Erfahrungsaustausch Nord – Beet- und Balkon 2021

Von Katja Arndt, LVG Ahlem, LWK Niedersachsen

Am 15.06.2021 fand der digitale Erfahrungsaustausch der Demonstrationsbetriebe aus der Region Nord statt, um über die Ergebnisse der aktuellen Beet- und Balkonsaison mit den stärker torfreduzierten Substraten, den TerZ-Substraten, zu sprechen.

Das Projektziel mit maximal 50 Vol.-% Torf im Substrat zu produzieren haben die Nord-Betriebe diese Saison alle mit ihren TerZ-Substraten erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr haben drei von fünf Betrieben auch ihre Standardsubstrate unabhängig von TerZ angepasst und verwenden hier nun geringere Torfanteile, was aufgrund der guten Erfahrungen mit den Substraten aus der ersten Projektphase zu begründen ist.

Auch in dieser Projektphase mit den stärker torfreduzierten Substraten ist es in der Region Nord sehr positiv gelaufen.

Beide Substratvarianten (Standard und TerZ) wurden von allen gleich gedüngt und bewässert und es wurde von den Betrieben kein merklicher Mehraufwand festgestellt. In der Endbonitur waren keine wenig Unterschiede in den Kulturen festzustellen. Teilweise waren die TerZ-Kulturen etwas größer.

Links: Pelargonium zonale, Kulturwoche 9. Links im Standardsubstrat mit 15 Vol.-% Holzfasern und 15 Vol.-% Perlite, rechts im TerZ-Substrat mit 20 Vol.-% Holzfasern, 15 Vol.-% Perlite und 15 Vol.-% Kokosmark
Rechts: Sanvitalia procumbens, Kulturwoche 11. Links im Standardsubstrat mit 8 Vol.-% Ton, rechts im TerZ-Substrat mit 25 Vol.-% Holzfasern, 20 Vol.-% Rindenhumus und 8 Vol.-% Ton
(Fotos: LVG Ahlem)

Meistens jedoch waren keine Unterschiede bei den Kulturen zu sehen.

Calibrachoa, Kulturwoche 8. Links im Standardsubstrat mit 15 Vol.-% Holzfasern und 15 Vol.-% Perlite, rechts im TerZ-Substrat mit 20 Vol.-% Holzfasern, 15 Vol.-% Perlite und 15 Vol.-% Kokosmark (Fotos: LVG Ahlem)
Impatiens, Kulturwoche 8. Links im Standardsubstrat mit 25 Vol.-% Holzfasern, rechts im TerZ-Substrat mit 30 Vol.-% Holzfasern und 20 Vol.-% Kokosmark (Fotos: LVG Ahlem)

Bei einem Betrieb, dessen TerZ-Substrat 30 Vol.-% Holzfasern enthält, deutete sich zwischenzeitlich an, dass das Substrat beim Bewässern von unten das Wasser nicht so gut in den Topf hochzieht. Diese Problematik relativierte sich jedoch während der Kultur wieder. Trotzdem wird in den nächsten Kulturen ein verstärktes Augenmerk auf Unterschiede und Probleme in dieser Richtung gelegt werden, um eventuelle Anpassungen beim Substrat oder in der Kulturführung vornehmen zu können.

Sanvitalia, Kulturwoche 6, direkt nach dem Bewässern. Links im Standardsubstrat mit 25 Vol.-% Holzfasern, rechts im TerZ-Substrat mit 30 Vol.-% Holzfasern, 10 Vol.-% Rindenhumus und 10 Vol.-% Grüngutkompost (Fotos: LVG Ahlem)

In der Region Nord trat auch ein Schadfall auf. Calibrachoa und Petunien wollten nicht so recht in das TerZ-Substrat eines Betriebes einwurzeln. Oberirdisch hat man das den Pflanzen nicht angesehen und sie entwickelten sich normal. Außer diesen beiden Pflanzenarten wurzelten alle anderen Kulturen hervorragend in das Substrat ein. Leider konnte die Ursache hierfür bisher noch nicht ermittelt werden, sodass der Betrieb Calibrachoa und Petunien im nächsten Jahr nicht wieder in diesem TerZ-Substrat produzieren möchte.

