TerZ im Interview

Poinsettien: 50 Vol.-% Torf sind kein Problem!

Krebs Pflanzen zeigt, dass auch empfindliche Poinsettien gut mit 50 Vol.-% Torf im Substrat produziert werden können. Welche Erfahrungen der Betriebsleiter, Oliver Krebs, bisher gemacht hat und wie er zukünftig weiter machen möchte, sehen Sie im Video-Beitrag.

In diesem Jahr Hat Herr Krebs sein Standardsubstrat komplett auf Torfanteile von 50 Vol.-% herabgesetzt und ist sehr zufrieden: „Die Substrate funktionieren gut und ich merke keine Unterschiede in der Kulturführung und den Qualitäten.“ Bei den Poinsettien verwendet er ein Substrat mit 50 Vol.-% Torf, 25 Vol.-% Holzfaser, 15 Vol.-% Perlite und 10 Vol.-% Ton.

Betriebswirtschaftliche Erkenntnisse aus 2020 + 2021

Erfahrungen und Erkenntnisse aus der betriebswirtschaftlichen Begleitung

Von Prof. Dr. Stephan Krusche und Anette Stadler, HSWT

Die Begleitung der 24 TerZ-Demonstrationsbetriebe bei der stufenweisen Reduzierung ihres Torfanteils erfolgt nicht nur substratanalytisch, sondern auch betriebswirtschaftlich. Die entsprechenden Kulturdaten werden von Prof. Dr. Stefan Krusche und Anette Stadler, Fachbereich Betriebswirtschaft am Institut für Gartenbau an der HSWT, kulturbegleitend erfasst, berechnet, ausgewertet und analysiert. Im Rahmen der überregionalen TerZ-Informationsveranstaltung am 31.08.2022 in Kevelaer wurden Erfahrungen und Erkenntnisse aus den beiden Kulturjahren 2020-21 und 2021-22 (Einführungs- und Optimierungsphase) vorgestellt.

Die Grundlage zur Einschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen bei der Substratumstellung bilden über 400 Nachkalkulationen ausgewählter Kulturen und Sätze, die jeweils im selben Betrieb sowohl in einem torfreduzierten, als auch im als Standard verwendeten Ausgangssubstrat kultiviert wurden. Neben der betriebsindividuellen Betrachtung der Ergebnisse aus den Kulturkosten-Berechnungen fand darüber hinaus eine betriebs- und kulturübergreifende explorative Analyse statt, bei der auffällige und eventuell durch die Substratwahl bedingte, systematische Unterschiede bei den wirtschaftlichen Ergebnissen untersucht wurden.

Zeigen sich Unterschiede bei den Ausgangsdaten in Beziehung zur Substratwahl?

Zu Projektbeginn stellte sich eine Vielzahl an Fragen zu den in den TerZ-Betrieben erfassten Ausgangsdaten mit Blick auf die beiden Substratvarianten (ST=Ausgangssubstrat im direk-ten Vergleich zu TE=torfreduziertes Substrat), wie zum Beispiel:


• Gibt es spürbare Unterschiede bei den am Markt zu erzielenden Preisen?
In beiden Kulturjahren konnten weder in nennenswertem Umfang bessere VK-Preise (evtl. als Folge einer höheren Zahlungsbereitschaft – „Preispremium für nachhaltige Produktion“) noch in nennenswertem Umfang schlechtere VK-Preise (mögliche Folge minderer Qualitäten) beobachtet werden.

• Sind die Anteile der nicht zu vermarktenden Ware (Ausfälle) im torfreduzierten Substrat stets höher als im Ausgangssubstrat?
Aus den TerZ-BWL-Daten ließen sich nicht grundsätzlich höhere Ausfälle bei den Kulturen in TE ableiten. Lag die Ausfallquote jedoch im Bereich über 5%, schnitt in beiden Kulturjahren die TE-Variante schlechter ab als selbige im Ausgangssubstrat.

• Liegen die Direktkosten bei der torfreduzierten Substratvariante grundsätzlich höher?
Obwohl die Direktkosten nicht durchgängig und nicht grundsätzlich bei der TE-Variante über denen der ST-Variante lag, zeigte sich jedoch eine leichte Tendenz zu leicht erhöhten Direktkosten in TE. Für diese Unterschiede waren vor allem die Substratkosten verantwortlich, die in TE sehr viel häufiger über den Substratkosten von ST lagen – insbesondere im zweiten Kulturjahr – und nur vergleichsweise selten umgekehrt.

