FAQ

Torfersatzstoffe
Wie und worin unterscheiden sich torfreduzierte Substrate im Vergleich zu herkömmlichen, reinen Torfsubstraten?

Die Vielseitigkeit der Substrate ist aufgrund der verschiedenen Substratkomponenten und deren Mischungen höher als bei einem reinen Torfsubstrat. Abhängig von den Ausgangsstoffen, können die Eigenschaften des Substrates variieren. Zum Beispiel sind oft die Phosphat- und Kaliumgehalte bei komposthaltigen Substraten höher, was wiederum in der Düngung berücksichtigt werden sollte. Bei hohen Holzfaseranteilen steigt zum Beispiel das Risiko für Stickstoffimmobilisierungen. Die verschiedenen Eigenschaften der Substrate können auch nützlich sein für die Kulturführung. So können schneller abtrocknende Substrate einen positiven Effekt auf das Wurzelwachstum und einen geringeren Botrytis- oder Trauermückenbefall bewirken. Häufig schwanken Nährstoffgehalte und pH-Werte stärker, da die Substrate teilweise nicht mehr so gut gepuffert sind und schneller auf äußere Einflüsse reagieren. Allgemeine Aussagen, dass torfreduzierte Substrate teurer sind als reine Torfsubstrate, oder zum Beispiel häufiger bewässert werden müssen, sind jedoch nicht möglich. Darauf hat die Zusammensetzung des jeweiligen torfreduzierten Substrates einen wesentlichen Einfluss.

Antwort von Katja Arndt
LVG Hannover-Ahlem
Modellregion Nord

Was sind die gängigsten Torfersatzstoffe?

Zu den gängigsten Substratausgangsstoffen zählen vor Allem Holzfasern, Rindenhumus, Grüngutkompost, Kokosfaser, Kokosmark und Perlite.

Die Ausgangsstoffe unterscheiden sich teilweise stark in ihren Eigenschaften, wie z.B. Wasserhaltefähigkeit, Tendenz zur Stickstoffimmobilisierung oder pH-Wert.

Kokosfaser
Holzfaser
Grüngutkompost
Rindenhumus
Kokosmark
Perlite

Antwort von Michael Emmel
LVG Hannover-Ahlem
Modellregion Nord

Welche positiven und negativen Eigenschaften haben die einzelnen Torfersatzstoffe?
Was ist der Unterschied zwischen Kokosfasern und Kokosmark?

Beide Ausgangsstoffe sind Nebenprodukte, die während der Verwertung von Kokosnüssen entstehen. Kokosfasern werden aus der mittleren Samenschale der Kokosfrucht gewonnen. Beim Kokosmark handelt es sich um das Feinmaterial, fälschlicherweise auch „Cocopeat“ genannt, welches sich zwischen den Kokosfasern befindet.
Beide Ausgangsstoffe finden Verwendung als Torfersatzstoffe. Während die Kokosfaser vor Allem als grob strukturelle Komponente geschätzt wird und somit die Luftkapazität fördert, dient Kokosmark als Feinmaterial vor Allem der Förderung der Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit für die Pflanze.

Auch Kokoschips werden aus der mittleren Samenschale der Kokosnuss gewonnen, indem diese insgesamt in Stücke zerkleinert wird. Diese werden vornehmlich in groben Substraten, z.B. für Orchideen oder als Mulchmaterial verwendet.

Kokoschips, -faser, -mark

Antwort von Michael Emmel
LVG Hannover-Ahlem
Modellregion Nord

Umstellung
Welche Punkte muss ich grundsätzlich bei der Substratumstellung auf stark torfreduzierte Substrate beachten?

Besprechen Sie vor der Umstellung das Vorhaben mit ihrem Substratanbieter, damit dieser ihnen ein für die geplante Kultur geeignetes Produkt anbietet. Kommunizieren Sie auch während und nach der Kultur Probleme und Erfolge mit Ihrem Substratlieferanten.

Bleiben Sie zunächst bei Ihrem bisherigen Management hinsichtlich der Nachdüngung und Bewässerung. Führen Sie die Kultur ganz normal, aber widmen Sie ihr (noch) mehr Aufmerksamkeit als sonst. Falls doch Probleme auftreten sollten, können Sie so rasch reagieren. Substratanalysen alle 3 Wochen sind hilfreich. Abweichungen bei der Pflanzenernährung lassen sich gut aussteuern. Mal einen Bewässerungsdurchgang mehr oder weniger zu geben, ist auch bei verschiedenen torfbasierten Substraten erforderlich und verursacht bei den heutigen Bewässerungssystemen keinen wirklichen Mehraufwand.