Calibrachoa zum Ende der Kultur. Oberirdisch ist der Pflanze nicht anzusehen, dass sie nicht in das TerZ-Substrat eingewurzelt ist. In dem Substrat sind 25 Vol.-% Holzfasern, 20 Vol.-% Rindenhumus und 8 Vol.-% Ton enthalten. (Fotos: LVG Ahlem)

Im Hinblick auf die kommenden Herbstkulturen werden die Betriebe bei den erreichten Torfanteilen bleiben. Ein Betrieb wird sein Substrat noch etwas von den Ausgangsstoffen umstellen. Dort wird statt Rindenhumus und ungefärbter, grober Holzfaser, nun Grüngutkompost und eine gefärbte, feinere Holzfaser getestet, um die Wasserhaltefähigkeit noch weiter zu optimieren.

Stark torfreduzierte Substrate bei Beet- und Balkonpflanzen – funktioniert!

Von Melanie Bank, Versuchszentrum Gartenbau Straelen, LWK Nordrhein-Westfalen

Die Beet- und Balkonpflanzensaison 2021 konnte im Modell- und Demonstrationsvorhaben TerZ (Einsatz torfreduzierter Substrate im Zierpflanzenbau) erfolgreich abgeschlossen werden. In der Modellregion West wurden diverse Kulturen aus dem B&B-Sortiment in stark torfreduzierten Substraten (TerZ-Substrate) begleitet.

KulturSubstratzusammensetzung
Standard
Substratzusammensetzung
TerZ
Bacopa80 Vol.-% Weißtorf,
20 Vol.-% Holzfaser
50 Vol.-% Weißtorf,
30 Vol.-% Holzfaser,
10 Vol.-% Perlite,
10 Vol.-% Kompost
Bracteantha100 Vol.-% Weißtorf40 Vol.-% Weißtorf,
50 Vol.-% Holzfaser,
10 Vol.-% Kompost
Calibrachoa68 Vol.-% Weißtorf,
12 Vol.-% Kokos,
10 Vol.-% Perlite,
10 Vol.-% Pinienrinde
55 Vol.-% Pinienrinde,
35 Vol.-% Kokos,
10 Vol.-% Reisspelze  
Dianthus60 Vol.-% Weißtorf,
25 Vol.-% Holzfaser,
15 Vol.-% Perlite
50 Vol.-% Weißtorf,
25 Vol.-% Holzfaser,
15 Vol.-% Perlite,
10 Vol.-% Kompost
Euphorbia hypericifolia60 Vol.-% Weißtorf,
25 Vol.-% Holzfaser,
15 Vol.-% Perlite
50 Vol.-% Weißtorf,
25 Vol.-% Holzfaser,
15 Vol.-% Perlite,
10 Vol.-% Kompost
Fuchsia80 Vol.-% Weißtorf,
20 Vol.-% Holzfaser
50 Vol.-% Weißtorf,
30 Vol.-% Holzfaser,
10 Vol.-% Perlite,
10 Vol.-% Kompost
Lavandula80 Vol.-% Weißtorf,
20 Vol.-% Holzfaser
50 Vol.-% Weißtorf,
25 Vol.-% Holzfaser,
25 Vol.-% Kokosmark
Pelargonium zonale80 Vol.-% Weißtorf,
20 Vol.-% Holzfaser
50 Vol.-% Weißtorf,
30 Vol.-% Holzfaser,
10 Vol.-% Perlite,
10 Vol.-% Kompost
Petunia60 Vol.-% Weißtorf,
25 Vol.-% Holzfaser,
15 Vol.-% Perlite
50 Vol.-% Weißtorf,
25 Vol.-% Holzfaser,
15 Vol.-% Perlite,
10 Vol.-% Kompost
Petunia68 Vol.-% Weißtorf,
12 Vol.-% Kokos,
10 Vol.-% Perlite,
10 Vol.-% Pinienrinde
55 Vol.-% Pinienrinde,
35 Vol.-% Kokos,
10 Vol.-% Reisspelze  
Substratzusammensetzungen der im Projekt TerZ begleiteten Beet- und Balkon Kulturen 2021

