03.07.2021 – Pillnitzer Gartentag 2021 “light” (LfULG)

Das LfULG lädt herzlich alle Gartenfreunde und Gartenbaufachleuchte zum Pillnitzer Gartentag 2021 „light“ am 03. Juli 2021 ein.
Von 10:00 bis 17:00 Uhr können die Freilandflächen besichtigt werden. Hier werden aktuelle Sortimente in torffreien Substraten und Inspirationen zur Balkonbepflanzung gezeigt. Interessierte Besucher erhalten außerdem vielseitige Informationen u.a. zu Ziergehölzen, Stauden und Blumenerden für den Haus- und Kleingarten.
Holen Sie sich Anregungen und Informationen für Ihre Gartengestaltung. Informieren Sie sich über berufliche Chancen in der grünen Branche.

Für Ihre Fragen stehen unsere Experten bereit. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

07.07.2021 – Sommertagung Zierpflanzenbau digital (LVG Heidelberg)

Herzliche Einladung zur digitalen Sommertagung Zierpflanzenbau der LVG Heidelberg am 07.07.2021 von 9:00 bis 12:30 Uhr.

Das Programm

09:00 Uhr – Begrüßung und Moderation
Christoph Hintze, LVG Heidelberg

Grußwort
Gerhard Hugenschmidt, Präsident des Gartenbauverbandes Baden-Württemberg-Hessen e.V.

Volles Programm – Neuheiten und Highlights 2022 für Beet und Balkon
Rainer Koch, LVG Heidelberg

Wie Vielfalt gelingt – Kulturpflanzen und Wildstauden im Team
Vera Joedecke, LVG Heidelberg

Verrottbare Töpfe – was geht wofür?
Ute Ruttensperger, LVG Heidelberg

10:30 – 10:45 Uhr Pause

Ein Ort an dem Leben blüht – Nachhaltigkeit und Torfersatz im Betrieb Jäger, Ettenheim

Christian Jäger, Gärtnerei Jäger

50 % als Ziel – Erfahrung und Ergebnisse aus dem Projekt „Einsatz torfreduzierter Substrate im Zierpflanzenbau (TerZ)“
Fabian Heesch und Robert Koch, LVG Heidelberg

12:00 Uhr – Verabschiedung Gerhard Sorg
Gerhard Hugenschmidt, Präsident des Gartenbauverbandes
Baden-Württemberg-Hessen e.V.

Anmeldung

Die Anmeldung zur digitalen Sommertagung finden Sie hier.

Anmeldefrist: 05.07.2021

Die Zugangsdaten werden Ihnen nach erfolgter Anmeldung per E-Mail zur Verfügung gestellt.

Erfolgreicher Austausch mit unseren Demonstrationsbetrieben zur Frühjahrsblüher-Saison

von Andreas Weber, LVG Heidelberg

Am 25.03.2021 fand mit neun Demonstrationsbetrieben aus vier Modellregionen ein gelungener, virtueller Austausch zum Thema “Produktion von Frühjahrsblühern in torfreduzierten Substraten” statt. Über 75 Minuten tauschten sich die Gärtner untereinander und mit den Regionalkoordinatoren über den Verlauf der Kulturen aus.

Insgesamt erzielten alle Gärtner mit den torfreduzierten Substraten ähnliche bis bessere Ergebnisse als mit ihren normalerweise verwendeten Substraten. Hierfür musste allerdings vereinzelt die Düngung angepasst werden. Drei Betriebe erhöhten die Düngung bei den torfreduzierten Kulturen.  Ein Betrieb im Norden erhöhte die Düngung sogar um 50 %. Wobei hier zu sagen ist, dass er dies auch für seine im Standardsubstrat kultivierten Kulturen durchführte, um so eine gute Versorgung aller Kulturen zu gewährleisten, da die Düngung bisher immer recht niedrig angesetzt war und dies in den Analyseergebnissen des Projekts auffiel. Ein Betrieb im Osten sowie ein Betrieb im Westen konnten ihre im Kulturverlauf zu klein und kompakt gewachsenen Primeln im torfreduzierten Substrat durch eine Erhöhung der Düngung ausgleichen.

