ulrich Hartmann am 09.02.2021, Betriebsleiter der Gärtnerei Hartmann in Ubstadt-Weiher.

Ulrich Hartmann produziert ausgewählte Arten in großen Stückzahlen für den Großhandel. (Foto: Großmarkt Mannheim)

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte Ihres Betriebes.
Die Gärtnerei Hartmann wurde im Jahre 1996, vor 25 Jahren, in Ubstadt-Weiher als Neubau gegründet. Damals hatte der Betrieb eine Unterglas-Fläche von 2.700 Quadratmetern. Ich hatte schon lange den Wunsch, mich als Gärtner selbstständig zu machen. Die Geschäftsidee, die hinter der Firmengründung stand, war folgende: Die meisten Erzeuger in Süddeutschland konzentrieren sich auf den Vertrieb an Blumenfachgeschäfte und bieten ein breites Sortiment an, wohingegen sich die Erzeuger am Niederrhein auf den Vertrieb über den Großhandel fokussieren und sich dabei auf einige Kulturarten spezialisieren. Hier habe ich für mich  eine Marktlücke erkannt. Der Betrieb konnte sich im Laufe der Jahre erfolgreich entwickeln und in kleinen Schritten wachsen. Heute hat die Gärtnerei Hartmann eine Gewächshausfläche von 3 Hektar und eine Freilandfläche von 1 Hektar.

Was zeichnet Ihren Betrieb aus?
Kurz gesagt: Große Stückzahlen in gleichmäßiger Qualität. Wir fokussieren uns auf bestimmte Kulturarten und vermarkten über den Großhandel. Andere Gärtnereien produzieren nur in kleinen Stückzahlen und stellen sich auf Kundenwünsche kleiner Blumenfachgeschäfte ein, das machen wir nicht, und das spiegelt sich auch in der Auswahl der Kulturarten und Sorten wieder. Dank unserer Vertriebswege und die unmittelbare Nähe zum Walldorfer Kreuz, wo sich die A5 und die A6 kreuzen, können wir unsere Produkte überregional vermarkten.

Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?
Ich war vor dem Projekt gegenüber Torfersatzstoffen prinzipiell offen und nicht abgeneigt. Mir ist das Thema Nachhaltigkeit wichtig und ich möchte auch grundsätzlich über den Tellerrand hinausschauen. Ich habe bei den verschiedenen Torfersatzstoffen keine Präferenzen. Allerdings sehe ich die Kokosfaser nicht als angemessenen Torfersatzstoff, da sie aufgrund der langen Transportwege und der Herstellungsbedingungen meiner Meinung nach nicht unbedingt nachhaltiger als Torf ist. Auch bei der Holzfaser muss man darauf achten, wie sie produziert wird. Bei der Anwendung der torfreduzierten Substrate im Anbau hatte ich keine Bedenken.

Haben sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?
Bisher bin ich mit der Nutzung der torfreduzierten Substrate zufrieden. Meine Erwartungen haben sich erfüllt, ich kann auch mit geringeren Torfanteilen gute Qualitäten produzieren und habe dabei keinen größeren Mehraufwand.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?
Ich möchte das Ziel „maximal 50% Torfanteil“ erreichen und halten und auch im Anschluss an das Projekt nicht wieder zurück zu höheren Torfanteilen. Der politische Druck wird in den nächsten Jahren sowieso zunehmen. Unabhängig davon möchte ich auch selbst etwas tun und beim Thema Umweltschutz vorangehen. Ich glaube, eine zunehmende Torfreduzierung ist umsetzbar, das ist machbar!

Florian Hartmann (und auch sein Bruder Michael) zeigen sich interessiert am Torfersatz. Dieses Thema werden sie auch schon bald in der Vorbereitung zur Meisterprüfung an der LVG Heidelberg vertiefen. (Foto: LVG Heidelberg)
Die Primeln ließen sich mit großer Stückzahl in einem torfreduzierten Substrat (Torf 65 %, Holzfaser 20 %, Rindenhumus 10 % und Ton 5 %) in guter Qualität produzieren. (Foto: LVG Heidelberg)

Gartenbau Stefan Gerritzen

Gartenbau Stefan Gerritzen – Modellregion West

Als Demonstrationsbetrieb in der Modellregion West nimmt Gartenbau Stefan Gerritzen (Sunshine Flowers) am Projekt TerZ teil. Er lässt uns für das Interview hinter die Kulissen blicken und berichtet über seinen Produktionsbetrieb, sowie über seine Einstellung zu Torfersatzstoffen.

Gärtnermeister Andreas Peters (links) und Betriebsinhaber Stefan Gerritzen (rechts)

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte Ihres Betriebes

Die Unternehmensgründung durch Franz Gerritzen erfolgte 1964 als Schnittblumenbetrieb. Bereits wenige Jahre später folgte die Umstellung der Produktion auf Topfpflanzen. 1996 wurde die Produktion von Eriken und Azaleen um winterharte Callunen ergänzt. Im Jahr 2008 habe ich, Stefan Gerritzen, den Betrieb übernommen und weiter ausgebaut. Zurzeit werden Solanum jasminoides (Jasminblütiger Nachtschatten) und Calluna vulgaris (Besenheide) auf einer Fläche von 18 Hektar produziert.