Zu den unproblematischen Kulturen des B&B-Sortiments 2021 zählten Bacopa, Euphorbia hyp., Calibrachoa sowie Petunia, Dianthus, Lavandula und Pelargonium zonale. Trotz teilweise hoher Kaliumgehalte bis 553 mg/l bei Substrateingang verlief die Einwurzelung bei allen Kulturen sehr gut. In den Betrieben, die mit sehr hohen Kaliumgehalten konfrontiert waren, wurde entweder die Düngung bereits angepasst, oder es wird in den kommenden Kulturen auf eine stickstoffbetontere Düngung umgestellt. Auch lange Standzeiten bei überjährigen Dianthus zeigten stabile pH-Werte und führten zu optimalen Ergebnissen in der Pflanzenqualität.

Pelargonium zonale links im Standard-Substrat (80 Vol.-% Weißtorf, 20 Vol.-% Holzfaser), rechts im TerZ-Substrat (50 Vol.-% Weißtorf, 30 Vol.-% Holzfaser, 10 Vol.-% Perlite, 10 Vol.-% Kompost) (Foto: Versuchszentrum Gartenbau Straelen/ Köln-Auweiler)

Etwas kritischer zu beurteilen war die Kultur der Fuchsien. Hierbei zeigte sich eine Wachstumsverzögerung vor allem in der letzten Kulturphase, sodass die Ware im stark torfreduzierten Substrat etwa 10 Tage später zur Vermarktung kam. Die Qualität litt darunter jedoch nicht.

Beobachtete Wachstumsverzögerung bei Fuchsia im TerZ-Substrat (50 Vol.-% Weißtorf, 30 Vol.-% Holzfaser, 10 Vol.-% Perlite und 10 Vol.-% Kompost) (Foto: Versuchszentrum Gartenbau Straelen/ Köln-Auweiler)
Verkaufsfertige Ware im TerZ-Substrat (50 Vol.-% Weißtorf, 30 Vol.-% Holzfaser, 10 Vol.-%Perlite, 10 Vol.-% Kompost) (Foto: Versuchszentrum Gartenbau Straelen/ Köln-Auweiler)

Ein Aspekt, der hinsichtlich der Substratumstellung auf stark torfreduzierte Substrate, eine Rolle spielen kann, ist die Wasserhaltekraft der Substrate. Diese variierte je nach Substratausgangsstoffen, die als Torfersatz Verwendung fanden. In Substraten, bei denen Kompost beigemischt wurde, konnte eine minimal höhere Substratfeuchte festgestellt werden, währenddessen die Abtrocknung der Substrate parallel verlief. Verglichen wurden folgende Substrate: 60 Vol.-% Weißtorf, 25 Vol.-% Holzfaser, 15 Vol.-% Perlite und 50 Vol.-% Weißtorf, 25 Vol.-% Holzfaser, 15 Vol.-% Perlite, 10 Vol.-% Kompost. Das gegenteilige Bild zeigte sich bei den Substraten 100 Vol.-% Weißtorf, verglichen mit 40 Vol.-% Weißtorf, 50 Vol.-% Holzfasern, 10 Vol.-% Kompost. Hierbei überwiegten die drainierenden Eigenschaften der Holzfasern, sodass die Kultur im TerZ-Substrat öfter bewässert werden musste.

Aufzeichnung der Substratfeuchte mittels Bodenanalysesensoren und Datenloggern zur Speicherung am Beispiel zweier Substrate (Standard: 60 Vol.-% Weißtorf, 25 Vol.-% Holzfaser, 15 Vol.-% Perlite und TerZ: 50 Vol.-% Weißtorf, 25 Vol.-% Holzfaser, 15 Vol.-% Perlite, 10 Vol.-% Kompost) (Diagram: Versuchszentrum Gartenbau Straelen/ Köln-Auweiler)

Nach Beendigung der zweiten Beet- und Balkonpflanzensaison, die im Projekt TerZ begleitet wurde, können positive Schlüsse gezogen werden. Die im Profigartenbau angebotenen und im Projekt begleiteten Substrate funktionierten bis dato in der Region West gut. Einzelne Anpassungen in Bezug auf Düngung und Bewässerung waren allerdings nötig. Qualitätseinbußen konnten nicht beobachtet werden, sodass die Kulturen sehr positiv bewertet wurden. Trotz der guten Ergebnisse in dieser Saison sei darauf hingewiesen, dass die Umstellung auf stark torfreduzierte Substrate sehr betriebsspezifisch vorgenommen werden muss. Die regelmäßigen Substratproben helfen wesentlich beim Erfolg der Substratumstellung.