• Setzt die Kultivierung in einem torfreduzierten Substrat immer auch einen höheren Platz- und Zeitbedarf (Flächenzeitwert) voraus?
Systematische Unterschiede beim Flächenzeitwert ließen sich aus den TerZ-BWL-Daten nicht ableiten. Eine grundsätzliche Kulturzeitverlängerung/-verkürzung in TE oder grundsätzlich höheren/geringeren Platzbedarf auf Grund von verstärktem/verzögertem Wachstum der Sätze in TE konnte nicht festgestellt werden.

• Wie wirkt sich das torfreduzierte Substrat auf den Arbeitszeitbedarf aus?
Der Arbeitszeitbedarf stellte eine besonders stark streuende Größe dar, die in den TerZ-BWL-Daten tendenziell auf einen leicht erhöhten Arbeitszeitbedarf in den TE-Sätzen hin-deutete. Dies war vor allem in der Einführungsphase zu beobachten, in der Optimierungs-phase zeigte sich kein nennenswert erhöhter Arbeitszeitbedarf mehr in TE.
Folglich schien sich der anfangs leicht aufwendigere Umgang mit den torfreduzierten Substraten durch zunehmende Routine in der Optimierungsphase relativiert zu haben.

Gibt es Differenzen bei den Ergebnissen der Kultur-Produktivitäten in Beziehung zur Substratwahl?

Nach dem Vergleich der einzelnen Ausgangsdaten folgte die Betrachtung der Gesamtheit aller Einflussgrößen auf die Kultur-Produktivitäten, indem die Ergebnisse aller Kulturkalkulationen und die daraus gebildeten Ergebnis-Differenzen analysiert wurden. Besonders von Bedeutung sind hierbei die Ergebnisse der Kultur-Flächenproduktivität (Kultur-FP), da die Produktionsfläche im Topfpflanzenanbau die wesentlich begrenzende Ressource darstellt.
Eine Vielzahl an Vergleichssätzen zeigte in beiden Kulturjahren gleiche bzw. annähernd gleiche Ergebnis-Differenzen hinsichtlich der Kultur-FP (65,1% bzw. 68,4%) oder sogar positive Ergebnis-Differenzen bei den im torfreduzierten Substrat produzierten Kulturen (17,0% bzw. 8,4%).
Im Bereich der negativen Ergebnis-Differenzen trat eine leichte Verschiebung von 17,9% (19 von 106 Fällen) in der Einführungsphase auf 23,2% (22 von 95 Fällen) in der Optimierungsphase bei den Kulturen im torfreduzierten Substrat auf.
Es lässt sich jedoch aus den TerZ-BWL-Daten nicht schlussfolgern, dass die im torfreduzierten Substrat kultivierten Sätze grundsätzlich gleich, besser oder schlechter mit Blick auf die Kultur-FP abgeschnitten haben als die Sätze, die im Ausgangssubstrat kultiviert wurden. Es konnte ausschließlich festgestellt werden, dass es sowohl gleiche und gleichartige, als auch deutlich bessere und deutliche schlechtere Ergebnisse in beiden Substratvarianten gegeben hat.


Unterscheiden sich die Ergebnis-Differenzen der Kultur-Produktivitäten hinsicht-lich ausgewählter Strukturmerkmale?

Vertiefend wurde untersucht, ob sich die Ergebnis-Differenzen hinsichtlich ausgewählter Strukturmerkmale (wie Absatzweg, Standort, Torfminderungsstufe, Betriebsgröße, Kulturen-gruppen) unterschieden. Es wiesen nur die Kulturengruppen in beiden Kulturjahren einen bemerkenswerten Effekt auf. Auffällig war hierbei, dass sich – neben zahlreichen gleichen bzw. annähernd gleichen Ergebnissen – die positiven und die negativen Ergebnis-Differenzen bei bestimmten Kulturengruppen häuften.

Bei den Kulturengruppen Petunien/Calibrachoa, Pelargonien, Sonstige B&B und Sommerkulturen fanden sich in beiden Kulturjahren überwiegend positive Ergebnis-Differenzen in TE, bei den Kulturengruppen Poinsettien sowie Herbst- und Frühjahrskulturen häuften sich negative Ergebnis-Differenzen in TE mit unterschiedlicher Ausprägung in den beiden Kulturjahren.
Die naheliegende Vermutung, dass der Anbau im torfreduzierten Substrat bei einigen Kulturen besser funktioniert hat als bei anderen (möglicher „Kulturengruppen-Effekt“) ist durch die TerZ-BWL-Daten nicht wirklich zu belegen, da nicht alle Kulturen in allen Betrieben angebaut und erfasst wurden und somit kein vollständiger Vergleich über alle Betriebe möglich war.