Was zeichnet Ihren Betrieb aus?

Wir sind ein Produktionsbetrieb, der sich unter anderem durch moderne Technik hervorhebt. Das ist vor allem für die Mitarbeiter sehr positiv, da beispielsweise Kulturarbeiten oder das Packen der verkaufsfertigen Ware wesentlich rückenschonender und einfacher erledigt werden können. Außerdem achten wir auf eine umweltschonende Produktion, beispielsweise mit einer geschlossenen Bewässerung im Gewächshaus. Im Freiland bewässern wir unsere Pflanzen hauptsächlich mit wassersparenden Gießwagen.

Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?

Bezüglich der Callunen-Kultur, die in unserem Betrieb im Projekt im Mittelpunkt steht, dachten wir, dass wir mit einem hohen Anteil an Torfersatzstoffen Probleme bei der Pflanzenqualität bekommen. Da Callunen als Moorbeetpflanzen einen sehr niedrigen pH-Wert im Substrat benötigen, den der Torf ja mit sich bringt, haben wir zusätzlich Probleme mit zu hohen pH-Werten erwartet. Auch mit erheblich höheren Kosten für die Substrate haben wir gerechnet.

Haben sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?

Schon im ersten Jahr haben wir im TerZ-Substrat den Einsatz von Torf auf 50 Vol.-% gesenkt. Das hat erstaunlich gut geklappt. Der pH-Wert blieb fast die komplette Kulturzeit hindurch in einem optimal niedrigen Bereich. Im zweiten Kulturjahr im Projekt haben wir die Düngung etwas angepasst, ansonsten möchten wir das Substrat nochmals in der gleichen Zusammensetzung nutzen. Tatsächlich hat sich in Bezug auf die Mehrkosten unsere Befürchtung bewahrheitet. Aktuell haben wir bei der 50 Vol.-% torfreduzierten Variante einiges an Mehrkosten pro m³ Substrat.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?

In den nächsten zehn Jahren möchten wir unser Standard-Substrat komplett auf ein mindestens 50 Vol.-% torfreduziertes Substrat umstellen.

Calluna vulgaris (Besenheide) – Bestand kurz vor der Vermarktung. (Foto: Versuchszentrum Gartenbau Straelen)

Gartenbau Johannes Heekeren

Gartenbau Johannes Heekeren – Modellregion West

Der Familienbetrieb „Gartenbau Johannes Heekeren“ nimmt als Demonstrationsbetrieb in der Modellregion West am Projekt TerZ teil. Das erste Kulturjahr im Projekt verlief sehr positiv, bei Torfersatzanteilen von 50 – 100 Vol.-%. Im zweiten Jahr sollen die Substrate weiter im Torfanteil reduziert und die torffreien Partien erweitert werden. Über die ersten Eindrücke berichtet Familie Heekeren im Interview.

Betriebsinhaber Johannes Heekeren mit Tochter Anna

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte Ihres Betriebes

Entstanden aus der Landwirtschaft, wurde unser Gartenbaubetrieb im Jahre 1989 gegründet. Auf einer Fläche von 2.000 m² Hochglas und ca. 1 ha Freiland wurden Beet-und Balkonpflanzen und diverse Stauden produziert. Hinzu kam noch Freilandgemüseanbau auf ca.3 ha. In den Folgejahren wurde die Gewächshaufläche nach und nach erweitert, Arbeitshallen integriert und der Gemüseanbau eingestellt. Die Freilandfläche wurde zur Containerfläche umgebaut, die Gewächshausfläche modernisiert. Der Betrieb verfügt heute über eine heizbare Folien- und Hochglasfläche von 13.000 m², sowie 5.000 m² Kulturflächen in Pachtbetrieben. Die Containerstellfläche ist ca. 3,5 ha groß. Heute sind wir auf Ziergräser, Lavendel, Edelweiß und Interspezifischen-Mix im Beetpflanzenbereich spezialisiert.

Was zeichnet Ihren Betrieb aus?

In unserem Betrieb herrscht ein sehr gutes Betriebsklima. Unter unseren Mitarbeitern sind die unterschiedlichsten Nationalitäten zu finden, was einen guten Austausch untereinander fördert.

Unsere Produkte zeichnen sich durch gute Qualität aus, die unter den Aspekten der Nachhaltigkeit kultiviert wurden. Hierzu gehört für uns auch der Einsatz neuester Technik. Außerdem können wir von uns behaupten ein sehr gutes Durchhaltevermögen an den Tag zu legen und dabei flexibel und spontan handeln zu können. Dies liegt unter anderem auch an unseren festen und zuverlässigen Kunden, mit denen wir langfristig arbeiten können.

Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?