Erfolgreicher Austausch mit unseren Demonstrationsbetrieben zur Frühjahrsblüher-Saison

von Andreas Weber, LVG Heidelberg

Am 25.03.2021 fand mit neun Demonstrationsbetrieben aus vier Modellregionen ein gelungener, virtueller Austausch zum Thema “Produktion von Frühjahrsblühern in torfreduzierten Substraten” statt. Über 75 Minuten tauschten sich die Gärtner untereinander und mit den Regionalkoordinatoren über den Verlauf der Kulturen aus.

Insgesamt erzielten alle Gärtner mit den torfreduzierten Substraten ähnliche bis bessere Ergebnisse als mit ihren normalerweise verwendeten Substraten. Hierfür musste allerdings vereinzelt die Düngung angepasst werden. Drei Betriebe erhöhten die Düngung bei den torfreduzierten Kulturen.  Ein Betrieb im Norden erhöhte die Düngung sogar um 50 %. Wobei hier zu sagen ist, dass er dies auch für seine im Standardsubstrat kultivierten Kulturen durchführte, um so eine gute Versorgung aller Kulturen zu gewährleisten, da die Düngung bisher immer recht niedrig angesetzt war und dies in den Analyseergebnissen des Projekts auffiel. Ein Betrieb im Osten sowie ein Betrieb im Westen konnten ihre im Kulturverlauf zu klein und kompakt gewachsenen Primeln im torfreduzierten Substrat durch eine Erhöhung der Düngung ausgleichen.

Auch in zwei weiteren Betrieben wurden bei den torfreduziert produzierten Primeln etwas geringere Nährstoffgehalte als im Standardsubstrat registriert, was sich in diesen Fällen jedoch nicht sichtbar auf den Wuchs der Pflanzen auswirkte. Anders bei einem Betrieb aus der Region West. Dort sorgte der im torfreduzierten Substrat enthaltene Kompost für höhere Kaliumgehalte, welche für einen kompakteren Habitus der kultivierten Nelken und Primeln sorgten, was der Betrieb sehr positiv bewertete. Auf ähnliche Weise beobachtete ein weiterer Betrieb aus der Region West, dass er seine Primeln im torfreduzierten Substrat weniger hemmen musste.

Des Weiteren wurde bei drei Betrieben, zwei mit Violen, einer mit Ranunkeln, bemerkt, dass die Kulturen im torfreduzierten Substrat eine geringfügig schwächere Durchwurzelung aufwiesen, was sich allerdings auf die Qualität nicht sichtbar auswirkte.

Insgesamt sind die Betriebe mit den im torfreduzierten Substrat kultivierten Frühjahrsblühern sehr zufrieden und nutzen die Möglichkeit, sich über die im Kulturverlauf aufgetretenen Herausforderungen mit der Düngung, den Nährstoffgehalten und der Durchwurzelung konstruktiv auszutauschen.

Primeln der Gärtnerei Leenen im Standard sowie im torfreduzierten Substrat. (Foto: Versuchszentrum Gartenbau Straelen)

Videoportrais: Torfreduzierte Substrate

Zum 50-jährigen Jubiläum der am Projekt TerZ teilnehmenden Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hat diese Videoportrais zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zu ehemaligen Absolbentinnen und Absolventen sowie auch zu Forschungsprojekten produziet. So auch zu unserem Projekt TerZ.