Auch in zwei weiteren Betrieben wurden bei den torfreduziert produzierten Primeln etwas geringere Nährstoffgehalte als im Standardsubstrat registriert, was sich in diesen Fällen jedoch nicht sichtbar auf den Wuchs der Pflanzen auswirkte. Anders bei einem Betrieb aus der Region West. Dort sorgte der im torfreduzierten Substrat enthaltene Kompost für höhere Kaliumgehalte, welche für einen kompakteren Habitus der kultivierten Nelken und Primeln sorgten, was der Betrieb sehr positiv bewertete. Auf ähnliche Weise beobachtete ein weiterer Betrieb aus der Region West, dass er seine Primeln im torfreduzierten Substrat weniger hemmen musste.

Des Weiteren wurde bei drei Betrieben, zwei mit Violen, einer mit Ranunkeln, bemerkt, dass die Kulturen im torfreduzierten Substrat eine geringfügig schwächere Durchwurzelung aufwiesen, was sich allerdings auf die Qualität nicht sichtbar auswirkte.

Insgesamt sind die Betriebe mit den im torfreduzierten Substrat kultivierten Frühjahrsblühern sehr zufrieden und nutzen die Möglichkeit, sich über die im Kulturverlauf aufgetretenen Herausforderungen mit der Düngung, den Nährstoffgehalten und der Durchwurzelung konstruktiv auszutauschen.

Primeln der Gärtnerei Leenen im Standard sowie im torfreduzierten Substrat. (Foto: Versuchszentrum Gartenbau Straelen)

Gärtnerei Berchtenbreiter

Gärtnerei Berchtenbreiter – Modellregion Süd

Die Gärtnerei Berchtenbreiter aus München nimmt am Projekt TerZ in der Modellregion Süd teil.

Hermann Berchtenbreiter führt das Unternehmen mit seiner Frau Karin und seiner Tochter Alexandra. (Foto: Berchtenbreiter.de)

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte ihres Betriebes

Um 1900 herum entstanden in der Schwanseestraße auf nahezu gleichgroßen Parzellen acht Gärtnereien. Eine dieser Parzellen ist die heutige Gärtnerei Berchtenbreiter, die anderen Parzellen sind inzwischen bebaut worden. Ursprünglich war der Gärtnereibetrieb zur Gemüseproduktion errichtet worden. Mitte des letzten Jahrhunderts wurden zunehmen Blumen und Topfpflanzen produziert. Auch Gemüse und Obst wurden angeboten. Ende der 60er Jahre stellte man die Gemüseproduktion ein, parallel wurde die Dienstleistung am Friedhof verstärkt betrieben.

Seit 1990 führt Hermann Berchtenbreiter die Friedhofsgärtnerei und seit 1995 den gesamten Gärtnereibetrieb. Im Frühjahr 2016 wurden die Türen unseres neuen Verkaufsgewächshauses geöffnet, welches für unsere Kunden auf über 450 m2 ein noch besseres Einkaufserlebnis ermöglicht. Die Pflanzenproduktion wurde gleichermaßen stets weiterentwickelt, so dass auf über 4.000 m2 Gewächshausfläche frische, gesunde Pflanzen vor Ort produziert werden.

Das Team der Berchtenbreiter GmBH (Foto: Berchtenbereiter.de)

Was zeichnet ihren Betrieb aus?

Der Schwerpunkt unseres Betriebes liegt auf der ganzjährigen Betreuung von über 3500 Gräbern an mehreren Friedhöfen in München und damit verbunden die eigene Produktion der benötigten Pflanzen direkt vor Ort. In unserem vor 5 Jahren erbauten Blumenhaus können die Kunden unsere direkt vor Ort produzierten Pflanzen kaufen.

Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?

Wir haben früher schon mit Torfersatzstoffen Erfahrungen gesammelt, ebenso mit torffreien Substraten. Wir haben für die Produktion in unseren 24er Platten für den Friedhof besondere Anforderungen an die Struktur des Substrats. Daher haben wir schon öfters verschiedene Substrate ausprobiert. Unser Ziel ist es, mit möglichst wenigen verschiedenen Substraten unsere vielfältigen Kulturen produzieren zu können.

Haben sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?

Bisher gab es kaum Unterschiede zwischen den Substraten, außer bei einigen Herbstkulturen und der Kultur von Poinsettien.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?

Wir sind positiv eingestellt, was eine Produktion mit torfreduzierten Substraten angeht. Wir wünschen uns jedoch, dass die Rohstoffe dafür nachhaltig sind, beispielsweise Kompost.  Wir hoffen, mit torfreduzierten Substraten dauerhaft gute Ergebnisse erzielen zu können, jedoch halten wir eine Produktion in komplett torffreien Substraten bei vielen Kulturen für problematisch.

Ein Blick auf die Kultur von Viola in torfreduziertem Substrat. (Foto: HSWT)

Videoportrais: Torfreduzierte Substrate

Zum 50-jährigen Jubiläum der am Projekt TerZ teilnehmenden Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hat diese Videoportrais zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zu ehemaligen Absolbentinnen und Absolventen sowie auch zu Forschungsprojekten produziet. So auch zu unserem Projekt TerZ.

Gärtnerei Hartmann

Gärtnerei Hartmann – Modellregion Süd-West

Interview mit Herrn Ulrich Hartmann am 09.02.2021, Betriebsleiter der Gärtnerei Hartmann in Ubstadt-Weiher.

Ulrich Hartmann produziert ausgewählte Arten in großen Stückzahlen für den Großhandel. (Foto: Großmarkt Mannheim)

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte Ihres Betriebes.
Die Gärtnerei Hartmann wurde im Jahre 1996, vor 25 Jahren, in Ubstadt-Weiher als Neubau gegründet. Damals hatte der Betrieb eine Unterglas-Fläche von 2.700 Quadratmetern. Ich hatte schon lange den Wunsch, mich als Gärtner selbstständig zu machen. Die Geschäftsidee, die hinter der Firmengründung stand, war folgende: Die meisten Erzeuger in Süddeutschland konzentrieren sich auf den Vertrieb an Blumenfachgeschäfte und bieten ein breites Sortiment an, wohingegen sich die Erzeuger am Niederrhein auf den Vertrieb über den Großhandel fokussieren und sich dabei auf einige Kulturarten spezialisieren. Hier habe ich für mich  eine Marktlücke erkannt. Der Betrieb konnte sich im Laufe der Jahre erfolgreich entwickeln und in kleinen Schritten wachsen. Heute hat die Gärtnerei Hartmann eine Gewächshausfläche von 3 Hektar und eine Freilandfläche von 1 Hektar.

Was zeichnet Ihren Betrieb aus?
Kurz gesagt: Große Stückzahlen in gleichmäßiger Qualität. Wir fokussieren uns auf bestimmte Kulturarten und vermarkten über den Großhandel. Andere Gärtnereien produzieren nur in kleinen Stückzahlen und stellen sich auf Kundenwünsche kleiner Blumenfachgeschäfte ein, das machen wir nicht, und das spiegelt sich auch in der Auswahl der Kulturarten und Sorten wieder. Dank unserer Vertriebswege und die unmittelbare Nähe zum Walldorfer Kreuz, wo sich die A5 und die A6 kreuzen, können wir unsere Produkte überregional vermarkten.

Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?
Ich war vor dem Projekt gegenüber Torfersatzstoffen prinzipiell offen und nicht abgeneigt. Mir ist das Thema Nachhaltigkeit wichtig und ich möchte auch grundsätzlich über den Tellerrand hinausschauen. Ich habe bei den verschiedenen Torfersatzstoffen keine Präferenzen. Allerdings sehe ich die Kokosfaser nicht als angemessenen Torfersatzstoff, da sie aufgrund der langen Transportwege und der Herstellungsbedingungen meiner Meinung nach nicht unbedingt nachhaltiger als Torf ist. Auch bei der Holzfaser muss man darauf achten, wie sie produziert wird. Bei der Anwendung der torfreduzierten Substrate im Anbau hatte ich keine Bedenken.

Haben sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?
Bisher bin ich mit der Nutzung der torfreduzierten Substrate zufrieden. Meine Erwartungen haben sich erfüllt, ich kann auch mit geringeren Torfanteilen gute Qualitäten produzieren und habe dabei keinen größeren Mehraufwand.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?
Ich möchte das Ziel „maximal 50% Torfanteil“ erreichen und halten und auch im Anschluss an das Projekt nicht wieder zurück zu höheren Torfanteilen. Der politische Druck wird in den nächsten Jahren sowieso zunehmen. Unabhängig davon möchte ich auch selbst etwas tun und beim Thema Umweltschutz vorangehen. Ich glaube, eine zunehmende Torfreduzierung ist umsetzbar, das ist machbar!

Florian Hartmann (und auch sein Bruder Michael) zeigen sich interessiert am Torfersatz. Dieses Thema werden sie auch schon bald in der Vorbereitung zur Meisterprüfung an der LVG Heidelberg vertiefen. (Foto: LVG Heidelberg)
Die Primeln ließen sich mit großer Stückzahl in einem torfreduzierten Substrat (Torf 65 %, Holzfaser 20 %, Rindenhumus 10 % und Ton 5 %) in guter Qualität produzieren. (Foto: LVG Heidelberg)

Gartenbau Stefan Gerritzen

Gartenbau Stefan Gerritzen – Modellregion West

Als Demonstrationsbetrieb in der Modellregion West nimmt Gartenbau Stefan Gerritzen (Sunshine Flowers) am Projekt TerZ teil. Er lässt uns für das Interview hinter die Kulissen blicken und berichtet über seinen Produktionsbetrieb, sowie über seine Einstellung zu Torfersatzstoffen.

Gärtnermeister Andreas Peters (links) und Betriebsinhaber Stefan Gerritzen (rechts)

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte Ihres Betriebes

Die Unternehmensgründung durch Franz Gerritzen erfolgte 1964 als Schnittblumenbetrieb. Bereits wenige Jahre später folgte die Umstellung der Produktion auf Topfpflanzen. 1996 wurde die Produktion von Eriken und Azaleen um winterharte Callunen ergänzt. Im Jahr 2008 habe ich, Stefan Gerritzen, den Betrieb übernommen und weiter ausgebaut. Zurzeit werden Solanum jasminoides (Jasminblütiger Nachtschatten) und Calluna vulgaris (Besenheide) auf einer Fläche von 18 Hektar produziert.

Was zeichnet Ihren Betrieb aus?

Wir sind ein Produktionsbetrieb, der sich unter anderem durch moderne Technik hervorhebt. Das ist vor allem für die Mitarbeiter sehr positiv, da beispielsweise Kulturarbeiten oder das Packen der verkaufsfertigen Ware wesentlich rückenschonender und einfacher erledigt werden können. Außerdem achten wir auf eine umweltschonende Produktion, beispielsweise mit einer geschlossenen Bewässerung im Gewächshaus. Im Freiland bewässern wir unsere Pflanzen hauptsächlich mit wassersparenden Gießwagen.

Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?

Bezüglich der Callunen-Kultur, die in unserem Betrieb im Projekt im Mittelpunkt steht, dachten wir, dass wir mit einem hohen Anteil an Torfersatzstoffen Probleme bei der Pflanzenqualität bekommen. Da Callunen als Moorbeetpflanzen einen sehr niedrigen pH-Wert im Substrat benötigen, den der Torf ja mit sich bringt, haben wir zusätzlich Probleme mit zu hohen pH-Werten erwartet. Auch mit erheblich höheren Kosten für die Substrate haben wir gerechnet.