Zudem war zu beobachten, dass es mit Blick auf die TE-Variante in den meisten Kulturen-gruppen zwar deutliche Ergebnis-Differenzen gab, diese jedoch in den jeweils einzelnen Kulturengruppen sowohl in die positive als auch in die negative Richtung zeigten, was auf betriebsindividuelle Unterschiede zurückzuführen war.


Welchen Einfluss auf die Kultur-Produktivitäten haben einzelne kostenrechnerische Positionen?

Sofern es in der TE-Variante bemerkenswerte Ergebnis-Differenzen – sowohl positiv als auch negativ – gab, stellte sich die alles entscheidende Frage nach dem Einfluss einzelner Kostenpositionen und Ressourcennutzungen (wie Direktkosten, Flächenzeitwert, Arbeitszeitbedarf etc.) auf die Kultur-FP.
In den Kulturengruppen, in denen auffällig negative Ergebnis-Differenzen aufgetreten sind (Kultur-FP im torfreduzierten Substrat schlechter als im Ausgangssubstrat), standen diese vor allem mit einem höheren Ausfall und einer längeren Kulturdauer (höherer Flächenzeit-wert) im torfreduzierten Substrat in Zusammenhang. In den Kulturengruppen, in denen auf-fällig positive Ergebnis-Differenzen aufgetreten sind (Kultur-FP im torfreduzierten Substrat besser als im Ausgangssubstrat), galt umgekehrt, dass diese vor allem mit einem niedrige-ren Ausfall und einer kürzeren Kulturdauer (geringerer Flächenzeitwert) im torfreduzierten Substrat in Zusammenhang standen, und eine positive Ergebnis-Differenz gegebenenfalls selbst bei z. B. höheren Substrat- und Energiekosten aufwiesen.
Höhere Beschaffungskosten für z. B. Substrat oder Energie können demnach durch andere Einflussgrößen überlagert werden. Sie führen aber dennoch immer auch zu einem, sich po-tenziell negativ auswirkenden, Anstieg der Direktkosten, der sich in einer deutlich negativen Ergebnis-Differenz niederschlägt – oder je nach betriebsindividuellem Einzelfall auch nicht, wie aus den TerZ-BWL-Kulturkalkulationen ersichtlich wurde.

Was lässt sich bis dato aus den TerZ-BWL-Daten erkennen?

In den beiden Kulturjahren 2020-21 und 2021-22 konnte eine Vielzahl gleicher bzw. annä-hernd gleicher betriebswirtschaftlicher Ergebnisse bei den Kultursätzen im torfreduzierten Substrat im Vergleich zum Ausgangssubstrat erzielt werden.
Wenn es deutliche Ergebnis-Differenzen bei der Kultur-Flächenproduktivität gab, traten diese mit Blick auf die torfreduzierte Substratvariante sowohl in die positive als auch in die negative Richtung auf.
Dies war in besonderem Maße bei den Poinsettien sowie den Herbst- und Frühjahrskulturen zu beobachten, was die Vermutung eines “Kulturengruppen-Effekts” nahelegt. Auf alle Fälle jedoch besteht ein deutlicher Hinweis auf die besondere Aufmerksamkeit bei der Umstellung auf torfreduzierte Substrate in diesen drei Kulturengruppen.
Unabhängig von der Substratvariante sind der Anteil an nicht verkaufter Ware (Ausfall) und die Kulturdauer (Flächenzeitwert) die entscheidenden Einflussgrößen, die im Zusammen-hang mit einer Ergebnis-Differenz bei der Kultur-Flächenproduktivität stehen. Die TerZ-BWL-Daten liefern den Beleg für die zu erwartende große Bedeutung, die der Kultursicherheit (geringe Ausfälle, maximaler Abverkauf der Ware, keine Kulturzeitverlängerung) bei der Ermittlung der wirtschaftlichen Ergebnisse zukommt. Wobei dies in gleichem Maße für die Kultur im torfreduzierten Substrat wie auch im Ausgangssubstrat gilt.
Darüber hinaus konnte eine sehr große Streuung bei den Kulturdaten und den Ergebnissen – selbst bei ein und derselben Kultur – festgestellt werden, was die enorme Bandbreite pflanzenbaulicher Besonderheiten und individueller Kulturbedingungen im Zierpflanzenbau wider-spiegelt. Essentiell von Bedeutung bei der Umstellung auf torfreduzierte Substrate ist daher stets eine betriebsindividuelle Betrachtung.