Durch die Umstellung auf torfreduzierte bzw. torffreie Substrate werden derzeit noch etwas höhere Substratkosten entstehen. Behalten Sie die im Blick und überlegen Sie, wie Sie diese an Ihre Kunden weitergeben können. Machen Sie dafür nach außen sichtbar, dass Sie in torfreduzierten bzw. torffreien Substraten produzieren.

Antwort von Dr. Stephan Wartenberg
LfULG Dresden-Pillnitz
Modellregion Ost

Worauf sollte man bei der Anwendung stärker torfreduzierter Substrate in der Kulturführung achten?

Je nachdem welche chemischen und physikalischen Eigenschaften der Torfersatzstoff bzw. die Ersatzstoffe mitbringen, muss gegebenenfalls die Düngung und Bewässerung angepasst werden. Dies kann sowohl die Wahl des Düngers, die Düngehäufigkeit und Konzentration, die Wasserqualität als auch die Bewässerungshäufigkeit betreffen.

Beispielsweise können (bereits geringe) Kompostanteile im Substrat den pH-Wert anheben sowie hohe Phosphat- und Kaliumgehalte ins Substrat bringen, die ggf. bei der Düngung zu berücksichtigen sind.

Dies ist nur ein Beispiel für eventuelle Umstellungen. Es empfiehlt sich, die Kulturen genau zu beobachten und substratanalytisch zu begleiten, da jedes torfreduzierte Substrat unterschiedliche Eigenschaften mit sich bringt, die je nach Charge stark variieren können.

Antwort von Ronja Fritzsche
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Modellregion Süd

An wen kann ich mich zur Unterstützung bei der Substratumstellung wenden?

Sie können sich an die Gartenbauberater wenden und ein Austausch mit Ihrem Substrathersteller ist sicher auch hilfreich. Auch viele Versuchsanstalten bieten umfangreiche Informationen und beraten Sie in einzelnen Fragen gerne. Im Hortigate finden Sie zusätzlich viele interessante Artikel, wo Sie sich über torfreduziert produzierte Kulturen informieren können.

Im Rahmen des TerZ-Projekts können Sie die Regionalkoordinatorinnen und Regionalkoordinatoren, sowie die Modell- und Demonstrationsbetriebe ansprechen. Hier sind auch einige Informationsveranstaltungen für an der Umstellung interessierte Betriebe geplant.

Antwort von Katja Arndt
LVG Hannover-Ahlem
Modellregion Nord

Begleitphänomene
Ich habe gehört, dass insbesondere bei Grüngutkompost häufig Probleme mit Unkrautsamen im Substrat auftreten. Führt Torfersatz zu einer höheren Belastung mit Unkraut?

Unkrautsamen können auf unterschiedlichen Wegen in verschiedene Substratausgangsstoffe gelangen. Bei Komposten enthalten die Ausgangsmaterialien möglicherweise keimfähige Samen oder austriebfähige Pflanzenteile. Daher kommt dem Kompostierungsprozess eine hohe Bedeutung zu. Durch ausreichend hohe Temperaturen und Einwirkzeiten wird das Material hygienisiert bzw. Keime und Unkrautsamen werden abgetötet. Solche Risiken können reduziert werden, wenn ausschließlich Substrate mit gütegesicherten Ausgangsstoffen, wie zum Beispiel Substratkompost mit RAL-Gütesicherung, verwendet werden. Dann führt Torfersatz auch nicht zu einer höheren Belastung mit Unkraut.

Antwort von Katja Arndt
LVG Hannover-Ahlem
Modellregion Nord

Ich habe gehört, dass die Verwendung von Rindenhumus, Kokosprodukten und Grüngutkompost zu hohen Kaliumgehalten im Substrat führen kann. Stimmt es, dass viele Pflanzen dann kompakter wachsen? Wenn ja, kann ich dadurch weniger Hemmstoff einsetzen?