B&B-Saison und Herbst 2020: Erfolgreiche Produktion trotz Herausforderungen

Von Katja Arndt (LVG Ahlem), Robert Koch (LVG Heidelberg), Melanie Bank (VZG Straelen/ Köln-Auweiler), Anna-Victoria August (LfULG Dresden-Pillnitz) und Ronja Fritzsche (HSWT)

Alle 24 am TerZ-Projekt teilnehmenden Demonstrationsbetriebe in den fünf Modellregionen haben die diesjährige Beet- und Balkonsaison erfolgreich bestritten. Hierbei gestaltete sich die Produktion der meisten Pflanzenarten in Substraten mit einem Torfanteil von 65 bis 85 % als relativ problemlos. Zum Verkaufstermin unterschieden sich die Pflanzen kaum oder gar nicht von denen im jeweiligen Standardsubstrat. Auch der Mehraufwand bei der Kultur in den neuen Substraten hielt sich in Grenzen. Nur in einigen Fällen musste die Düngung etwas verändert werden, was durch die projektbegleitenden Substratanalysen rechtzeitig möglich war. Vereinzelt mussten ein bis zwei Gießvorgänge mehr durchgeführt werden.

Ein Betrieb der Region Süd-West gab an, dass sich die Bewässerung von Neu-Guinea-Impatiens in einem torfreduzierten Substrat (Torfanteil von 60 %) etwas schwieriger gestaltete, da einmal trockengefallen, die Wiederbenetzung dieses Substrates schwierig gewesen sei. „Torfersatz verzeiht nur wenig Fehler im Gießen“, so der Betriebsleiter. Alle anderen Kulturen wie Pelargonien oder Semperflorensbegonien liefen aber auch bei ihm wie in den anderen Betrieben problemlos.

Die Region West freute sich zusätzlich über den sehr guten und frühzeitigen Absatz der Pflanzen, da hierdurch lange Standzeiten und Kulturverlängerungen ausblieben. Aber auch weitere Vorteile, wie zum Beispiel ein schnelleres Abtrocknen des stärker torfreduzierten Substrates, wurden von den Betriebsleitern wahrgenommen. Aufgrund des Kulturerfolges wollen einige Demonstrationsbetriebe das im Projekt erprobte torfreduzierte Substrat in der nächsten Beet- und Balkonpflanzensaison zu ihrem aktuellen Standardsubstrat machen. Ein Betrieb in der Region Süd stellte sogar schon jetzt den gesamten Betrieb auf ein Substrat mit einem Anteil von 50 % Torf um.

Nach dieser erfolgreichen Beet- und Balkonsaison gingen die Demonstrationsbetriebe in der zweiten Jahreshälfte erneut motiviert und torfreduziert mit den Herbstkulturen ins Rennen. Dabei zeigte sich dann allerdings, dass eine Änderung der Substratzusammensetzung bei anspruchsvolleren und länger stehenden Kulturen wie beispielsweise Cyclamen oder Poinsettien durchaus als Herausforderung gesehen werden kann. Diese Kulturen reagierten deutlich sensibler auf Abweichungen in den Kulturbedingungen als die meisten Beet- und Balkonpflanzen. Die extremen Witterungsbedingungen der Sommermonate stellten dabei zusätzlich Anforderungen bei der Umstellung auf die torfreduzierten Substrate dar.

In der Region Ost (Torfanteil von 45 – 70 %) entwickelten einige torfreduzierte Substrate unter diesen Bedingungen eine höhere Dynamik hinsichtlich der pflanzenverfügbaren Nährstoffe, bei der Wasserversorgung oder der Entwicklung des pH-Wertes. Neben direkten Auswirkungen in Form von Nährstoffüberschuss- und -mangelsymptomen wuchs auch das Risiko für Pilzerkrankungen wie beispielsweise für Pythium oder Phytophthora bei Poinsettien.  Es kam zu Schäden und Ausfällen, die jedoch durch rasches Handeln in Grenzen gehalten werden konnten.

Entsprechende Probleme traten auch in der Region West bei der Kultivierung von Poinsettien in einem torffreien Substrat auf und führten letztlich trotz Gegenmaßnahmen zu Qualitätseinbußen.

Auch in der Region Nord war eine erhöhte Stickstoffversorgung bei den torfreduziert produzierten Poinsettien notwendig. Ein Betrieb ging mit der Sorte ‘Christmas Universe’ mit 0 % Torfanteil und rein biologischer Grunddüngung im Substrat gleich aufs Ganze. Diese Kultur war sehr herausfordernd, da in den ersten Wochen eine Stickstoffunterversorgung in Substrat und Pflanze auftrat, welche während der restlichen Kultur nur schwer aufzuholen war. Dies erzeugte viel Handlungsbedarf und zeigte am Ende dennoch einen kleinen Größenunterschied der Pflanzen im Vergleich zu denen im Standardsubstrat.