Betriebsinformationstage Modellregion Ost

Save the date(s): Betriebsinformationstage in Modellregion Ost

Von Anna-Victoria August, LfULG Sachsen/Dresden-Pillnitz

Aus der Praxis, für die Praxis, in die Praxis! Getreu diesem Motto möchten die Modellbetriebe der Region Ost nach über drei Jahren TerZ-Projektarbeit ihre gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse zur torfreduzierten Produktion von Zierpflanzen sehr gern an Sie, die an der Substratumstellung interessierten Fachkolleginnen und Fachkollegen weitergeben! Hierfür werden die Betriebe an folgenden Terminen ihre Tore für Sie öffnen:

Hierfür werden die Betriebe an folgenden Terminen ihre Tore für Sie öffnen:

Führungen durch die Betriebe ermöglichen Ihnen einen genauen Blick hinter die Kulissen und vor allem auf die aktuellen Kulturen zu werfen, darunter natürlich auch torfreduzierte Kulturen. Bei Kaffee und kleinen Snacks können Sie sich mit den Betriebsleitern und anderen Veranstaltungsteilnehmenden zum Thema Torfersatz in der Praxis austauschen und sicherlich auch den ein oder anderen Profitipp mit nachhause nehmen.
Auch Frau August, die Regionalkoordinatorin der Modellregion Ost, wird für Fragen zur Verfügung stehen (E-Mail: Anna-Victoria.August@smekul.sachsen.de, Telefon: 0351/2612 8209).

Die Teilnahme an den Betriebsinformationstagen ist für Sie kostenlos und wird unter den aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen stattfinden. Bitte melden Sie sich über die oben aufgeführten Links der entsprechenden Veranstaltung an.

Wir freuen uns auf Sie!

Überregionale Infoveranstaltung

Aktuelles aus der Modellregion West

Von Melanie Bank, Versuchszentrum Gartenbau Straelen, LWK Nordrhein-Westfalen

Das Projekt TerZ lud am 31.08. und 01.09.2022 zu einer überregionalen Informationsveranstaltung und Betriebsinfotagen in der Modellregion West ein.

Die Veranstaltung mit ca. 120 Teilnehmern fand am ersten Tag als Vortragsveranstaltung im Bühnenhaus Kevelaer mit viel Raum zur Diskussion statt. Die Ergebnisse aus 3,5 Jahren Projektlaufzeit wurden vorgestellt, sowohl hinsichtlich der Ergebnisse aus den Praxisbetrieben, der Substratanalytik als auch der betriebswirtschaftlichen Begleitung. Aus dem Bereich Wissenstransfer wurde das neue online Tool „TerZ digital“ vorgestellt, das ab sofort kostenlos für interessiere Fachanwender unter https://rise.articulate.com/share/JCCLv5ILs6iGfXz-u1Z2B42G051Zyx-E#/ zur Verfügung steht. Die Demonstrationsbetriebe Nietzold (Region Ost) und Eichelmann (Region Süd) berichteten sehr praxisnah über die Erfahrungen aus dem Projekt TerZ. Bei der abschließenden Diskussionsrunde wurde unter anderem über die Wichtigkeit der Begleitung während der Umstellung gesprochen und wie die Perspektiven nach dem Projekt aussehen.

Abbildung 1: Diskussionsrunde mit allen Vortragenden v.l.n.r. Andrew Gallik (Moderation), Anette Stadler, Fabian Heesch, Anna-Victoria August, Gerlind Hammann, Katja Arndt, Ronja Fritzsch, Herbert Eichelmann, Andy Nietzold (Foto: Klawitter; bearbeitet)

Beim abendlichen „get together“ wurde der Austausch in lockerer Atmosphäre zwischen den Teilnehmern ermöglicht und auch genutzt. Demonstrationsbetriebe aus dem Projekt aus fast allen Modellregionen standen für Fragen zur Verfügung. Auch die Substratindustrie hat diese Möglichkeit genutzt um mit verschiedenen Akteuren zum Thema „Torfersatz“ in Verbindung zu treten.

Am zweiten Veranstaltungstag wurden drei verschiedene Bustouren in jeweils drei Demonstrationsbetriebe angeboten.

