TerZ BWL

Erfahrungen und Erkenntnisse aus der betriebswirtschaftlichen Begleitung

Von Prof. Dr. Stephan Krusche und Anette Stadler, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Die Begleitung der 24 TerZ-Demonstrationsbetriebe bei der stufenweisen Reduzierung ihres Torfanteils erfolgt nicht nur substratanalytisch, sondern auch betriebswirtschaftlich. Die entsprechenden Kulturdaten werden von Prof. Dr. Stefan Krusche und Anette Stadler, Fachbereich Betriebswirtschaft am Institut für Gartenbau an der HSWT, kulturbegleitend erfasst, berechnet, ausgewertet und analysiert. Im Rahmen der überregionalen TerZ-Informationsveranstaltung am 31.08.2022 in Kevelaer wurden Erfahrungen und Erkenntnisse aus den beiden Kulturjahren 2020-21 und 2021-22 (Einführungs- und Optimierungsphase) vorgestellt.

Die Grundlage zur Einschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen bei der Substratumstellung bilden über 400 Nachkalkulationen ausgewählter Kulturen und Sätze, die jeweils im selben Betrieb sowohl in einem torfreduzierten, als auch im als Standard verwendeten Ausgangssubstrat kultiviert wurden. Neben der betriebsindividuellen Betrachtung der Ergebnisse aus den Kulturkosten-Berechnungen fand darüber hinaus eine betriebs- und kulturübergreifende explorative Analyse statt, bei der auffällige und eventuell durch die Substratwahl bedingte, systematische Unterschiede bei den wirtschaftlichen Ergebnissen untersucht wurden.

Zeigen sich Unterschiede bei den Ausgangsdaten in Beziehung zur Substratwahl?

Zu Projektbeginn stellte sich eine Vielzahl an Fragen zu den in den TerZ-Betrieben erfassten Ausgangsdaten mit Blick auf die beiden Substratvarianten (ST=Ausgangssubstrat im direkten Vergleich zu TE=torfreduziertes Substrat), wie zum Beispiel:

  • Gibt es spürbare Unterschiede bei den am Markt zu erzielenden Preisen?

In beiden Kulturjahren konnten weder in nennenswertem Umfang bessere VK-Preise (evtl. als Folge einer höheren Zahlungsbereitschaft – „Preispremium für nachhaltige Produktion“) noch in nennenswertem Umfang schlechtere VK-Preise (mögliche Folge minderer Qualitäten) beobachtet werden.

  • Sind die Anteile der nicht zu vermarktenden Ware (Ausfälle) im torfreduzierten Substrat stets höher als im Ausgangssubstrat?

Aus den TerZ-BWL-Daten ließen sich nicht grundsätzlich höhere Ausfälle bei den Kulturen in TE ableiten. Lag die Ausfallquote jedoch im Bereich über 5%, schnitt in beiden Kulturjahren die TE-Variante schlechter ab als selbige im Ausgangssubstrat.

  • Liegen die Direktkosten bei der torfreduzierten Substratvariante grundsätzlich höher?

Obwohl die Direktkosten nicht durchgängig und nicht grundsätzlich bei der TE-Variante über denen der ST-Variante lag, zeigte sich jedoch eine leichte Tendenz zu leicht erhöhten Direktkosten in TE.

Für diese Unterschiede waren vor allem die Substratkosten verantwortlich, die in TE sehr viel häufiger über den Substratkosten von ST lagen – insbesondere im zweiten Kulturjahr – und nur vergleichsweise selten umgekehrt.

  • Setzt die Kultivierung in einem torfreduzierten Substrat immer auch einen höheren Platz- und Zeitbedarf (Flächenzeitwert) voraus?

Systematische Unterschiede beim Flächenzeitwert ließen sich aus den TerZ-BWL-Daten nicht ableiten. Eine grundsätzliche Kulturzeitverlängerung/-verkürzung in TE oder grundsätzlich höheren/geringeren Platzbedarf auf Grund von verstärktem/verzögertem Wachstum der Sätze in TE konnte nicht festgestellt werden.

  • Wie wirkt sich das torfreduzierte Substrat auf den Arbeitszeitbedarf aus?