Rindenhumus, Kokosprodukte und vor allem Grüngutkompost enthalten von Hause aus zum Teil erhebliche Kaliummengen, dementsprechend hoch sind die Kaliumgehalte in Substraten mit diesen Stoffen, wobei auf Grund der hohen Kationenaustauschkapazität insbesondere von Komposten und Rindenhumusprodukten auch deutlich höhere Kaliumgehalte akzeptiert werden können. Ein kompakteres Wachstum bei sehr hohen Kaliumgehalten ist eine Reaktion der Pflanze auf Salz- bzw. Wasserstress. Da hiermit ein erhebliches Kulturrisiko verbunden ist und die Stärke der Wuchshemmung kaum reguliert werden kann, ist es für die Praxis eher nicht zu empfehlen, hohe Kaliumgehalte als Hemmstoffersatz anzustreben. Vielmehr sollten Gärtner bei den genannten Stoffen auf nährstoffarme Chargen achten und zur Kontrolle des Längenwachstums auf eine trockene Kulturführung oder entsprechende Temperaturregelstrategien als Alternative zum Hemmstoffeinsatz zurückgreifen.

Antwort von Dr. Dieter Lohr und Prof. Dr. Elke Meinken
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Modellregion Süd


Ja, Rindenhumus, Kokosprodukte oder Grünkompost bringen als Torfersatzstoffe häufig höhere Kaliumgehalte mit. Sie sollten aber nur in solchen Anteilen in den Substraten eingesetzt werden, dass der Kaliumgehalt in der Mischung nicht zu hoch wird. Mehr als 300 mg K2O je Liter Substrat sind kritisch zu beurteilen. Das könnte sonst beim Kulturstart problematisch werden und wäre eine Verschwendung von Ressourcen. Eine wesentliche Verringerung des Bedarfes an Wachstumsreglern ist da noch nicht zu erwarten. Wird über die Nachdüngung Kalium im Substrat gezielt weiter angereichert, können Wachstumshemmungen erzielt werden. Ob das umweltfreundlicher als eine sachgerechte Anwendung chemischer Wachstumsregler ist, sei dahingestellt.

Antwort von Dr. Stephan Wartenberg
LfULG Dresden-Pillnitz
Modellregion Ost

Düngung und Bewässerung
Verändert sich die Düngung mit dem Einsatz von torfreduzierten Substraten?

Nicht unbedingt, aber erhöhte Aufmerksamkeit ist geboten. Mit der Düngung ist bei dieser Frage sicher die Nachdüngung gemeint. Die Grund- und Vorratsdüngung muss der Substrathersteller an die von ihm eingesetzten Rohstoffe anpassen. Einige der Torfersatzstoffe werden vor ihrem Einsatz in den Substraten in dieser Hinsicht konfektioniert. Ziel ist dabei die Minimierung der Nährstoffdynamik insbesondere hinsichtlich des Stickstoffs. Je besser das gelingt, desto weniger Umstellung ist bei der Nachdüngung notwendig.

Bei den meisten Kulturen wird die Nachdüngung als Bewässerungsdüngung oder wöchentliche Nachdüngung realisiert. Diese hat in der Regel den größeren Einfluss auf das Pflanzenwachstum als die Grunddüngung. Die Nachdüngung sollte wie bei torfbasierten Substraten an den Pflanzenbedarf angepasst sein, es kann also grundsätzlich wie bisher verfahren werden.

Die Nährstoffdynamik, auch der konfektionierten Torfersatzstoffe, hängt jedoch auch von einer Reihe weiterer Faktoren ab, die nicht vollständig zu kontrollieren sind. Hohe Sommertemperaturen wirken anders auf diese mikrobiellen Prozesse als niedrige Wintertemperaturen. Die Wasserqualität, die pH-Entwicklung oder auch der Feuchtegrad beziehungsweise die Durchlüftung des Substrates sind weitere Einflussgrößen auf die Nährstoffdynamik.

Während der Kultur ist also dem Ernährungszustand der Pflanzen entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen. Wöchentliche Bestandskontrollen und Substratanalysen aller 3 Wochen helfen, Ernährungsprobleme rechtzeitig zu erkennen und durch eine veränderte Nachdüngung auszusteuern.

Antwort von Dr. Stephan Wartenberg
LfULG Dresden-Pillnitz
Modellregion Ost

Verändert sich die Bewässerung mit dem Einsatz von torfreduzierten Substraten?