Haben sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?

Schon im ersten Jahr haben wir im TerZ-Substrat den Einsatz von Torf auf 50 Vol.-% gesenkt. Das hat erstaunlich gut geklappt. Der pH-Wert blieb fast die komplette Kulturzeit hindurch in einem optimal niedrigen Bereich. Im zweiten Kulturjahr im Projekt haben wir die Düngung etwas angepasst, ansonsten möchten wir das Substrat nochmals in der gleichen Zusammensetzung nutzen. Tatsächlich hat sich in Bezug auf die Mehrkosten unsere Befürchtung bewahrheitet. Aktuell haben wir bei der 50 Vol.-% torfreduzierten Variante einiges an Mehrkosten pro m³ Substrat.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?

In den nächsten zehn Jahren möchten wir unser Standard-Substrat komplett auf ein mindestens 50 Vol.-% torfreduziertes Substrat umstellen.

Calluna vulgaris (Besenheide) – Bestand kurz vor der Vermarktung. (Foto: Versuchszentrum Gartenbau Straelen)

Gartenbau Johannes Heekeren

Gartenbau Johannes Heekeren – Modellregion West

Der Familienbetrieb „Gartenbau Johannes Heekeren“ nimmt als Demonstrationsbetrieb in der Modellregion West am Projekt TerZ teil. Das erste Kulturjahr im Projekt verlief sehr positiv, bei Torfersatzanteilen von 50 – 100 Vol.-%. Im zweiten Jahr sollen die Substrate weiter im Torfanteil reduziert und die torffreien Partien erweitert werden. Über die ersten Eindrücke berichtet Familie Heekeren im Interview.

Betriebsinhaber Johannes Heekeren mit Tochter Anna

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte Ihres Betriebes

Entstanden aus der Landwirtschaft, wurde unser Gartenbaubetrieb im Jahre 1989 gegründet. Auf einer Fläche von 2.000 m² Hochglas und ca. 1 ha Freiland wurden Beet-und Balkonpflanzen und diverse Stauden produziert. Hinzu kam noch Freilandgemüseanbau auf ca.3 ha. In den Folgejahren wurde die Gewächshaufläche nach und nach erweitert, Arbeitshallen integriert und der Gemüseanbau eingestellt. Die Freilandfläche wurde zur Containerfläche umgebaut, die Gewächshausfläche modernisiert. Der Betrieb verfügt heute über eine heizbare Folien- und Hochglasfläche von 13.000 m², sowie 5.000 m² Kulturflächen in Pachtbetrieben. Die Containerstellfläche ist ca. 3,5 ha groß. Heute sind wir auf Ziergräser, Lavendel, Edelweiß und Interspezifischen-Mix im Beetpflanzenbereich spezialisiert.

Was zeichnet Ihren Betrieb aus?

In unserem Betrieb herrscht ein sehr gutes Betriebsklima. Unter unseren Mitarbeitern sind die unterschiedlichsten Nationalitäten zu finden, was einen guten Austausch untereinander fördert.

Unsere Produkte zeichnen sich durch gute Qualität aus, die unter den Aspekten der Nachhaltigkeit kultiviert wurden. Hierzu gehört für uns auch der Einsatz neuester Technik. Außerdem können wir von uns behaupten ein sehr gutes Durchhaltevermögen an den Tag zu legen und dabei flexibel und spontan handeln zu können. Dies liegt unter anderem auch an unseren festen und zuverlässigen Kunden, mit denen wir langfristig arbeiten können.

Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?