Auf jeden Fall war und ist eine deutlich höhere Aufmerksamkeit erforderlich, um auf die im Vergleich zu den Standard-Substraten höhere Dynamik zu reagieren.

Euphorbia pulcherrima ‘Christmas Universe’ 11 Wochen nach dem Topfen.
Substrate: Jeweils links torffrei mit 30 % Rindenhumus, 30 % Holzfaser, 15 % Kokosfaser, 15 % Kokosmark, 10 % Ton und rechts im Standardsubstrat mit 65 % Torf, 15 % Holzfaser, 10 % Perlite, 10 % Ton (Fotos: LVG Ahlem)

In der Region West bereicherte Calluna vulgaris das Kulturspektrum. Es zeigte sich eine Wechselwirkung zwischen Substratzusammensetzung und Topfgröße auf die Qualität der Pflanzen. Während sich beim 50 % torfreduzierten Substrat im 12-cm-Topf Pflanzen gleicher Qualität wie im Standardsubstrat (100 % Weißtorf) kultivieren ließen, gab es im 10,5-cm-Topf vor allem bei den Farben Weiß und Rosa viele kurzgebliebene Pflanzen.

Calluna vulgaris, links 100 % Weißtorf; rechts 50 % Weißtorf, 30 % Holzfaser, 20 % Kokos (Foto: Versuchszentrum Gartenbau Straelen/ Köln-Auweiler)

In einem baden-württembergischen Betrieb der Region Süd-West spielte beispielsweise bei Cyclamen ein erhöhter Salzgehalt im Substrat mit einem Torfanteil von 50 % in Verbindung mit großer Hitze eine maßgebende Rolle. Interessant hierbei waren die Sortenunterschiede. Während robusteren Sorten die erhöhten Salzgehalte nur wenig ausmachten, reagierte eine empfindliche Sorte mit einem Teilausfall.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen deutlich, dass die schrittweise Torfreduzierung nicht nur zwischen Gärtner und Substrathersteller diskutiert und vorangebracht werden muss, sondern dass die gesamte Branche inklusive Züchtung an diesem Prozess beteiligt sein sollte.   

Hohe Salzgehalte in Verbindung mit großer Hitze führten im torfreduzierten Substrat mit 50 % Torf, 15 % Holzfasern, 15 % Ton, 10 % Rindenhumus und 10 % Kompost sortenbedingt zu einem Teilausfall (rechte Seite), während eine robustere Sorte (linker Tisch) sich in guter Qualität weiterentwickelte (Foto: LVG Heidelberg)

Aktuelles aus der Modellregion West – Herbst 2020

Von Melanie Bank, Versuchszentrum Gartenbau Straelen, LWK Nordrhein-Westfalen

Die zweite Jahreshälfte hat auch das Pflanzensortiment im Projekt TerZ erreicht.

Sehr gute Erfolge in der Kultur konnten unsere Demonstrationsbetriebe mit den Herbstkulturen Chrysanthemum und Calluna erzielen.

Die Kultur der Chrysanthemen wurde satzweise umgestellt, sodass jeweils der komplette Satz in der Standard- bzw. der Torfersatz-Variante kultiviert wurde. Weder in Bezug auf den Habitus, noch auf die Ausfärbung der Pflanzenteile konnten Unterschiede erkannt werden. Der Unterschied im Blühstadium ist mit einem späteren Stecktermin zu erklären.

Chrysanthemum, links in Standardsubstrat bestehend aus 90 % Weißtorf und 10 % Holzfaser (gesteckt in KW 22), rechts in torfreduziertem Substrat mit 70 % Weißtorf, 20 % Holzfaser und 10 % Perlite (gesteckt in KW 23). (Foto: Versuchszentrum Gartenbau Straelen)

Calluna vulgaris, die in 50 % torfreduziertem Substrat kultiviert wurden, befinden sich derzeit in der Vermarktung.