Torf zeichnet sich durch eine sehr hohe Wasserspeicherung aus, die von keinem der als Ersatz verwendeter Zuschlagsstoff erreicht wird. Es könnte bei torfreduzierten Substraten zu häufigeren Bewässerungen kommen. Auch in reinen Torf- oder Torf/Tonsubstarten kann die Bewässerungshäufigkeit variieren. Wichtig ist also auch hier die regelmäßige Bestandskontrolle.

Antwort von Barbara Degen
LVG Heidelberg
Modellregion Süd-West

Hat mein Gießwasser Einfluss auf die Kultur in stärker torfreduzierten Substraten?

Ja, unbedingt! Die Gießwasserqualität ist neben dem Substrat und der bedarfsgerechten Düngung ein Hauptfaktor für eine erfolgreiche Kulturführung. Bei torfreduzierten Substraten kann es schon bei Kulturbeginn durch verschiedene Zuschlagsstoffe zu höheren pH-Werten und Salzgehalten zu kommen.

Um eine mögliche Festlegung der Spurennährstoffe, wie z.B. Eisen zu vermeiden, sollten die pH-Werte während der Kultur nicht weiter steigen. Die Karbonathärte des Gießwassers hat einen entscheidenden Einfluss auf den pH-Wert des Substrats. Bei Verwendung von hartem Gießwasser, kann der pH-Wert ansteigen. Weiches Wasser birgt die Gefahr, dass der pH-Wert zu stark absinkt.

Die Messung des EC-Wertes gibt Aufschluss über den Gesamtsalzgehalt des Gießwassers. Je höher der EC Wert eines Wassers, desto höher der Anteil der gelösten Salze (Ionen) im Wasser. Hat das zur Verfügung stehende Gießwasser einen niedrigen EC-Wert, ist bei der Umstellung auf torfreduzierte Substrate kaum ein Problem zu erwarten.

Es ist also wichtig bei den regelmäßig zu machenden Substratanalyen auf Veränderungen im Salzgehalt und pH-Wert zu achten.

Antwort von Barbara Degen
LVG Heidelberg
Modellregion Süd-West

Kann ich Kalium-Dünger während der Kultur einsparen, weil die Substratmischung durch den enthaltenen Substratkompost bereits viel Kalium enthält?

Ja, wobei man in der Regel nicht nur Kalium sondern auch Phosphat einsparen kann. Beim Kalium gibt es diesbezüglich überhaupt keine Probleme, da Kalium nicht in organische Verbindungen eingebaut wird und auch keine schwerlöslichen Verbindungen eingeht. Man kann die Kaliumdüngung im Grunde solange komplett sein lassen bis das CAT-lösliche Kalium im Substrat je nach Düngeverfahren (Intervall oder Bewässerungsdüngung) auf 100 bis 200 mg/l runter ist und erst dann wie bei einem Torfsubstrat mit der Kaliumdüngung anfangen. Schwieriger ist es bei Phosphor, da sich hier die Verfügbarkeit über die Zeit ändert, aber letztendlich kann man die Düngung genauso am CAT-löslichen Phosphat ausrichten. Bei mehr als 75 mg Phosphat/l braucht man nicht zu düngen. Vorsichtig sollte man dann nur mit den Spurenelementen sein, da sie diese ja über den Mehrnährstoffdünger mit appliziert werden.

Antwort von Dr. Dieter Lohr
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Modellregion Süd

Substratproben
Wie nehme ich eine Substratprobe?

Um eine repräsentative Probe zu erhalten, sollten mindestens 10 Töpfe beprobt werden. Die Vorgehensweise bei der Probenahme, hängt unter anderem von der Topfgröße und dem Bewässerungssystem ab. Bei kleinen Topfdurchmessern (bis etwa 9 cm) empfiehlt es sich ganze Töpfe zu entnehmen, den Topfballen zu zerreißen, das Probenmaterial gut zu vermischen und die benötigte Menge für die Analyse zu entnehmen. Bei größeren Töpfen (Durchmesser zwischen 10 bis 14 cm) kann nach Austopfen der Pflanzen aus dem Topfballen ein Keil mit einem Messer herausgeschnitten oder mit dem Daumen herausgedrückt werden. Bei sehr großen Töpfen bzw. Containern hat sich die Verwendung eines Bohrstocks bewährt. Dieser sollte bis zum Boden des Containers reichen. Werden die Pflanzen über Ebbe-Flut bewässert, muss zudem der oberste Bereich der Substratschicht vor der Entnahme der Probe entfernt werden, da sich hier mit der Zeit große Salzmengen anreichern können und gleichzeitig die Pflanzen diesen Bereich nur wenig durchwurzeln. Es würde daher zu einer Überschätzung der verfügbaren Nährstoffvorräte kommen.