Tour 1: Gartenbau Stefan Gerritzen – Gartenbau Paul Cox – Gartenbau Johannes Heekeren

Tour 2: Gartenbau Christoph Schönges – Gartenbau Wolfgang Leenen – Gartenbau Paul Cox

Tour 3: Gartenbau Johannes Heekeren – Gartenbau Wolfgang Leenen – Gartenbau Christoph Schönges

Abbildung 2: Betriebsbesichtigung bei Gartenbau Christoph Schönges, der seinen neusten Gewächshausbau vorstellt, indem Weihnachtssterne standardmäßig mit nur noch 50 Vol.-% Torf produziert werden
Abbildung 3: Erläuterung des Substrates mit 50 Vol.-% Torfreduktion, das bei Gartenbau Wolfgang Leenen zur Primelproduktion verwendet wird
Abbildung 4: Besichtigung der Freilandfläche bei Gartenbau Paul Cox, der bei über 300 Kulturen jährlich flächendeckend mit 50 Vol.-% torfreduziertem Substrat produziert und ein Substrat mit nur noch 30 Vol.-% Torf testet
Abbildung 5: Gartenbau Johannes Heekeren berichtet über die Calocephalus Kultur. Hauptkulturen haben hier alle ein spezielles, auf die jeweilige Kultur angepasstes Substrat

Die Offenheit und Bereitschaft der Demonstrationsbetriebe zur Diskussion mit den Teilnehmern der Veranstaltung stieß auf große Begeisterung. Die Diversität der Betriebe konnte einen guten Einblick geben, wie betriebsindividuell Torfreduktion umgesetzt wird. Von kleinen Schritten beginnend bei 30 Vol.-% bis hin zur torffreien Produktion, auch im Freiland oder einer Vollbevorratung mit Langzeitdünger bis zur kompletten Versorgung der Pflanzen durch Flüssigdünger. Zeigen konnten aber alle, dass es funktioniert.

Beet- und Balkonpflanzensaison 2022

Stark torfreduziert produzieren – TerZ zeigt wie`s funktioniert!

Gemeinschaftsartikel der LVG Ahlem, LVG Heidelberg, VZG Straelen/ Köln-Auweiler, LfULG Dresden-Pillnitz und Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Das Modell- und Demonstrationsvorhaben „TerZ“ begleitet 24 Zierpflanzenproduktionsbetriebe aus ganz Deutschland über drei Jahre bei der Umstellung auf stärker torfreduzierte Substrate.

Dass die Zierpflanzenproduktion in stark torfreduzierten Substraten möglich ist, wurde im Versuchswesen in den letzten Jahrzehnten vielfach gezeigt. Jedoch herrscht in der Praxis vielfach noch Unsicherheit, ob eine erfolgreiche Umsetzung in einem Produktionsbetrieb unter weniger streng kontrollierten Bedingungen mit vielen verschiedenen Kulturen möglich ist, ohne dabei Qualitätseinbußen und Ausfälle zu riskieren. Genau hier setzt TerZ („Torfersatz im Zierpflanzenbau“) an: Die Praxis soll zeigen, was möglich ist und was nicht. Dabei werden aber keine Substratmischungen vorgegeben. Zwar werden die Betriebe bei allen Schritten der Torfreduktion von den Projektbetreuerinnen und Projektbetreuern fachlich unterstützt, aber letztendlich entscheidet jeder Betrieb welche Substratmischungen er bei welchen Kulturen verwenden möchte.

Die fachliche Begleitung der Betriebe besteht aus regelmäßigen Beratungs- und Feedbackgesprächen, Substratanalysen und darauf aufbauenden Düngeempfehlungen, sowie weiteren Anpassungen in der Kulturführung. Zudem werden auch die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der Umstellung auf stark torfreduzierte Substrate sowohl betriebsindividuell als auch betriebsübergreifend erfasst, berechnet, ausgewertet und analysiert.

Mittlerweile befinden sich die Betriebe im letzten von drei Projektjahren. In diesem Zeitraum sollten die erprobten Substrate nur noch maximal 50 Vol.-% Torf enthalten und bereits fest in den Betrieben als Standard etabliert werden. Die Kulturführung ist im vorigen Projektjahr, der „Optimierungsphase“, bereits angepasst worden.

In der Beet- und Balkonpflanzensaison 2022 haben alle 24 Betriebe das Projektziel, mit max. 50 Vol.-% Torf im Substrat zu produzieren, erreicht und 10 Betriebe haben sogar Torfanteile unter 50 Vol.-% getestet.

Wie bereits in der letzten Saison sind die Ergebnisse auch in diesem Jahr als sehr gut zu bewerten. Optisch sind bei den TerZ-Kulturen oft keine Unterschiede zu den in Standardsubstraten produzierten gleichen Sorten festzustellen gewesen. In einigen Fällen waren Anpassungen in der Düngung und Bewässerung nötig und teilweise wichen auch wenige Kulturen optisch vom Standard ab, indem sie z.B. kompakter oder etwas schwächer bewurzelt waren. In Einzelfällen sind auch größere Unterschiede aufgetreten, die im Folgenden genauer beschrieben werden.