Schon vor TerZ haben wir uns Gedanken über Torfersatzstoffe gemacht. Vor dem Start des Projektes haben wir bereits einige kleine Versuche mit torfreduzierten Substraten gemacht, auch aufgrund der Nachfrage unserer Kunden. Die Umstellung ist eine große Herausforderung für die gesamte Branche. Dass wir am Projekt teilnehmen konnten kam dann genau zur richtigen Zeit.  So haben wir Unterstützung bei der weiteren Torfreduzierung unserer Substrate.

Wir haben mit erheblichen Mehrkosten für Substrate und Problemen in der Nährstoffversorgung gerechnet.

Haben sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?

Bis zum jetzigen Zeitpunkt, zu Beginn des zweiten Kulturjahres im Projekt, ist alles sehr positiv verlaufen. Die Kosten sind momentan nicht nennenswert höher als bei einer Kultur mit höherem Torfanteil der Substrate. Auch einen erhöhten Arbeitsaufwand können wir aktuell nicht beobachten. Unsere Befürchtung ist allerdings, dass die Ersatzstoffe für Torf im Preis steigen werden, wenn immer mehr Torf ersetzt wird.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?

Die Umstellung auf Substrate mit einem Torfanteil von 50 Vol.-% ist nach bisherigen Erfahrungen gut machbar, auch wenn es bei manchen Kulturen der ein oder anderen Anpassung bedarf. Wir möchten in den nächsten Jahren auf einen Anteil von mindestens 80 Vol.-% an Torfersatzstoffen kommen. Wir halten an der Torfreduzierung fest und hoffen, dass immer mehr Gärtner eine Torfreduzierung anstreben und den weltweiten Torfabbau nicht mehr länger hinnehmen. Wir alle müssen umdenken und uns für eine nachhaltige Umwelt und gegen den Klimawandel einsetzen.

Viola x cornuta als Trios im 13cm Topf in drei verschiedenen Substraten. (Foto: Versuchszentrum Gartenbau Straelen)

Gärtnerei Schliebener

Gärtnerei Schliebener – Modellregion Nord

Tim Schliebener

Interview mit Tim Schliebener. Als Standardsubstrat wird ein Substrat mit 10% Holzfasern verwendet. Im Rahmen von TerZ hat Herr Schliebener zum Vergleich ein Substrat mit 30% Holzfasern und eins mit 15% Holzfasern und 15% Kokosmark bei den Pelargonien verwendet. Für die Poinsettien wird ein Standardsubstrat mit 10% Perliten und ein weiter torfredziertes Substrat mit 10% Perliten und 20% Holzfasern genutzt.

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte Ihres Betriebes

Unsere Einzelhandelsgärtnerei wurde 1960 von meinem Großvater gegründet. Zunächst wurden Gemüse und Schnittblumen, später dann auch Topfpflanzen produziert. Seitdem wurde sie kontinuierlich durch Baumaßnahmen, wie Erweiterung und Modernisierung der Produktions- und Verkaufsflächen, ausgebaut. 1972 haben meine Eltern den Betrieb übernommen und seit 2007 führe ich die Gärtnerei mit meiner Schwester. Wir produzieren inzwischen auf über 5000m² und nutzen eine Verkaufsfläche von 2000m².

Für unsere Kunden produzieren wir ein breites Sortiment aus Frühjahrsblühern, Beet- und Balkonpflanzen, Kräutern, Gemüse, Herbstzauber, sowie Poinsettien.

Was zeichnet Ihren Betrieb aus?
Die Vielseitigkeit, Frische und die große Eigenproduktion für den Endverkauf.


Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?
Ich fand es interessant, dass man auf diesem Wege endliche Rohstoffe einsparen kann. Es ist schon eine Umstellung für den Betrieb, sicher auch in den Kosten, aber es lohnt sich und man sollte die Natur bewusst schützen.

Haben sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?
Nein, bis jetzt lief alles reibungslos mit 30% Torfersatz und das sind immerhin 1/3 Rohstoffersparnis. Wir hatten keine Ausfälle zu verzeichnen und auch von den Kosten sind die Unterschiede gering.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?