Antwort von Dr. Dieter Lohr und Prof. Dr. Elke Meinken
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Modellregion Süd

Wie oft sollten Substratproben genommen werden?

Grundsätzlich sollten sie von jeder frisch angelieferten Substratcharge eine Eingangsprobe nehmen. Wenn das Substrat von der Anlieferung bis zur Verwendung mehr als 4 bis 8 Wochen im Betrieb liegt, empfiehlt sich vor allem bei stärker torfreduzierten Substraten sowie solchen mit Langzeit- oder organischen Düngern kurz vor Verwendung eine weitere Probe analysieren zu lassen. Wie häufig während der Kultur Proben genommen werden sollten, hängt vom Substrat und der Kultur ab. Grundsätzlich ist es ratsam, insbesondere zu Kulturbeginn regelmäßigen Abständen Proben zu entnehmen. Gerade bei stark holzfaserhaltigen Substraten können sich die N-Gehalte in den ersten 2 bis 4 Wochen stark verändern. Im späteren Kulturverlauf wird diese Dynamik in der Regel geringer. Hier richtet sich der Zeitpunkt der Probenahme vor allem nach der Entwicklung der Kultur. Bei einigen Kulturen – z.B. Poinsettien und Chrysanthemen – geht die Stickstoffaufnahme mit Beginn der Blüteninduktion stark zurück. Eine Analyse zu diesem Zeitpunkt kann für eine rechtzeitige Anpassung der Düngung hilfreich sein. Grundsätzlich sollte eine Analyse nicht erst gemacht werden, wenn man an der Pflanze Auffälligkeiten bemerkt. Zu diesem Zeitpunkt ist das Kind meist schon in den Brunnen gefallen.

Antwort von Dr. Dieter Lohr und Prof. Dr. Elke Meinken
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Modellregion Süd

Muss ich, wenn ich eine Substratprobe einschicken möchte, bei der Probenahme auf etwas Bestimmtes achten?

Die Probenahme ist entscheidend für die Qualität des Analysenergebnisses, da Fehler, die hierbei gemacht werden, später nicht mehr ausgeglichen werden können. Das beginnt bereits bei der Auswahl der Pflanzen die beprobt werden. Diese müssen repräsentativ für den Bestand sein. Die verwendeten Geräte und Behälter müssen sauber sein und dürfen keine Stoffe an die Probe abgeben. Die Probenbeutel sollten sich sicher aber reversibel verschließen lassen und mit einem wasserfesten Stift leserlich beschriftet werden. Enthält das Substrat einen kunststoffumhüllten Langzeitdünger, ist dies auf dem Probenbegleitschreiben unbedingt zu vermerken. Nach der Entnahme sollten die Proben so schnell wie möglich an das Labor geschickt werden. Müssen sie die Proben kurzfristig lagern, tun sie das im Kühlschrank bei 2 bis 4 °C. Dies ist besonders wichtig bei Substraten mit mineralischen Langzeit- oder organischen Düngern sowie bei hohen Holzfaseranteilen, da sich ansonsten durch mikrobielle Aktivität die Nährstoffgehalte ändern können. Die Probenmenge richtet sich nach dem gewünschten Analysenumfang. Für eine normale chemische Analyse (pH, Salz- und Hauptnährstoffgehalte) reicht in etwa 1 Liter. Sollen weitere Untersuchungen (Brutversuch, Keimpflanzentest, Unkrauttest oder physikalische Eigenschaften) durchgeführt werden, sind z.T. deutlich größere Probenmengen notwendig. In diesem Fall sollten sie mit dem Labor Rücksprache halten.

Antwort von Dr. Dieter Lohr und Prof. Dr. Elke Meinken
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Modellregion Süd

Wo kann ich Substratproben hinschicken?

