Betriebsinformationstag

Der Norden lud ein!

Von Katja Arndt, LVG Hannover-Ahlem/LWK Niedersachsen

Die beiden Gärtnereien Ablaß und Krebs Pflanzen aus dem Cuxland öffneten am 05.04.2022 ihre Türen zu einem Rundgang durch die Betriebe und berichteten unter anderem zu ihren Erfahrungen mit der Torfreduktion.

Den 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde so ein breites Spektrum gartenbaulicher Produktion gezeigt, da Gärtnerei Ablaß als Endverkaufsbetrieb auf 5.500 m² eine breite Vielfalt darbot und Krebs Pflanzen als Produktionsbetrieb auf 12.000 m² wiederum Schwerpunkte in Bio-Kräutern, Begonien und Beet- und Balkonkulturen zeigte.

Beide Betriebsleiter erzählten offen, auf welche Schwierigkeiten sie im letzten Jahr bei der Torfreduktion gestoßen sind. So wurzelten die Calibrachoa bei Herrn Ablaß aus bisher unbekannten Gründen nicht in das TerZ-Substrat mit 50 Vol.-% Torf ein. Alle anderen Kulturen waren davon hingegen nicht betroffen.

Herr Ablaß zeigt die aktuellen Kulturen torfreduzierter Calibrachoa

Im aktuellen Produktionsjahr testet Herr Ablaß ein Substrat mit nur noch 30 Vol.-% Torfanteil. Dafür sind Grüngutkompost, Holzfasern, Holzhackschnitzel, Rindenhumus und Ton enthalten. Hier hat er festgestellt, „dass die Pflanzen nicht mehr von der Hand in den Mund leben können. TerZ braucht mehr Dünger.“ Durch den enthaltenen Kompost sind die Kaliumwerte hingegen erhöht. „Dies macht den Pflanzen aber nichts.“ Und hier wird die Düngung mit einer geringeren Kaliumnachlieferung entsprechend angepasst.

Auch, dass verschiedene Sorten unterschiedlich gut mit dem Substrat zurechtkommen, sieht er ganz pragmatisch: „Das Sortiment wird an TerZ angepasst, denn an der Torfreduzierung wird kein Weg mehr vorbeiführen.“

Die größte Herausforderung ist, vom bisher bekannten Standard abzuweichen. Man muss jedes Mal schauen, was man vor sich hat und öfter mal in die Kultur reinschauen. Der pH-Wert und die Nährstoffversorgung müssen im Auge behalten werden.

Auch Herr Krebs machte während des Projektes die Erfahrung, dass man sich besser in kleinen Schritten an die starke Torfreduktion herantastet. So probierte er zunächst ein torffreies Biosubstrat bei seinen Poinsettien aus, wo es allerdings zu Beginn der Kultur zu Schwierigkeiten in der Stickstoffnachlieferung kam. Die Folgen waren zu Kulturende in Form von Qualitätseinbußen und Ausfällen zu sehen. In diesem Jahr hat er sein Standardsubstrat komplett auf Torfanteile von 50 Vol.-% herabgesetzt und ist sehr zufrieden: „Die Substrate funktionieren gut und ich merke keine Unterschiede in der Kulturführung und den Qualitäten.“

Oliver Krebs berichtet über seine Erfahrungen mit der torfreduzierten Kultivierung

Einen großen Betriebsteil stellt Herr Krebs zusätzlich auf Bio um und produziert hier bereits testweise große Mengen Kräuter nach biologischen Standards mit 50 Vol.-% Torf im Substrat. Bio stellt eine große Herausforderung dar, sodass er hier vorerst nicht weiter mit dem Torfanteil heruntergehen möchte. Zukünftig kann er sich aber durchaus vorstellen, weiter zu reduzieren, möglicherweise sogar torffrei zu werden. nack und „Schnack“ konnten sich interessierte Betriebe, Berater und andere Vertreter der Branche austauschen und Fragen klären, die über Torfersatz weit hinausgingen.Vielleicht sehen wir auch Sie beim nächsten Betriebsinformationstag?

Locker fluffiges Substrat bei Krebs Pflanzen lädt zum Anfassen ein: 50 % Torf, 30 % Holzfaser, 10 % Rinden-humus und 10 % Grüngutkompost