Wir möchten es möglichst mit allen Kulturen auf 50% Torfersatz schaffen, ohne, dass die Produktion zu kosten- und arbeitsintensiv wird.

Fuchsia „red-blue“ nach 12 Wochen Kultivierung. Links im Standard-Substrat mit 90% Torf und 10% Holzfasern und rechts im weiter torfreduzierten Substrat mit 70% Torf und 30% Holzfasern. (Fotos: LVG Ahlem)

B&B-Saison und Herbst 2020: Erfolgreiche Produktion trotz Herausforderungen

Von Katja Arndt (LVG Ahlem), Robert Koch (LVG Heidelberg), Melanie Bank (VZG Straelen/ Köln-Auweiler), Anna-Victoria August (LfULG Dresden-Pillnitz) und Ronja Fritzsche (HSWT)

Alle 24 am TerZ-Projekt teilnehmenden Demonstrationsbetriebe in den fünf Modellregionen haben die diesjährige Beet- und Balkonsaison erfolgreich bestritten. Hierbei gestaltete sich die Produktion der meisten Pflanzenarten in Substraten mit einem Torfanteil von 65 bis 85 % als relativ problemlos. Zum Verkaufstermin unterschieden sich die Pflanzen kaum oder gar nicht von denen im jeweiligen Standardsubstrat. Auch der Mehraufwand bei der Kultur in den neuen Substraten hielt sich in Grenzen. Nur in einigen Fällen musste die Düngung etwas verändert werden, was durch die projektbegleitenden Substratanalysen rechtzeitig möglich war. Vereinzelt mussten ein bis zwei Gießvorgänge mehr durchgeführt werden.

Ein Betrieb der Region Süd-West gab an, dass sich die Bewässerung von Neu-Guinea-Impatiens in einem torfreduzierten Substrat (Torfanteil von 60 %) etwas schwieriger gestaltete, da einmal trockengefallen, die Wiederbenetzung dieses Substrates schwierig gewesen sei. „Torfersatz verzeiht nur wenig Fehler im Gießen“, so der Betriebsleiter. Alle anderen Kulturen wie Pelargonien oder Semperflorensbegonien liefen aber auch bei ihm wie in den anderen Betrieben problemlos.

Die Region West freute sich zusätzlich über den sehr guten und frühzeitigen Absatz der Pflanzen, da hierdurch lange Standzeiten und Kulturverlängerungen ausblieben. Aber auch weitere Vorteile, wie zum Beispiel ein schnelleres Abtrocknen des stärker torfreduzierten Substrates, wurden von den Betriebsleitern wahrgenommen. Aufgrund des Kulturerfolges wollen einige Demonstrationsbetriebe das im Projekt erprobte torfreduzierte Substrat in der nächsten Beet- und Balkonpflanzensaison zu ihrem aktuellen Standardsubstrat machen. Ein Betrieb in der Region Süd stellte sogar schon jetzt den gesamten Betrieb auf ein Substrat mit einem Anteil von 50 % Torf um.

Nach dieser erfolgreichen Beet- und Balkonsaison gingen die Demonstrationsbetriebe in der zweiten Jahreshälfte erneut motiviert und torfreduziert mit den Herbstkulturen ins Rennen. Dabei zeigte sich dann allerdings, dass eine Änderung der Substratzusammensetzung bei anspruchsvolleren und länger stehenden Kulturen wie beispielsweise Cyclamen oder Poinsettien durchaus als Herausforderung gesehen werden kann. Diese Kulturen reagierten deutlich sensibler auf Abweichungen in den Kulturbedingungen als die meisten Beet- und Balkonpflanzen. Die extremen Witterungsbedingungen der Sommermonate stellten dabei zusätzlich Anforderungen bei der Umstellung auf die torfreduzierten Substrate dar.