Oft bieten die Substrathersteller Ihren Kunden an für Sie Substratproben zu analysieren. Auch Hersteller von Düngern machen teilweise diesen Service. Die Proben können aber auch an eine LUFA (Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt) oder andere Labore, die entsprechende Untersuchungen anbieten, geschickt werden. Ebenso können die Analysen über einen Gartenbauberater in Auftrag gegeben werden.

Antwort von Katja Arndt
LVG Hannover-Ahlem
Modellregion Nord

Wo finde ich Hilfe bei der Interpretation von Analyseergebnissen?

Meist können Sie sich an die Institution wenden, wo sie die Substratanalyse in Auftrag gegeben haben und dort eine Einschätzung zu den Ergebnissen einholen. Auch Gartenbauberater helfen Ihnen bei der Interpretation.

Antwort von Katja Arndt
LVG Hannover-Ahlem
Modellregion Nord

Wie kann man den Tongehalt in einem Substrat von kg/m³ in Vol.-% umrechnen?

Eine exakte Umrechnung ist nicht möglich, da zum einen die Rohdichte unterschiedlicher Tone schwanken kann. Hier spielt vor allem die Form des eingemischten Tons (Tonmehl, Tongranulat, Feuchtton) eine wichtige Rolle. Zudem addieren sich die Volumina verschiedener Substratbestandteile nicht einfach. Das Volumen einer Substratmischung ist insbesondere dann kleiner als die Summe der Volumina der verwendeten Komponenten, wenn sich die Rohdichten oder Korngrößen stark unterscheiden. Überschlagsweise ist eine Umrechnung aber möglich. Die Tabelle zeigt den Zusammenhang zwischen den verschiedenen Mengenangaben für Substrate mit 30 kg/m³, 30 Gew.-% bzw. 30 Vol.-% Ton.

Eingemischte
Tonmenge
umgerechnet
in kg/m³
umgerechnet
in Gew.-%
umgerechnet
in Vol.-%
30 kg/m³308-122-4
30 Gew.-%75-115305-15
30 Vol.%225-45060-9030

Antwort von Dr. Dieter Lohr und Prof. Dr. Elke Meinken
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Modellregion Süd

Betriebswirtschaft
Was macht die betriebswirtschaftliche Begleitung (TerZ-BWL)?

Ergänzend zu den kulturtechnischen Untersuchungen findet im TerZ-Projekt eine betriebswirtschaftliche Begleitung statt, die die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Substratumstellung untersucht. Diese wird vom Institut für Gartenbau (IGB) der Hochschule Weihenstephan Triesdorf (HSWT) durchgeführt.

Hierbei erfolgt eine produktionsbegleitende Realerfassung der Kulturdaten in allen teilnehmenden Demonstrationsbetrieben sowie die anschließende Analyse und Bewertung der ermittelten Kulturkosten.

Im Fokus der Betrachtung steht die Analyse von Kosten und Leistungen bei ausgewählten Kulturen in herkömmlichen Substraten im Vergleich zur Produktion in stark torfreduzierten Kulturverfahren. In diesem Zusammenhang werden auch mögliche Absatz- und Erlösunterschiede beider Verfahren untersucht.

Das Ziel der betriebswirtschaftlichen Begleitung ist es, aussagekräftige Erkenntnisse über die kulturspezifischen Kosten bei einem real begleiteten Umstieg auf stark torfreduzierte Kultursubstrate im Zierpflanzenbau zu gewinnen und die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Substratumstellung im Rahmen des TerZ-Modell- und Demonstrationsvorhabens einzuschätzen und darzustellen.

Anwort von Anette Stadler
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Betriebswirtschaftliche Begleitung

Wie werden die betriebswirtschaftlichen Daten erfasst und ausgewertet?

Um die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Umstellung auf stark torfreduzierte Kultursubstrate im Zierpflanzenbau einschätzen zu können, müssen die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse einer Kultur im Ausgangssubstrat mit selbiger Kultur im torfreduzierten Substrat verglichen werden.

Hierfür werden die jeweiligen kulturspezifischen Kosten von den TerZ-Demonstrationsbetrieben vor Ort kulturbegleitend in zwei zur Verfügung gestellten Softwareprogrammen erfasst. Zum einen erfolgt die Dokumentation der Arbeitszeit im Betriebs-Tagebuch BeTa, wobei entscheidend ist, wer was wann wie lange bei welcher Kulturvariante durchgeführt hat.