Empfindliche Kulturen benötigen eine präzise Kulturführung

Abb. 1: Calibrachoa zum Ende der Kultur. Oberirdisch ist der Pflanze nicht anzusehen, dass sie nicht in das TerZ Substrat (47 Vol. Vol.–% Torf, 25 Vol.-% Holzfasern, 20 Vol. Vol.-% Rindenhumus und 8 Vol. Vol.-% Ton) eingewurzelt ist.

In der Region Nord produzierten die Betriebe einen Großteil ihrer Kulturen in der Beet- und Balkonpflanzensaison mit Torfanteilen von 50 und 30 Vol.-%. Insgesamt waren die Betriebsleiter sehr zufrieden, mussten teilweise aber kleine Anpassungen vornehmen. Da Calibrachoa und Petunien eines Nord-Betriebes in der Saison 2021 deutliche Schwierigkeiten beim Einwurzeln in das stärker torfreduzierte Substrat (TerZ-Substrat) zeigten (Abb.1), entschlossen sich alle fünf Nord-Betriebe Calibrachoa in diesem Jahr bewusst jeweils in ihrem TerZ-Substrat zu produzieren, um den Ursachen genauer auf den Grund zu gehen. Bei zwei Nord-Betrieben, die ihre Calibrachoa-Kulturen komplett auf das TerZ-Substrat umgestellt hatten, war kein Unterschied zu den Calibrachoa der Vorjahre im Standardsubstrat durch die Betriebsleiter festzustellen. Bei drei der fünf Betriebe hingegen waren die Pflanzen kleiner als gewöhnlich und auch die Bewurzelung war schwächer (Abb. 2). In zwei Betrieben fielen die Unterschiede so stark auf, dass sie als deutlicher Qualitätsmangel bewertet wurden (Abb. 2, Mitte und rechts). Die Analyseergebnisse der entsprechenden Substrate deuteten darauf hin, dass evtl. ein etwas zu hoher bzw. niedriger pH-Wert einen Einfluss auf die Kulturen gehabt haben könnte. Möglicherweise waren die Kulturen zwischenzeitlich auch etwas zu nass. Der Effekt lässt sich aber nicht eindeutig einer Ursache zuordnen. Bei den stärker torf-reduzierten Substraten wurde im Projekt bereits häufiger festgestellt, dass die Verläufe der Nährstoffgehalte und pH-Werte eher schwanken und daher eine präzisere Kulturführung erfordern.

In der Region West konnten bei der torffreien Produktion von Calibrachoa (Abb. 3) und Petunia sehr gute Ergebnisse in einem Substrat mit 55 Vol.-% Pinienrinde, 35 Vol.-% Kokos und 10 Vol.-% Reisspelzen erzielt werden. In den Substratanalysen ist zu beobachten, dass der pH-Wert im Laufe der Kultur stabil bei ca. 5,2 geblieben ist. Die anfangs hohen Kalium-Werte von 420 mg/l sanken im Verlauf der Kultur bis auf 215 mg/l K₂O ab. Auch die Stickstoffgehalte sanken während der Kultur, was aber auch durch eine sehr trockene Kulturführung und entsprechend verminderter Bewässerungsdüngung zu begründen sein könnte.

Abb. 3 : Gute Ergebnisse in der Region West bei torffrei produzierten Calibrachoa

Die Stickstoffversorgung im Blick behalten

Ein Betrieb der Region West produzierte Bacopa in zwei torfreduzierten Substraten und verwendete für beide Varianten den gleichen Dünger. Die Pflanzen in dem Standardsubstrat wurden allerdings etwas häufiger mit der Bewässerungsdüngung gegossen. Dieses Substrat enthielt 65 Vol.-% Weißtorf, 20 Vol.-% Holzfasern, 10 Vol.-% Perlite und 5 Vol.-% Grüngutkompost und das TerZ-Substrat enthielt 40 Vol.-% Weißtorf mit 60 Vol.-% Holzfasern. Während der Kultur war ein gegenläufiger Verlauf der Stick-stoffgehalte in den Substraten zu beobachten. Die hohen Startwerte von ca. 430 mg/l N im TerZ-Substrat sanken im Kulturverlauf auf 140 mg/l N ab. Dagegen stiegen die Stickstoffgehalte im Standardsubstrat von 125 auf 180 mg/l N leicht an (Abb. 4).

Abb. 4 : Stickstoffgehalte während der Kultur von Bacopa in einem Standardsubstrat mit 65 Vol. Vol.-% Torf und einem stärker torfreduzierten Substrat mit 40 Vol.-% Torfanteil.