Der Arbeitszeitbedarf stellte eine besonders stark streuende Größe dar, die in den TerZ-BWL-Daten tendenziell auf einen leicht erhöhten Arbeitszeitbedarf in den TE-Sätzen hindeutete. Dies war vor allem in der Einführungsphase zu beobachten, in der Optimierungsphase zeigte sich kein nennenswert erhöhter Arbeitszeitbedarf mehr in TE.

Folglich schien sich der anfangs leicht aufwendigere Umgang mit den torfreduzierten Substraten durch zunehmende Routine in der Optimierungsphase relativiert zu haben.

Gibt es Differenzen bei den Ergebnissen der Kultur-Produktivitäten in Beziehung zur Substratwahl?

Nach dem Vergleich der einzelnen Ausgangsdaten folgte die Betrachtung der Gesamtheit aller Einflussgrößen auf die Kultur-Produktivitäten, indem die Ergebnisse aller Kulturkalkulationen und die daraus gebildeten Ergebnis-Differenzen analysiert wurden. Besonders von Bedeutung sind hierbei die Ergebnisse der Kultur-Flächenproduktivität (Kultur-FP), da die Produktionsfläche im Topfpflanzenanbau die wesentlich begrenzende Ressource darstellt.

Eine Vielzahl an Vergleichssätzen zeigte in beiden Kulturjahren gleiche bzw. annähernd gleiche Ergebnis-Differenzen hinsichtlich der Kultur-FP (65,1% bzw. 68,4%) oder sogar positive Ergebnis-Differenzen bei den im torfreduzierten Substrat produzierten Kulturen (17,0% bzw. 8,4%).

Im Bereich der negativen Ergebnis-Differenzen trat eine leichte Verschiebung von 17,9% (19 von 106 Fällen) in der Einführungsphase auf 23,2% (22 von 95 Fällen) in der Optimierungsphase bei den Kulturen im torfreduzierten Substrat auf.

Es lässt sich jedoch aus den TerZ-BWL-Daten nicht schlussfolgern, dass die im torfreduzierten Substrat kultivierten Sätze grundsätzlich gleich, besser oder schlechter mit Blick auf die Kultur-FP abgeschnitten haben als die Sätze, die im Ausgangssubstrat kultiviert wurden. Es konnte ausschließlich festgestellt werden, dass es sowohl gleiche und gleichartige, als auch deutlich bessere und deutliche schlechtere Ergebnisse in beiden Substratvarianten gegeben hat.

Unterscheiden sich die Ergebnis-Differenzen der Kultur-Produktivitäten hinsichtlich ausgewählter Strukturmerkmale?

Vertiefend wurde untersucht, ob sich die Ergebnis-Differenzen hinsichtlich ausgewählter Strukturmerkmale (wie Absatzweg, Standort, Torfminderungsstufe, Betriebsgröße, Kulturengruppen) unterschieden. Es wiesen nur die Kulturengruppen in beiden Kulturjahren einen bemerkenswerten Effekt auf. Auffällig war hierbei, dass sich – neben zahlreichen gleichen bzw. annähernd gleichen Ergebnissen – die positiven und die negativen Ergebnis-Differenzen bei bestimmten Kulturengruppen häuften.

Bei den Kulturengruppen Petunien/Calibrachoa, Pelargonien, Sonstige B&B und Sommerkulturen fanden sich in beiden Kulturjahren überwiegend positive Ergebnis-Differenzen in TE, bei den Kulturengruppen Poinsettien sowie Herbst- und Frühjahrskulturen häuften sich negative Ergebnis-Differenzen in TE mit unterschiedlicher Ausprägung in den beiden Kulturjahren.

Die naheliegende Vermutung, dass der Anbau im torfreduzierten Substrat bei einigen Kulturen besser funktioniert hat als bei anderen (möglicher „Kulturengruppen-Effekt“) ist durch die TerZ-BWL-Daten nicht wirklich zu belegen, da nicht alle Kulturen in allen Betrieben angebaut und erfasst wurden und somit kein vollständiger Vergleich über alle Betriebe möglich war.

Zudem war zu beobachten, dass es mit Blick auf die TE-Variante in den meisten Kulturengruppen zwar deutliche Ergebnis-Differenzen gab, diese jedoch in den jeweils einzelnen Kulturengruppen sowohl in die positive als auch in die negative Richtung zeigten, was auf betriebsindividuelle Unterschiede zurückzuführen war.