Hier ist kein Unterschied zu den Besenheiden im Standardsubstrat zu erkennen. Calluna vulgaris, als Vertreterin der Moorbeetpflanzen, stellt hohe Ansprüche an den pH-Wert. Trotz der langen Kulturzeit von fast zehn Monaten blieb der pH-Wert im Substrat weitestgehend konstant und stieg erst in den letzten sechs Kulturwochen auf 4,5 im Standard- bzw. 4,6 im Torfersatz-Substrat an. Da der pH-Wert aber bis zur Vermarktung im tolerierbaren Bereich lag, wurden keine Qualitätseinbußen verzeichnet.

Calluna vulgaris kurz vor dem Verkauf in 100 % Weißtorf (links) sowie in 50 % torfreduziertem Substrat mit 30 % Holzfaser und 20 % Kokosmark (rechts). (Foto: Versuchzentrum Gartenbau Straelen)

Regionaler Erfahrungsaustausch in der Modellregion West

Von Melanie Bank, Versuchszentrum Gartenbau Straelen, LWK Nordrhein-Westfalen

In der Modellregion West im Projekt TerZ trafen sich die Demonstrationsbetriebe am 03.09.2020 zu einem regionalen Erfahrungsaustausch.

Urkundenvergabe an (v.l.n.r.) Christoph Schönges, Roy Könitzer (Gartenbau P. Cox), Wolfgang Leenen, Anna Heekeren
(Foto: Melanie Bank, Versuchszentrum Gartenbau Straelen)

Nach der Urkundenübergabe, die Andrew Gallik (Projektleiter Modellregion West) übernahm, stand ein Betriebsrundgang im Gartenbaubetrieb Wolfgang Leenen auf dem Programm. Der persönliche Austausch über das erste Projektjahr fand anschließend mit gebührendem Abstand in einem großen Stuhlkreis statt.

Auch Anette Stadler, die das Projekt hinsichtlich der betriebswirtschaftlichen Aspekte begleitet, war vor Ort und konnte so persönlich von ihren Erfahrungen bei der Datenerhebung berichten.

Aus den Reihen der Betriebe lässt sich der Wunsch nach fachlichem Austausch vernehmen, sodass wir gegenwärtig schon auf das nächste Treffen hinarbeiten. Über die rege Teilnahme der Demonstrationsbetriebe und das Engagement im Projekt TerZ freuen wir uns bereits jetzt.

Betriebsrundgang Gartenbau Wolfgang Leenen
(Foto: Melanie Bank, Versuchszentrum Gartenbau Straelen)

Aktuelles aus der Modellregion West – Beet und Balkon 2020

von Melanie Bank, Versuchszentrum Gartenbau Straelen, LWK Nordrhein-Wesfalen

Eine aufregende und zwischenzeitlich auch ungewisse Beet und Balkonpflanzensaison ist zu Ende gegangen. Auch für unsere Modellbetriebe im Projekt TerZ war dies eine ungewöhnliche Saison. Trotz aller Widrigkeiten haben alle fünf Betriebe sehr engagiert an der Torfreduzierung ihrer Substrate gearbeitet und erfreuten sich eines sehr guten Erfolgs hinsichtlich der Kulturen.

Die Torfreduzierung der jeweiligen Substrate lag bei 30 % bis 100 %. Erste Beobachtungen zeigen, dass die torfreduzierten Substrate in den Betrieben keinen erheblichen Mehraufwand bezüglich der Bewässerung mit sich bringen. Diese Thematik werden wir in den nächsten Kulturen weiterhin betrachten und dokumentieren, sodass hierzu belastbare Aussagen getroffen werden können.

Alle Kulturen der Beet und Balkonpflanzensaison, die im Projekt kulturtechnisch begleitet wurden, wurden ohne Mängel oder Schäden kultiviert.

Den Sprung ins kalte Wasser haben zwei der Betriebe mit den Kulturen Festuca glauca und Calibrachoa gewagt. Sie haben Teile der Kulturen in torffreiem Substrat kultiviert. Der Erfolg kann sich sehen lassen!