Schon vor TerZ haben wir uns Gedanken über Torfersatzstoffe gemacht. Vor dem Start des Projektes haben wir bereits einige kleine Versuche mit torfreduzierten Substraten gemacht, auch aufgrund der Nachfrage unserer Kunden. Die Umstellung ist eine große Herausforderung für die gesamte Branche. Dass wir am Projekt teilnehmen konnten kam dann genau zur richtigen Zeit.  So haben wir Unterstützung bei der weiteren Torfreduzierung unserer Substrate.

Wir haben mit erheblichen Mehrkosten für Substrate und Problemen in der Nährstoffversorgung gerechnet.

Haben sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?

Bis zum jetzigen Zeitpunkt, zu Beginn des zweiten Kulturjahres im Projekt, ist alles sehr positiv verlaufen. Die Kosten sind momentan nicht nennenswert höher als bei einer Kultur mit höherem Torfanteil der Substrate. Auch einen erhöhten Arbeitsaufwand können wir aktuell nicht beobachten. Unsere Befürchtung ist allerdings, dass die Ersatzstoffe für Torf im Preis steigen werden, wenn immer mehr Torf ersetzt wird.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?

Die Umstellung auf Substrate mit einem Torfanteil von 50 Vol.-% ist nach bisherigen Erfahrungen gut machbar, auch wenn es bei manchen Kulturen der ein oder anderen Anpassung bedarf. Wir möchten in den nächsten Jahren auf einen Anteil von mindestens 80 Vol.-% an Torfersatzstoffen kommen. Wir halten an der Torfreduzierung fest und hoffen, dass immer mehr Gärtner eine Torfreduzierung anstreben und den weltweiten Torfabbau nicht mehr länger hinnehmen. Wir alle müssen umdenken und uns für eine nachhaltige Umwelt und gegen den Klimawandel einsetzen.

Viola x cornuta als Trios im 13cm Topf in drei verschiedenen Substraten. (Foto: Versuchszentrum Gartenbau Straelen)

Gärtnerei Schliebener

Gärtnerei Schliebener – Modellregion Nord

Tim Schliebener

Interview mit Tim Schliebener. Als Standardsubstrat wird ein Substrat mit 10% Holzfasern verwendet. Im Rahmen von TerZ hat Herr Schliebener zum Vergleich ein Substrat mit 30% Holzfasern und eins mit 15% Holzfasern und 15% Kokosmark bei den Pelargonien verwendet. Für die Poinsettien wird ein Standardsubstrat mit 10% Perliten und ein weiter torfredziertes Substrat mit 10% Perliten und 20% Holzfasern genutzt.

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte Ihres Betriebes

Unsere Einzelhandelsgärtnerei wurde 1960 von meinem Großvater gegründet. Zunächst wurden Gemüse und Schnittblumen, später dann auch Topfpflanzen produziert. Seitdem wurde sie kontinuierlich durch Baumaßnahmen, wie Erweiterung und Modernisierung der Produktions- und Verkaufsflächen, ausgebaut. 1972 haben meine Eltern den Betrieb übernommen und seit 2007 führe ich die Gärtnerei mit meiner Schwester. Wir produzieren inzwischen auf über 5000m² und nutzen eine Verkaufsfläche von 2000m².

Für unsere Kunden produzieren wir ein breites Sortiment aus Frühjahrsblühern, Beet- und Balkonpflanzen, Kräutern, Gemüse, Herbstzauber, sowie Poinsettien.

Was zeichnet Ihren Betrieb aus?
Die Vielseitigkeit, Frische und die große Eigenproduktion für den Endverkauf.


Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?
Ich fand es interessant, dass man auf diesem Wege endliche Rohstoffe einsparen kann. Es ist schon eine Umstellung für den Betrieb, sicher auch in den Kosten, aber es lohnt sich und man sollte die Natur bewusst schützen.

Haben sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?
Nein, bis jetzt lief alles reibungslos mit 30% Torfersatz und das sind immerhin 1/3 Rohstoffersparnis. Wir hatten keine Ausfälle zu verzeichnen und auch von den Kosten sind die Unterschiede gering.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?

Wir möchten es möglichst mit allen Kulturen auf 50% Torfersatz schaffen, ohne, dass die Produktion zu kosten- und arbeitsintensiv wird.