Der Verlauf der Stickstoffgehalte in den Substraten lässt sich durch die N-Immobilisierung, bzw. die Mineralisierung der enthaltenen Holzfasern erklären. Die Brutversuche zeigten, dass das Standardsubstrat eine Mineralisierung von 49 mg/l N aufwies, das stark torfreduzierte Substrat allerdings eine Immobilisierung von 136 mg/l N. Die Pflanzen zeigten jedoch keinen Unterschied im Habitus oder der Wurzelbildung.

Dies zeigt, dass es wichtig ist neue Substrate während der Kultur durch regelmäßige Substratproben im Blick zu behalten. Es kann zu einer N-Immobilisierung, aber auch zu einer Mineralisierung in den Substraten kommen, was bei der Nachdüngung zu berücksichtigen ist, um negative Auswirkungen auf die Kulturen zu vermeiden. Diese Effekte können von Jahr zu Jahr und selbst bei mehreren Substratlieferungen der gleichen Mischung innerhalb eines Jahres, unterschiedlich sein, da auch die Charge der verwendeten Holzfasern einen Einfluss haben kann.

Erfolgreiche Umstellung ganzer Betriebe der Region Süd

Auch in der Region Süd lief die Beet- und Balkonpflanzensaison weitgehend problemlos. Die vier teilnehmenden Betriebe kultivierten alle ihre Kulturen in Substraten mit einem Torfanteil von noch 70 bis 45 Vol.-%. Insgesamt drei der Betriebe haben ihre Produktion bereits vollständig auf Substrate mit einem Torfanteil von höchstens 50 Vol.-% umgestellt.

Bis auf einen späten Satz Calibrachoa und Petunia, die in einem Betrieb nur sehr schlecht einwurzelten, wuchsen auch bei diesem Betrieb alle Kulturen zufriedenstellend. Die Probleme bei dem späten Satz führte der Betrieb zudem eher auf die hohen Temperaturen und die Jungpflanzenqualität als auf das Substrat zurück. Auch weitergehende Untersuchungen an der HSWT ergaben keinen Hinweis auf eine substratbedingte Ursache.

Ein weiterer Betrieb in der Modellregion Süd verglich Pelargonien in zwei Substraten mit einem Torfanteil von 50 und 70 Vol.-%. Zwar zeigten die Pflanzen im stärker torfreduzierten Substrat zu Beginn ein etwas verzögertes Wachstum, dies verwuchs sich jedoch im Laufe der Kultur vollständig. Allerdings stellte der Betrieb fest, dass sich dieses Substrat auf Grund einer recht groben Struktur nicht für kleinere Töpfe eignet, weshalb er in den kommenden Monaten nochmals eine etwas andere Substratmischung erproben möchte.

Die Betriebe haben ihre Kulturführung alle in Abhängigkeit der verwendeten Substrat-mischung etwas angepasst: Teilweise musste die Stickstoffdüngung leicht angehoben werden und die Bewässerung wurde an die veränderten physikalischen Eigenschaften angepasst. Im Großen und Ganzen waren die Betriebe mit dem Verlauf der Substratumstellung und den von ihnen genutzten torfreduzierten Substraten sehr zufrieden.

Häufiger bewässern? Ja oder nein?

Die Betriebe der Region Süd-West produzierten in diesem Jahr diverse Beet- und Balkonpflanzenkulturen, wie Begonia, Calibrachoa und Osteospermum, erfolgreich in stark torfreduzierten Substraten mit Torfanteilen von 45 bis 55 Vol.-%.

Pelargonium zonale wurde von einem Betrieb in hoher Stückzahl (180.000 Stück) in einem Substrat mit 50 Vol.-% Weißtorf, 20 Vol.-% Holzfasern, 15 Vol.-% Rindenhumus, 10 Vol.-% Grünkompost und 5 Vol.-% Ton produziert. Der Betriebsleiter hat hier die Bewässerungshäufigkeit in der Kultur erhöht, da das neue Substrat im Vergleich zu seinem bis-her verwendeten Torf-Ton-Substrat schneller abtrocknete. Die Kultur zeigte sich zum Vermarktungsbeginn in KW 17 in guter Qualität (Abb. 5).

Abb. 5 : Gute Qualität bei den Pelargonien, produziert mit einem Torfanteil von 50 Vol.-%

Ein anderer Betrieb, der Sanvitalia, Begonia und Dianthus im Direktvertrieb absetzte und in einem Substrat mit 55 Vol.-% Torf und gleichen Anteilen von Holzfasern, Grünkompost und Ton (jeweils 15 Vol.-%) kultivierte, konnte ebenfalls gute Ergebnisse zum Kulturende verzeichnen. Aber auch hier wurde ein schnelleres Abtrocknen des Substrates festgestellt. Vereinzelt gab es sogar Rückmeldungen von Endverbrauchern, die nach der Pflanzung von einem erhöhten Bewässerungsbedarf berichteten.