Zum anderen dient das Anbauplanungsprogramm Grünplan neben der Ermittlung des Flächenzeitwertes zur detaillierten Aufzeichnung aller Direktkosten wie Jungpflanzen, Kulturgefäße, Substrat etc. sowie der Energiekosten und der Marktleistung.

Die so erhobenen Datensätze werden nach dem Abverkauf von der betriebswirtschaftlichen Begleitung eingesammelt, auf ihre Vollständigkeit und Plausibilität geprüft und die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse mithilfe des entwickelten Kulturkosten-Berechnungsmodells einzeln berechnet.

Anschließend werden jedem teilnehmenden TerZ-Demonstrationsbetrieb die entsprechenden einzelbetrieblichen Ergebnisse übermittelt und erläutert. Parallel dazu findet auf Projektebene die Aggregation aller Einzelergebnisse statt, sprich es folgt nun die statistische Auswertung in Form einer explorativen Datenanalyse.

Anwort von Anette Stadler
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Betriebswirtschaftliche Begleitung

Welche Kriterien eignen sich zur Beurteilung der betriebswirtschaftlichen Ergebnisse unterschiedlicher Kulturen und Kulturverfahren im direkten Vergleich?

Um mögliche Unterschiede bei Kosten und Leistungen ausgewählter Kulturen in herkömmlichen Substraten im Vergleich zur Produktion in stark torfreduzierten Kulturverfahren herauszuarbeiten, stützt sich die betriebswirtschaftliche Datenauswertung im TerZ-Projekt größtenteils auf die Teilkostenrechnung und somit auf Deckungsbeitragskennzahlen.

Der Fokus liegt hierbei auf den drei TerZ-Haupt-Ergebnisgrößen Kultur-Flächenproduktivität, Kultur-Arbeitsproduktivität und Kultur-Netto-Beitragskoeffizient, weil aus diesen Werten wichtige Schlussfolgerungen bezüglich der wirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit von Kulturen und Kulturverfahren abgeleitet werden können. Die Grundlage der Berechnung der Ergebnisgrößen bildet jeweils der Deckungsbeitrag; die entsprechenden Bezüge werden durch den Flächenzeitwert, den Arbeitszeitaufwand und die Marktleistung hergestellt.

Darüber hinaus erfolgt die Berechnung von Preisuntergrenzen, die weitere Anhaltspunkte für die Analyse und Interpretation der Ergebnis-Differenzen bei der Substratumstellung liefern. Aus ihnen lässt sich ableiten, ob sich, und wenn ja, in welchem Umfang, die Preise im Absatz für eine zufriedenstellende Kostendeckung – je nach Kulturverfahren – unterscheiden müssen.

Anwort von Prof. Dr. Stefan Krusche
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Betriebswirtschaftliche Begleitung

Sind torfreduzierte Substrate teurer?

Die Frage ist nicht mit einem einfachen Ja oder Nein zu beantworten, da die Preise für die Substrate von einer Vielzahl von Faktoren abhängen (Liefermenge, Substratzusammensetzung, spezielle Kundenanforderungen), nicht nur vom Grad der Torfreduzierung.

Daher gibt es auf Grund der jeweiligen kundenspezifischen Rahmenbedingungen sowohl zwischen verschiedenen Lieferanten als auch bei ein und demselben Lieferanten erhebliche Preisunterschiede.

Beim Vergleich der Substratpreise, die im TerZ Projekt von den teilnehmenden Betrieben erfasst wurden, ergeben die Daten aus dem Jahr 2020 folgendes: Der Preis (netto) schwankte je nach Betrieb, Lieferant und Kulturgruppe zwischen 31,00€ und 77,00€ und lag im Mittel bei 47,25€ je cbm Substrat.

Die Schwankungen zwischen den Betrieben sind insofern erheblich und deutlich größer als die Schwankungen innerhalb eines Betriebes zwischen zwei alternativen Substraten. Allerdings zeigen sich auch dort Unterschiede:

In mehr als der Hälfte der Fälle (61,3 %) waren die torfreduzierten Substratvarianten im Vergleich zu den standardmäßig verwendeten Substraten teurer (in 29,5% aller Fälle bis zu 10% teurer, in 31,8% der Fälle mehr als 10% teurer mit Maximum plus 28,4%).