Fuchsia „red-blue“ nach 12 Wochen Kultivierung. Links im Standard-Substrat mit 90% Torf und 10% Holzfasern und rechts im weiter torfreduzierten Substrat mit 70% Torf und 30% Holzfasern. (Fotos: LVG Ahlem)

B&B-Saison und Herbst 2020: Erfolgreiche Produktion trotz Herausforderungen

Von Katja Arndt (LVG Ahlem), Robert Koch (LVG Heidelberg), Melanie Bank (VZG Straelen/ Köln-Auweiler), Anna-Victoria August (LfULG Dresden-Pillnitz) und Ronja Fritzsche (HSWT)

Alle 24 am TerZ-Projekt teilnehmenden Demonstrationsbetriebe in den fünf Modellregionen haben die diesjährige Beet- und Balkonsaison erfolgreich bestritten. Hierbei gestaltete sich die Produktion der meisten Pflanzenarten in Substraten mit einem Torfanteil von 65 bis 85 % als relativ problemlos. Zum Verkaufstermin unterschieden sich die Pflanzen kaum oder gar nicht von denen im jeweiligen Standardsubstrat. Auch der Mehraufwand bei der Kultur in den neuen Substraten hielt sich in Grenzen. Nur in einigen Fällen musste die Düngung etwas verändert werden, was durch die projektbegleitenden Substratanalysen rechtzeitig möglich war. Vereinzelt mussten ein bis zwei Gießvorgänge mehr durchgeführt werden.

Ein Betrieb der Region Süd-West gab an, dass sich die Bewässerung von Neu-Guinea-Impatiens in einem torfreduzierten Substrat (Torfanteil von 60 %) etwas schwieriger gestaltete, da einmal trockengefallen, die Wiederbenetzung dieses Substrates schwierig gewesen sei. „Torfersatz verzeiht nur wenig Fehler im Gießen“, so der Betriebsleiter. Alle anderen Kulturen wie Pelargonien oder Semperflorensbegonien liefen aber auch bei ihm wie in den anderen Betrieben problemlos.

Die Region West freute sich zusätzlich über den sehr guten und frühzeitigen Absatz der Pflanzen, da hierdurch lange Standzeiten und Kulturverlängerungen ausblieben. Aber auch weitere Vorteile, wie zum Beispiel ein schnelleres Abtrocknen des stärker torfreduzierten Substrates, wurden von den Betriebsleitern wahrgenommen. Aufgrund des Kulturerfolges wollen einige Demonstrationsbetriebe das im Projekt erprobte torfreduzierte Substrat in der nächsten Beet- und Balkonpflanzensaison zu ihrem aktuellen Standardsubstrat machen. Ein Betrieb in der Region Süd stellte sogar schon jetzt den gesamten Betrieb auf ein Substrat mit einem Anteil von 50 % Torf um.

Nach dieser erfolgreichen Beet- und Balkonsaison gingen die Demonstrationsbetriebe in der zweiten Jahreshälfte erneut motiviert und torfreduziert mit den Herbstkulturen ins Rennen. Dabei zeigte sich dann allerdings, dass eine Änderung der Substratzusammensetzung bei anspruchsvolleren und länger stehenden Kulturen wie beispielsweise Cyclamen oder Poinsettien durchaus als Herausforderung gesehen werden kann. Diese Kulturen reagierten deutlich sensibler auf Abweichungen in den Kulturbedingungen als die meisten Beet- und Balkonpflanzen. Die extremen Witterungsbedingungen der Sommermonate stellten dabei zusätzlich Anforderungen bei der Umstellung auf die torfreduzierten Substrate dar.

In der Region Ost (Torfanteil von 45 – 70 %) entwickelten einige torfreduzierte Substrate unter diesen Bedingungen eine höhere Dynamik hinsichtlich der pflanzenverfügbaren Nährstoffe, bei der Wasserversorgung oder der Entwicklung des pH-Wertes. Neben direkten Auswirkungen in Form von Nährstoffüberschuss- und -mangelsymptomen wuchs auch das Risiko für Pilzerkrankungen wie beispielsweise für Pythium oder Phytophthora bei Poinsettien.  Es kam zu Schäden und Ausfällen, die jedoch durch rasches Handeln in Grenzen gehalten werden konnten.

Entsprechende Probleme traten auch in der Region West bei der Kultivierung von Poinsettien in einem torffreien Substrat auf und führten letztlich trotz Gegenmaßnahmen zu Qualitätseinbußen.

Auch in der Region Nord war eine erhöhte Stickstoffversorgung bei den torfreduziert produzierten Poinsettien notwendig. Ein Betrieb ging mit der Sorte ‘Christmas Universe’ mit 0 % Torfanteil und rein biologischer Grunddüngung im Substrat gleich aufs Ganze. Diese Kultur war sehr herausfordernd, da in den ersten Wochen eine Stickstoffunterversorgung in Substrat und Pflanze auftrat, welche während der restlichen Kultur nur schwer aufzuholen war. Dies erzeugte viel Handlungsbedarf und zeigte am Ende dennoch einen kleinen Größenunterschied der Pflanzen im Vergleich zu denen im Standardsubstrat (Abb. 1).

Auf jeden Fall war und ist eine deutlich höhere Aufmerksamkeit erforderlich, um auf die im Vergleich zu den Standard-Substraten höhere Dynamik zu reagieren.

