Gärtnerei Hartmann

Gärtnerei Hartmann – Modellregion Süd-West

Interview mit Herrn Ulrich Hartmann am 09.02.2021, Betriebsleiter der Gärtnerei Hartmann in Ubstadt-Weiher.

Ulrich Hartmann produziert ausgewählte Arten in großen Stückzahlen für den Großhandel. (Foto: Großmarkt Mannheim)

Erzählen Sie kurz etwas über die Geschichte Ihres Betriebes.
Die Gärtnerei Hartmann wurde im Jahre 1996, vor 25 Jahren, in Ubstadt-Weiher als Neubau gegründet. Damals hatte der Betrieb eine Unterglas-Fläche von 2.700 Quadratmetern. Ich hatte schon lange den Wunsch, mich als Gärtner selbstständig zu machen. Die Geschäftsidee, die hinter der Firmengründung stand, war folgende: Die meisten Erzeuger in Süddeutschland konzentrieren sich auf den Vertrieb an Blumenfachgeschäfte und bieten ein breites Sortiment an, wohingegen sich die Erzeuger am Niederrhein auf den Vertrieb über den Großhandel fokussieren und sich dabei auf einige Kulturarten spezialisieren. Hier habe ich für mich  eine Marktlücke erkannt. Der Betrieb konnte sich im Laufe der Jahre erfolgreich entwickeln und in kleinen Schritten wachsen. Heute hat die Gärtnerei Hartmann eine Gewächshausfläche von 3 Hektar und eine Freilandfläche von 1 Hektar.

Was zeichnet Ihren Betrieb aus?
Kurz gesagt: Große Stückzahlen in gleichmäßiger Qualität. Wir fokussieren uns auf bestimmte Kulturarten und vermarkten über den Großhandel. Andere Gärtnereien produzieren nur in kleinen Stückzahlen und stellen sich auf Kundenwünsche kleiner Blumenfachgeschäfte ein, das machen wir nicht, und das spiegelt sich auch in der Auswahl der Kulturarten und Sorten wieder. Dank unserer Vertriebswege und die unmittelbare Nähe zum Walldorfer Kreuz, wo sich die A5 und die A6 kreuzen, können wir unsere Produkte überregional vermarkten.

Wie war Ihre Einstellung vor dem Projekt zu Torfersatzstoffen? Was haben Sie darüber gedacht? (Anwendung, Kosten, etc.)?
Ich war vor dem Projekt gegenüber Torfersatzstoffen prinzipiell offen und nicht abgeneigt. Mir ist das Thema Nachhaltigkeit wichtig und ich möchte auch grundsätzlich über den Tellerrand hinausschauen. Ich habe bei den verschiedenen Torfersatzstoffen keine Präferenzen. Allerdings sehe ich die Kokosfaser nicht als angemessenen Torfersatzstoff, da sie aufgrund der langen Transportwege und der Herstellungsbedingungen meiner Meinung nach nicht unbedingt nachhaltiger als Torf ist. Auch bei der Holzfaser muss man darauf achten, wie sie produziert wird. Bei der Anwendung der torfreduzierten Substrate im Anbau hatte ich keine Bedenken.

Haben sich bisher Befürchtungen oder Erwartungen erfüllt?
Bisher bin ich mit der Nutzung der torfreduzierten Substrate zufrieden. Meine Erwartungen haben sich erfüllt, ich kann auch mit geringeren Torfanteilen gute Qualitäten produzieren und habe dabei keinen größeren Mehraufwand.

Was sind Ihre Ziele hinsichtlich der Verwendung von Torfersatzstoffen in den nächsten 10 Jahren?
Ich möchte das Ziel „maximal 50% Torfanteil“ erreichen und halten und auch im Anschluss an das Projekt nicht wieder zurück zu höheren Torfanteilen. Der politische Druck wird in den nächsten Jahren sowieso zunehmen. Unabhängig davon möchte ich auch selbst etwas tun und beim Thema Umweltschutz vorangehen. Ich glaube, eine zunehmende Torfreduzierung ist umsetzbar, das ist machbar!

Florian Hartmann (und auch sein Bruder Michael) zeigen sich interessiert am Torfersatz. Dieses Thema werden sie auch schon bald in der Vorbereitung zur Meisterprüfung an der LVG Heidelberg vertiefen. (Foto: LVG Heidelberg)
Die Primeln ließen sich mit großer Stückzahl in einem torfreduzierten Substrat (Torf 65 %, Holzfaser 20 %, Rindenhumus 10 % und Ton 5 %) in guter Qualität produzieren. (Foto: LVG Heidelberg)

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