Welchen Einfluss auf die Kultur-Produktivitäten haben einzelne kostenrechnerische Positionen?

Sofern es in der TE-Variante bemerkenswerte Ergebnis-Differenzen – sowohl positiv als auch negativ – gab, stellte sich die alles entscheidende Frage nach dem Einfluss einzelner Kostenpositionen und Ressourcennutzungen (wie Direktkosten, Flächenzeitwert, Arbeitszeitbedarf etc.) auf die Kultur-FP.

In den Kulturengruppen, in denen auffällig negative Ergebnis-Differenzen aufgetreten sind (Kultur-FP im torfreduzierten Substrat schlechter als im Ausgangssubstrat), standen diese vor allem mit einem höheren Ausfall und einer längeren Kulturdauer (höherer Flächenzeitwert) im torfreduzierten Substrat in Zusammenhang. In den Kulturengruppen, in denen auffällig positive Ergebnis-Differenzen aufgetreten sind (Kultur-FP im torfreduzierten Substrat besser als im Ausgangssubstrat), galt umgekehrt, dass diese vor allem mit einem niedrigeren Ausfall und einer kürzeren Kulturdauer (geringerer Flächenzeitwert) im torfreduzierten Substrat in Zusammenhang standen, und eine positive Ergebnis-Differenz gegebenenfalls selbst bei z. B. höheren Substrat- und Energiekosten aufwiesen.

Höhere Beschaffungskosten für z. B. Substrat oder Energie können demnach durch andere Einflussgrößen überlagert werden. Sie führen aber dennoch immer auch zu einem, sich potenziell negativ auswirkenden, Anstieg der Direktkosten, der sich in einer deutlich negativen Ergebnis-Differenz niederschlägt – oder je nach betriebsindividuellem Einzelfall auch nicht, wie aus den TerZ-BWL-Kulturkalkulationen ersichtlich wurde.

Was lässt sich bis dato aus den TerZ-BWL-Daten erkennen?

In den beiden Kulturjahren 2020-21 und 2021-22 konnte eine Vielzahl gleicher bzw. annähernd gleicher betriebswirtschaftlicher Ergebnisse bei den Kultursätzen im torfreduzierten Substrat im Vergleich zum Ausgangssubstrat erzielt werden.

Wenn es deutliche Ergebnis-Differenzen bei der Kultur-Flächenproduktivität gab, traten diese mit Blick auf die torfreduzierte Substratvariante sowohl in die positive als auch in die negative Richtung auf.

Dies war in besonderem Maße bei den Poinsettien sowie den Herbst- und Frühjahrskulturen zu beobachten, was die Vermutung eines “Kulturengruppen-Effekts” nahelegt. Auf alle Fälle jedoch besteht ein deutlicher Hinweis auf die besondere Aufmerksamkeit bei der Umstellung auf torfreduzierte Substrate in diesen drei Kulturengruppen.

Unabhängig von der Substratvariante sind der Anteil an nicht verkaufter Ware (Ausfall) und die Kulturdauer (Flächenzeitwert) die entscheidenden Einflussgrößen, die im Zusammenhang mit einer Ergebnis-Differenz bei der Kultur-Flächenproduktivität stehen. Die TerZ-BWL-Daten liefern den Beleg für die zu erwartende große Bedeutung, die der Kultursicherheit (geringe Ausfälle, maximaler Abverkauf der Ware, keine Kulturzeitverlängerung) bei der Ermittlung der wirtschaftlichen Ergebnisse zukommt. Wobei dies in gleichem Maße für die Kultur im torfreduzierten Substrat wie auch im Ausgangssubstrat gilt.

Darüber hinaus konnte eine sehr große Streuung bei den Kulturdaten und den Ergebnissen – selbst bei ein und derselben Kultur – festgestellt werden, was die enorme Bandbreite pflanzenbaulicher Besonderheiten und individueller Kulturbedingungen im Zierpflanzenbau widerspiegelt. Essentiell von Bedeutung bei der Umstellung auf torfreduzierte Substrate ist daher stets eine betriebsindividuelle Betrachtung.