In der Region Ost (Torfanteil von 45 – 70 %) entwickelten einige torfreduzierte Substrate unter diesen Bedingungen eine höhere Dynamik hinsichtlich der pflanzenverfügbaren Nährstoffe, bei der Wasserversorgung oder der Entwicklung des pH-Wertes. Neben direkten Auswirkungen in Form von Nährstoffüberschuss- und -mangelsymptomen wuchs auch das Risiko für Pilzerkrankungen wie beispielsweise für Pythium oder Phytophthora bei Poinsettien.  Es kam zu Schäden und Ausfällen, die jedoch durch rasches Handeln in Grenzen gehalten werden konnten.

Entsprechende Probleme traten auch in der Region West bei der Kultivierung von Poinsettien in einem torffreien Substrat auf und führten letztlich trotz Gegenmaßnahmen zu Qualitätseinbußen.

Auch in der Region Nord war eine erhöhte Stickstoffversorgung bei den torfreduziert produzierten Poinsettien notwendig. Ein Betrieb ging mit der Sorte ‘Christmas Universe’ mit 0 % Torfanteil und rein biologischer Grunddüngung im Substrat gleich aufs Ganze. Diese Kultur war sehr herausfordernd, da in den ersten Wochen eine Stickstoffunterversorgung in Substrat und Pflanze auftrat, welche während der restlichen Kultur nur schwer aufzuholen war. Dies erzeugte viel Handlungsbedarf und zeigte am Ende dennoch einen kleinen Größenunterschied der Pflanzen im Vergleich zu denen im Standardsubstrat.

Auf jeden Fall war und ist eine deutlich höhere Aufmerksamkeit erforderlich, um auf die im Vergleich zu den Standard-Substraten höhere Dynamik zu reagieren.

Euphorbia pulcherrima ‘Christmas Universe’ 11 Wochen nach dem Topfen.
Substrate: Jeweils links torffrei mit 30 % Rindenhumus, 30 % Holzfaser, 15 % Kokosfaser, 15 % Kokosmark, 10 % Ton und rechts im Standardsubstrat mit 65 % Torf, 15 % Holzfaser, 10 % Perlite, 10 % Ton (Fotos: LVG Ahlem)

In der Region West bereicherte Calluna vulgaris das Kulturspektrum. Es zeigte sich eine Wechselwirkung zwischen Substratzusammensetzung und Topfgröße auf die Qualität der Pflanzen. Während sich beim 50 % torfreduzierten Substrat im 12-cm-Topf Pflanzen gleicher Qualität wie im Standardsubstrat (100 % Weißtorf) kultivieren ließen, gab es im 10,5-cm-Topf vor allem bei den Farben Weiß und Rosa viele kurzgebliebene Pflanzen.

Calluna vulgaris, links 100 % Weißtorf; rechts 50 % Weißtorf, 30 % Holzfaser, 20 % Kokos (Foto: Versuchszentrum Gartenbau Straelen/ Köln-Auweiler)

In einem baden-württembergischen Betrieb der Region Süd-West spielte beispielsweise bei Cyclamen ein erhöhter Salzgehalt im Substrat mit einem Torfanteil von 50 % in Verbindung mit großer Hitze eine maßgebende Rolle. Interessant hierbei waren die Sortenunterschiede. Während robusteren Sorten die erhöhten Salzgehalte nur wenig ausmachten, reagierte eine empfindliche Sorte mit einem Teilausfall.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen deutlich, dass die schrittweise Torfreduzierung nicht nur zwischen Gärtner und Substrathersteller diskutiert und vorangebracht werden muss, sondern dass die gesamte Branche inklusive Züchtung an diesem Prozess beteiligt sein sollte.   

Hohe Salzgehalte in Verbindung mit großer Hitze führten im torfreduzierten Substrat mit 50 % Torf, 15 % Holzfasern, 15 % Ton, 10 % Rindenhumus und 10 % Kompost sortenbedingt zu einem Teilausfall (rechte Seite), während eine robustere Sorte (linker Tisch) sich in guter Qualität weiterentwickelte (Foto: LVG Heidelberg)