Circa ein Viertel der Betriebe bezahlte für das Standardsubstrat und das torfreduzierte Substrat den gleichen Preis (23,9% aller Fälle).

Bei einigen Betrieben und Kulturen (in 14,8% aller Fälle) war das torfreduzierte Substrat preiswerter (um bis zu 16% günstiger) als das vom Betrieb als Standard verwendete Substrat.

Antwort von Prof. Dr. Stefan Krusche
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Betriebswirtschaftliche Begleitung

Nachhaltigkeit
Macht es Sinn, Holzfaser und Rindenhumus als Torfersatzstoffe zu verwenden, obwohl Holz als Rohstoff in Zukunft immer gefragter wird, zum Beispiel durch die Energiewirtschaft oder die Bauwirtschaft? Wie schätzen Sie die Verfügbarkeit verschiedener Torfersatzstoffe in Zukunft ein?

Ja, es macht Sinn. Holzfaser und Rindenhumus werden seit Jahrzehnten erfolgreich als Substratausgangsstoffe eingesetzt. Sie gehören momentan zu den am häufigsten verwendeten Torfersatzstoffen. Es ist sinnvoll, diese Stoffe in den derzeit zur Verfügung stehenden Mengen zu nutzen und die stoffliche gegenüber der energetischen Nutzung der Rohstoffe weiter auszubauen. Die zukünftige Entwicklung der Rohstoffverfügbarkeiten lässt sich nicht genau absehen. Sollte es hier zu Engpässen kommen, wird die Substratindustrie Alternativen suchen und anbieten. Die Flexibilität ist sowohl beim Hersteller der Substrate als auch beim Anwender gefragt.

Antwort von Katja Arndt
LVG Hannover-Ahlem
Modellregion Nord

Wie ist es mit der Nachhaltigkeit von Reisspelzen und Kokosprodukten im Vergleich zu Torf?

Einen Überblick über die Nachhaltigkeit von unterschiedlichen Substratkomponenten im Vergleich zu Torf geben zwei Studien aus den Jahren 2012 und 2015 (QUANTIS, 2012 und Eymann et al., 2015). Im Hinblick auf die Klimawirkung schneiden sowohl Reisspelzen als auch Kokosprodukte deutlich besser ab als Torf. Der lange Transportweg bei Kokosprodukten schlägt hierbei bei weitem nicht so stark zu Buche wie oft vermutet wird und die in Deutschland verwendeten Reisspelzen stammen in der Regel nicht aus Asien, sondern kommen fast ausschließlich aus Norditalien. Bezogen auf die gesamte Umweltwirkung ändert sich das Bild bei Kokosprodukten allerdings deutlich. Bedingt vor allem durch den sehr hohen Süßwasserbedarf für die Aufbereitung schneiden Kokosprodukte deutlich schlechter ab als Torf. Reisspelzen sind hingegen auch in dieser Hinsicht Torf überlegen. Einschränkend ist allerdings zu sagen, dass die in Norditalien verfügbaren Mengen an Reisspelzen begrenzt sind und sich das Bild ändern könnte, wenn diese zukünftig ebenfalls aus Asien importiert werden sollten.

Antwort von Dr. Dieter Lohr und Prof. Dr. Elke Meinken
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Modellregion Süd

Sonstiges
Wie können Moorbeetkulturen wie zum Beispiel Callunen torfreduziert oder gar torffrei produziert werden? Ist dies überhaupt möglich?

Nach den bisherigen Erfahrungen der gartenbaulichen Versuchsansteller funktioniert eine Torfreduktion von 50% in den meisten Moorbeetkulturen sehr gut und ohne größere Veränderungen in der Kulturführung. Meist wird dabei Torf durch Holzfasern oder Kokosprodukte ersetzt. Dies gilt auch für die Callune, die pH-Werte (CaCl2) unter pH 4 bevorzugt. Diese Erfahrungen konnten auch im Projekt TerZ bestätigt werden.

Eine darüberhinausgehende Torfreduktion ist auch möglich, bedingt aber eine genaue Kenntnis der Gießwasserwerte, eine an die Substratzusammensetzung angepasste Düngung und Bewässerung sowie eine regelmäßige Kontrolle der wichtigsten Parameter im Substrat.

Anwort von Andrew Gallik und Melanie Bank
Versuchszentrum Gartenbau Straelen
Modellregion West