Euphorbia pulcherrima ‘Christmas Universe’ 11 Wochen nach dem Topfen.
Substrate: Jeweils links torffrei mit 30 % Rindenhumus, 30 % Holzfaser, 15 % Kokosfaser, 15 % Kokosmark, 10 % Ton und rechts im Standardsubstrat mit 65 % Torf, 15 % Holzfaser, 10 % Perlite, 10 % Ton (Fotos: LVG Ahlem)

In der Region West bereicherte Calluna vulgaris das Kulturspektrum. Es zeigte sich eine Wechselwirkung zwischen Substratzusammensetzung und Topfgröße auf die Qualität der Pflanzen. Während sich beim 50 % torfreduzierten Substrat im 12-cm-Topf Pflanzen gleicher Qualität wie im Standardsubstrat (100 % Weißtorf) kultivieren ließen, gab es im 10,5-cm-Topf vor allem bei den Farben Weiß und Rosa viele kurzgebliebene Pflanzen (Abb. 2).

Calluna vulgaris, links 100 % Weißtorf; rechts 50 % Weißtorf, 30 % Holzfaser, 20 % Kokos (Foto: Versuchszentrum Gartenbau Straelen/ Köln-Auweiler)

In einem baden-württembergischen Betrieb der Region Süd-West spielte beispielsweise bei Cyclamen ein erhöhter Salzgehalt im Substrat mit einem Torfanteil von 50 % in Verbindung mit großer Hitze eine maßgebende Rolle. Interessant hierbei waren die Sortenunterschiede. Während robusteren Sorten die erhöhten Salzgehalte nur wenig ausmachten, reagierte eine empfindliche Sorte mit einem Teilausfall (Abb. 3).

Die bisherigen Ergebnisse zeigen deutlich, dass die schrittweise Torfreduzierung nicht nur zwischen Gärtner und Substrathersteller diskutiert und vorangebracht werden muss, sondern dass die gesamte Branche inklusive Züchtung an diesem Prozess beteiligt sein sollte.   

Hohe Salzgehalte in Verbindung mit großer Hitze führten im torfreduzierten Substrat mit 50 % Torf, 15 % Holzfasern, 15 % Ton, 10 % Rindenhumus und 10 % Kompost sortenbedingt zu einem Teilausfall (rechte Seite), während eine robustere Sorte (linker Tisch) sich in guter Qualität weiterentwickelte (Foto: LVG Heidelberg)

Gärtnerei Sauter

Gärtnerei Sauter – Modellregion Süd-West

Die Sauter Grün erleben GmbH & Co KG ist einer der Demonstrationsbetriebe im TerZ-Projekt aus der Modellregion Süd-West. Derzeit nutzen sie ein torfreduziertes Substrat mit einem Torfanteil von nur noch 50 %.

Zusammen mit seiner Frau Astrid und seinen zwei Töchtern führt Ralf Sauter den familiengeführten Betrieb in Südbaden in der Nähe von Freiburg.

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte Ihres Betriebes.
Gegründet wurde der Betrieb 1925 in Waldkirch am Friedhof von Kurt Sauter, welcher selbst Gärtner in der dritten Generation gewesen ist. Die heutige, wiederum dritte Generation des Betriebes sind Astrid und Ralf Sauter als Inhaber und Geschäftsführer. 1989 wurde der in Waldkirch liegende Endverkaufsbetrieb mit Friedhof und GaLaBau zum Garten Center ausgebaut. 1994 folgte der Ausbau der GaLaBau Abteilung als eigene GmbH und 2005 der Bau eines Produktionsbetriebes in Umkirch. 2009 expandierten wir weiter mit dem Kauf eines Gartencenters und 2012 mit dem Kauf einer daneben liegenden Produktionsgärtnerei in Gundelfingen. 2018 bauten wir das Erlebnisgartencenter mit Gastronomie in Lahr und haben nun aktuell 120 Mitarbeiter im Gesamtbetrieb inklusive aller Dienstleistungen.

Was zeichnet Ihren Betrieb aus?
Wir legen in unserem Betrieb unseren Schwerpunkt auf die eigene, nachhaltige Produktion sowie den Verkauf an unsere Endkunden. Ergänzend hierzu sehen wir unsere Dienstleistung als Kundenservice. Obendrein ist der Betrieb familiengeführt und die hohe Wertschätzung unserer Mitarbeiter ist uns wichtig. Außerdem kooperieren wir gerne mit Gärtnerkollegen aus der Region.

Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?
Ich hatte noch keine Erfahrung mit Torfersatzstoffen aus jüngster Zeit. Als Jugendlicher hatte ich bei der Herstellung unserer eigenen Erde mit eigenem Kompost und Torf mitgearbeitet, was viel Handarbeit bedeutete. Damals verwendeten wir weniger Torf als es die letzten 10 Jahre der Fall war. Daher denke ich, dass es einen Weg geben muss, mit weniger Torf auszukommen. Hierbei bin ich von einem überschaubaren Mehraufwand ausgegangen.