Festuca glauca, links im Standardsubstrat (80% Torf), rechts im torffreien Substrat
(Aufnahme: Melanie Bank, Versuchszentrum Gartenbau Straelen)
Calibrachoa, 68% torfhaltiges Standardsubstrat (links), im Vergleich zu torffreiem Substrat (rechts)
(Aufnahme: Melanie Bank, Versuchszentrum Gartenbau Straelen)

Modellregion Nord: Erste Ergebnisse machen Lust auf mehr

von Michael Emmel und Katja Arndt, Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Ahlem der LWK Niedersachsen

Fünf Regionen, 24 Betriebe und ein breites Beet- und Balkonpflanzen-Sortiment lassen differenzierte Erfahrungen in der ersten Saison des Modell- und Demonstrationsvorhabens TerZ erwarten. Die Betriebe sind mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in das Vorhaben, Torf in ihren Kultursubstraten zu reduzieren, gestartet. Einige kultivieren bislang in reinen Torfsubstraten, andere haben bereits größere Anteile anderer Substratausgangsstoffe in ihren Standardsubstraten. Mit den jeweiligen Lieferanten wurde ein stärker torfreduziertes Substrat konzipiert, in dem die Betriebe jetzt parallel zu ihrem Standardsubstrat verschiedene Beet- und Balkonpflanzen kultiviert haben.

In der Modellregion Nord wurde dabei der Torfanteil im ersten Schritt auf 65 bis 70 Volumenprozent reduziert. Die meisten der darin kultivierten Pflanzenarten unterschieden sich zum Verkaufstermin kaum oder gar nicht von denen im Standardsubstrat. Teilweise waren einzelne Arten etwas größer oder etwas kleiner, etwas heller oder dunkler im Laub oder etwas lockerer oder kompakter aufgebaut. Alle Partien waren jedoch verkaufsfähig und vorhandene Unterschiede fielen nur im direkten Vergleich auf. Der Mehraufwand bei der Kultur in dem neuen Substrat hielt sich in Grenzen. In einigen Fällen musste die Düngung verändert werden. Hier haben die regelmäßig durchgeführten Substratanalysen geholfen, um rechtzeitig nachzusteuern. Aber auch Vorteile, wie zum Beispiel ein schnelleres Abtrocknen des stärker torfreduzierten Substrates, wurden von den Betriebsleitern wahrgenommen. Daher wollen einige dieses Substrat in der nächsten Beet- und Balkonpflanzensaison zu ihrem Standardsubstrat machen. Dann kann diesem im Rahmen des Projektes ein Substrat mit noch stärker verringertem Torfanteil gegenübergestellt werden.

Damit rückt das Ziel des Vorhabens in greifbare Nähe: 50 Volumenprozent Torf in den Substraten zu ersetzen, ohne dass es dadurch zu Qualitätseinbußen bei den Pflanzen kommt.

BMEL lädt ein zur Torfminderungstagung

Im Rahmen des neuen Klimaschutzgesetztes und dem nationalen Klimaschutzplan 2030 lud das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zur Tagung Torfminderung am 18. und 19. Februar 2020 nach Berlin. Anlässlich dieses Treffens kamen Wissenschaftler, Vertreter der Substratindustrie und der Gartenbauverbände zusammen.
Gemeinsam wurde der aktuelle Status quo erörtert und nach einer gemeinsamen Strategie zur Minderung im Torfverbrauch in Substraten gesucht.
Die TerZ-Demonstrationsbetriebe erhalten im Rahmen des Vorhabens Fördermittel des BMEL. Die Übergabe der zugehörigen Förderbescheide war Teil des Tagungsprogramms. Repräsentativ für die fünf Modellregionen überreichte Herr Uwe Feiler, parlamentarischer Staatssekretär, die Bescheide an fünf Demonstrationsbetriebe.

Überreichung der Förderbescheide an fünf Demonstrationsbetriebe durch parlamentarischen Staatssekretär Herrn Uwe Feiler (v.l.nr.: Katja Arndt, Stefan Gerritzen, Ralf Sauter, Herbert Eichelmann, Uwe Ablaß, Holm Wießner, Jörg Jansmann, Uwe Feiler, Foto: BMEL).

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier:

https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Pflanzenbau/Gartenbau/_Texte/tagung-torfminderung.html