Haben Sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?
Bisher hatte ich keine großen Befürchtungen, daher sind wir mit einem 50 % torfreduzierten Substrat eingestiegen und haben etwa ein Drittel unserer Produktion umgestellt. Bei den Beet- und Balkonpflanzen gab es keine größeren Unterschiede zur herkömmlichen Produktion mit torfbasierten Substraten. Erst bei den Cyclamen und Poinsettien zeigten sich hauptsächlich sortenbedingte Probleme. Hier müssen wir etwas vorsichtiger mit der Umstellung vorgehen und die Sorten und Kulturmaßnahmen anpassen. Die Zusammenarbeit mit dem TerZ-Projekt sowie der LVG Heidelberg hilft uns dabei sehr.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?
Auf jeden Fall wollen wir bei allen Kulturen das 50 % torfreduzierte Substrate etablieren und, wo möglich, dies bis hin zu torffreien Substraten steigern. Durch die damit verbundenen veränderten Wachstumsbedingungen wollen wir außerdem den Einsatz von Hemmstoffen reduzieren und dabei für unsere Endkunden gleichbleibende Qualitäten garantieren.  

Echinacea lassen sich im Container auch in guter Qualität im torfreduzierten Substrat produzieren. (Foto: LVG Heidelberg)
Auf die Durchwurzelung der Poinsettien ist zu achten, auch wenn es um die Haltbarkeit beim Endkunden geht. (Foto: LVG Heidelberg)

Gärtnerei Nietzold

Gärtnerei Nietzold – Modellregion Ost

Andy Nietzold führt zusammen mit seiner Schwester, Peggy Faust, den Familienbetrieb Gärtnerei Nietzold in Freital bei Dresden.
Im ersten Projektjahr wird ein Substrat mit 55 % Torfersatz (30 % Holzfaser, 20 % Rindenhumus, 5 % Ton) verwendet. Im Interview berichtet er von der Startphase des Projektes im Betrieb.

Andy Nietzold

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte Ihres Betriebes.
Unsere Gärtnerei wurde 1913 als Gemüsegärtnerei gegründet und befindet sich seit 1917 am selben Standort wie heute. Ab 1990 haben wir uns verstärkt auf die Zierpflanzenproduktion für den Endverbraucher fokussiert. Seit 2010 wird die Gärtnerei als GbR von meiner Schwester und mir geführt. Die 100 Jahr Feier 2013 krönte bisher die lange Historie unseres Familienbetriebes.

Was zeichnet Ihren Betrieb aus?
Wir sind eine produzierende Einzelhandelsgärtnerei mit starker Eigenproduktion. Von klassischen Topfpflanzen über Gemüse bis hin zu Schnittblumen bieten wir ein breites Sortiment an. Darüber hinaus stehen unseren Kunden auch verschiedenste Dienstleistungen zur Verfügung, wie z.B. Floristik für unterschiedliche Anlässe, Grabbepflanzungen oder aber auch die Überwinterung von Kübelpflanzen. Auch Dekoelemente für den Balkon und Garten sowie die ein oder andere kulinarische Leckerei sind bei uns erhältlich.

Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?
Das Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger, auch für unseren Betrieb. Es gibt bei uns teilweise schon erste Erfahrung mit torfreduziertem Substrat bei der Kultur von Schnittgerbera. Diese Erfahrung auch auf Topfpflanzen mit breiter Unterstützung zu erweitern, ermöglicht das Projekt, das sich für mich interessant anhörte.
Natürlich ist mit etwas mehr Aufwand zu rechnen. Aber die Projektbetreuung ist super und die Möglichkeit, sich mit anderen Betrieben austauschen zu können, ist genial.

Haben sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?
Bisher ist noch nichts absehbar, aber ich bin auch erst vor kurzem mit meiner ersten Kultur in das Projekt aktiv gestartet. Was den theoretischen Input betrifft, wurden die Erwartungen übertroffen.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?
Kurz und knapp – Die hoffentlich guten Erfahrungen aus diesem Projekt auf alle Kulturen zu übertragen und Anderen den Einstieg in die Thematik zu erleichtern.

Cyclamen nach 18 Wochen Kultivierung in 55% torfreduziertem Substrat. (Fotos: LfULG)

Gärtnerei Krebs

Gärtnerei Krebs – Modellregion Nord

Interview mit Oliver Krebs am 13.07.2020.

Oliver Krebs

In der Beet- und Balkonsaison hat Herr Krebs ein Standardsubstrat mit 100% Torf und ein torfreduziertes Substrat mit 20% Holzfasern und 10% Rindenhumus verwendet. In der jetzt beginnenden Poinsettiensaison wird er mit einem Standardsubstrat arbeiten, welches bereits 15% Holzfasern, 10% Perlite und 10% Ton enthält und zum Vergleich ein 100% torffreies Biosubstrat testen. Dieses setzt sich zusammen aus 30% Rindenhumus, 30% Holzfasern, 15% Kokosfasern, 15% Kokosmark und 10% Ton.

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte Ihres Betriebes
Der Betrieb wurde 1905 in Roitzsch im Kreis Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) gegründet. Damals wurden auf einem Hektar Ackerland, sowie in einigen Mistbeetkästen Zierpflanzen, Obst und Gemüse kultiviert und der Vertrieb lief hauptsächlich über den Wochenmarkt. Anfang der 1960er Jahre siedelte der inzwischen von meinem Großvater geführte Betrieb nach Bexhövede in eine Gärtnersiedlung um und begann unter Glas Hortensien, Cyclamen, Pelargonien und anderes zu kultivieren. In den 1970ern kam der Einstieg in die Jungpflanzenproduktion. Inzwischen produzieren wir immer mehr Rohware, die wir zu 50% an eigene Kunden und 50% an andere Abnehmer abgeben. Über die Jahre ist der Betrieb stetig weitergewachsen, sodass unser Betrieb inzwischen 40000 m² umfasst, von denen wir auf 12000 m² unter Glas produzieren.

Was zeichnet Ihren Betrieb aus?
Wir sind sehr flexibel. Wir machen keine Massenkulturen und versuchen immer etwas Besonderes in verhältnismäßig kleineren Mengen anzubieten. Seit ca. 15 Jahren sind wir für andere Jungpflanzenbetriebe Partner und übernehmen dort einen Teil der Produktion, z.B. Mutterpflanzenhaltung.

Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?
Ich habe das bei anderen immer mit Interesse beobachtet und mir die Frage gestellt, ob das funktioniert. Bei den anderen schien es zu gehen, aber auch mit etwas mehr Aufwand verbunden zu sein. Darauf war ich dann auch eingestellt.

Haben sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?
Bisher tatsächlich noch nicht. Wir hatten ja 30% Torfersatz in unserem ersten Vergleichssubstrat und ich hatte mit den Kulturen keinen Mehraufwand bisher. Die Ergebnisse haben mich am Ende auch überzeugt. Bei den Poinsettien mit der 100% torffreien Bioerde denke ich aber, dass es sicher aufwendiger wird.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?
Solange genügend Torfersatzstoffe verfügbar sind, wollen wir den Torfersatz bei uns im Betrieb auf jeden Fall hochschrauben und das auch so an unsere Kunden vermarkten. Ich denke allerdings, dass die Rohstoffverfügbarkeit sicher ein Problem darstellen wird.

Pelargonium peltatum „Decora Red“ nach 15 Wochen Kultivierung. Links im Standard- und rechts im torfreduzierten Substrat. (Fotos: LVG Ahlem)

Vorstellung der LfULG Dresden-Pillnitz

Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) ist als landesweit zuständige Fachbehörde des Freistaates Sachsen dem Sächsischen Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft nachgeordnet. Das Aufgabenspektrum reicht vom Hoheitsvollzug von Fachgesetzen über die Agrar- und Naturschutzförderung, die anwendungsorientiere Forschung sowie die Bildung bis hin zur Politikberatung hinsichtlich aller Belange der Umwelt, der Landwirtschaft und der Geologie. Die zum LfULG gehörende Abteilung Gartenbau in Dresden-Pillnitz – im Folgenden als LfULG Dresden-Pillnitz bezeichnet – hat eine vergleichbare Funktion wie die Lehr- und Versuchsanstalten für Gartenbau (LVG) der anderen Bundesländer. In der Zuständigkeit des LfULG Dresden-Pillnitz befinden sich auch die ca. 480 sächsischen Zierpflanzenbaubetriebe (davon etwa 90 % Einzelhandelsgärtnereien).

Blick über die Lehr- und Versuchsgewächshäuser des LfULG Dresden-Pillnitz (Foto: M. Dallmann, LfULG).

Am Standort Pillnitz wird auf eine über 100-jährige gärtnerische Tradition zurückgeschaut. Die Anfänge gehen auf die Gründung einer Höheren Gartenbauschule 1872 in Dresden zurück, die 1922 nach Pillnitz verlagert wurde. Die 1914/15 errichtete Sächsisch-Königliche Hofgärtnerei in Pillnitz wurde 1921 in die Staatliche Versuchs- und Beispielsgärtnerei zu Dresden-Pillnitz an der Elbe umgewandelt. 1939 fusionierten beide Pillnitzer Einrichtungen zur Staatlichen Lehranstalt für Gartenbau mit dem Ziel Lehre und Forschung auch strukturell zusammen zu führen.  Nach den Zweiten Weltkrieg erfolgte eine Aufteilung des Instituts für Gartenbau in verschiedene Institutionen wie eine Ingenieurschule für Gartenbau, ein Akademieinstitut sowie einen staatlichen Gartenbaubetrieb. Anfang der 1990er Jahre kam es jedoch zum erneuten Zusammenschluss gartenbaulicher Arbeitsgebiete in einer gemeinsamen Verwaltungsinstitution des Freistaates Sachsen.

Bis heute gehen die gartenbauliche Forschung und Lehre in Pillnitz einher. So zählen zu den wesentlichen Aufgaben des LfULG Dresden-Pillnitz neben der Versuchstätigkeit zu landesfinanzierten Forschungs- und Entwicklungsprojekten auch die gartenbauliche Fachschulausbildung und die Überbetriebliche Ausbildung in allen gartenbaulichen Berufen sowie der Wissenstransfer in die regionalen Gartenbaubetriebe.

Im Rahmen der bundesweiten Versuchskoordinierung Zierpflanzenbau hat das LfULG Dresden-Pillnitz unter anderem die Fachredaktion „Pflanzenernährung“ inne. Nach eigenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten zu Substratschnelltests, zum Nährstoffbedarf neuer Pflanzenarten und Produktformen, zur mengenbilanzierten Düngung sowie zur Vollversorgung mit Vorratsdüngern koordinierte das LfULG Dresden-Pillnitz von 2013 bis 2017 die bundesweite Arbeitsgruppe „Reduzierung des Phosphoreinsatzes im Zierpflanzenbau“. Im Rahmen der Versuche zu diesem Projekt wurde in Dresden-Pillnitz auch die Düngungsanpassung bei torfreduzierten Substraten, insbesondere hinsichtlich der Phosphordüngung untersucht. Dabei wurden bei einer Reihe von Zierpflanzenarten Erfahrungen mit dem Einsatz torfreduzierter Substrate verschiedener Hersteller und verschiedener Substratrezepturen gesammelt. Bei regionalen Fachveranstaltungen wurden diese Versuche mit Praxisvertretern besichtigt und diskutiert. Andere Arbeitsschwerpunkte am LfULG Dresden-Pillnitz sind Sortimentssichtungen bei Beet- und Balkonpflanzen, die programmierte Kulturführung bei Topfkulturen unter Glas sowie der Freilandschnitt.

Die Projektleitung der Modellregion Ost im Modell-und Demonstrationsvorhaben »TerZ« hat Stephan Wartenberg, der Leiter des Referates Zierpflanzenbau am LfULG. Anna-Victoria August ist als Regionalkoordinatorin für die Projektbearbeitung zuständig und begleitet die Demonstrationsbetriebe bei der Umstellung auf stark torfreduzierte Substrate.

Die fünf Projektteilnehmer der Modellregion Ost zusammen mit der Regionalkoordinatorin sowie der Gesamtkoordinatorin und der BWL-Begleitung während des ersten Projekttreffens (Foto: M. Dallmann, LfULG).

Gärtnerei Sporleder

Gärtnerei Sporleder – Modellregion Nord

Interview mit Johannes Sporleder am 01.07.2020. Als Standardsubstrat wird ein Substrat mit 10% Holzfasern verwendet. Das TerZ-Substrat enthält 15% Holzfasern und 15% Perlite.

Johannes Sporleder

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte Ihres Betriebes
Anfang der fünfziger Jahre wurde der Betrieb als reine Gemüsegärtnerei von meinen Großeltern gegründet. Mein Vater und Onkel übernahmen den Betrieb in den siebziger Jahren und wandelten ihn in einen Zierpflanzenproduktionsbetrieb um. Dabei lief der Absatz anfangs fast ausschließlich über den Wochenmarkt. Zu Beginn der neunziger Jahre eröffneten sie das erste Ladengeschäft in Heyen, 1999 das nächste in Bad Münder und 2012 ein weiteres in Hehlen. Seit 2016 findet in Heyen nur noch die Produktion statt.

Auf einer Grundfläche von etwa 5000 m² produzieren wir jetzt ein breites Beet- und Balkonsortiment, Frühjahrsblüher und Weihnachtssterne.

Was zeichnet Ihren Betrieb aus?
Die Eigenproduktion. Beet und Balkon ist bei uns die stärkste Zeit. Aber wir haben auch eine starke Floristik und bieten seit 2016 verschiedene Services rund um die Pflanze an. Dazu gehören GaLa-Bau, Überwinterungsservice, Trauerfloristik und Grabpflege. Sämtliche Geschäftsbereiche sind dabei nach wie vor in Familienhand.

Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?
Wir hatten nie etwas gegen Torfersatz. Das Arbeiten mit Torf war bisher halt immer sehr einfach, da er sich immer gleich verhält und gut berechenbar ist. Bei Torfersatzstoffen muss man dann genauer gucken, wie es sich mit der Wasserspeicherung und den Salzgehalten im Substrat verhält.

Haben sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?
Wir haben ja jetzt mit 30% Torfersatz angefangen und das war kein Problem. Beim Gießen hat man es etwas gemerkt, dass das Substrat schneller abtrocknet und von den Kosten her ist es etwas teurer, aber nicht erheblich.

Die Poinsettien werden jetzt demnächst noch interessant. Da starten wir den Versuch direkt mit 50% Torfersatz.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?

Ich glaube ganz vom Torf weg wird man es nicht schaffen, aber ich denke unser Standardsubstrat wird dann bei 50% Torfersatz liegen und bei Gemüse könnte ich mir vorstellen, dass wir das bis dahin komplett torffrei produzieren.

Foto: Pelargonium zonale “Diego” nach 12 Wochen Kultivierung in einem Substrat mit 30% Torfersatz
Team Sporleder in Hehlen