Diese Feststellung wurde in den Betrieben aller Regionen häufiger gemacht. Allerdings waren auch stark torfreduzierte Substrate dabei, die weniger als die torfhaltigeren Sub-strate bewässert werden mussten. Beispielsweise die in der Region West begleiteten Bacopa mit Holzfaseranteilen von 60 Vol.-% (und 40 Vol.-% Torf).

Dies zeigt, dass nicht davon ausgegangen werden darf, dass bei stärker torfreduzierten Substraten – auch solche mit hohen Holzfaseranteilen – stets mehr bewässert werden muss. In den Substraten sollte individuell abhängig von Kultur und Substrat beobachtet werden, inwiefern die Bewässerung anzupassen ist.

Düngung anpassen

Ein weiterer Betrieb der Region Süd-West, der Calibrachoa und Osteospermum in einem Substrat mit nur 45 Vol.-% Torf, 30 Vol.-% Holzfasern und 25 Vol.-% Grünkompost produzierte und ebenfalls direkt vermarktete, berichtete von einer Anpassung in der Düngung. Zu Kulturbeginn stieg der pH-Wert im Substrat zunächst an, was dann mit einem physiologisch sauer wirkenden Volldünger mit einem NPK-Verhältnis von 18-12-18 korrigiert werden konnte.

Abb. 6 : Ausgeprägtes Wurzelsystem bei
Osteospermum in einem Substrat mit einem Torfanteil von 45 Vol.-%

Zum Kulturende zeigten die Substratanalysen aufgrund des hohen Kompostanteiles erhöhte Kaliumgehalte von bis zu 700 mg/l, hier wäre eine stickstoffbetonte Düngung sinnvoll gewesen. Die Qualität war dennoch zufriedenstellend, besonders bei Osteospermum fiel eine stark aus-geprägte Durchwurzelung auf (Abb. 6).

Einflüsse auf die Kultur in torfreduzierten Substraten

In der diesjährigen Beet- und Balkonpflanzensaison der Region Ost wurden Pelargonium zonale, Pelargonium peltatum und Streptocarpus intensiv begleitet.

Im Vergleich zu den bisher verwendeten Substraten der Betriebe (100 Vol.-% Torfanteil) konnten in den stärker torfreduzierten Substraten (50 Vol.-% und 30 Vol.-% Torfan-teil) insgesamt gute und zufriedenstellende Ergebnisse ohne wesentliche Umstellungen in der Kulturführung erzielt werden. Vor allem die torfreduzierte Kultur von Pelargonium erwies sich als absolut machbar bei gleichbleibender Qualität.

Wie bereits in den Vorjahren zeigte Streptocarpus als anspruchsvollere Kultur dieser Saison einen etwas erhöhten Mehraufwand in der Bewässerung und Düngung. 2021 bestand das TerZ-Substrat aus 50 Vol.-% Torf, 30 Vol.-% Holzfasern, 10 Vol.-% Perlite, 10 Vol.-% Substratkompost und wurde mit zwei Gieß- und Düngevorgängen mehr behandelt. 2022 wurden hingegen im selben TerZ-Substrat (Restbestand aus 2021) mit 28 Gieß- und Düngevorgängen fünf mehr als im Standardsubstrat mit 100 Vol.-% Torf vorgenommen. Ausschlaggebend könnte das im Vergleich zum Vorjahr wärmere Frühjahr 2022 gewesen sein. Neben dem Einfluss der Witterung und des Substrats spielen jedoch vor allem kulturspezifische Ansprüche eine große Rolle bei der Bewertung von torfreduzierten Substraten im Hinblick auf die Bewässerung und Düngung. Der Vergleich zwischen den Jahren ist demnach trotz teilweise exakt gleicher Substratzusammensetzung und beprobter Sorten nur eingeschränkt möglich.

Bei verschiedenen Kulturen reagierten einzelne Sorten unterschiedlich auf die verschiedenen Substrate, führten aber insgesamt zu guten Qualitäten. Unterschiede wären ohne den direkten Vergleich nicht erkennbar gewesen. Auch in Bezug auf die Ausfallquote sowie den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Hemmstoffen gab es keine negativen Auffälligkeiten im Substratvergleich. Wie bereits im letzten Jahr, war auch nach dieser Beet- und Balkonpflanzensaison die Resonanz der Modellbetriebe der Region Ost auf die praktizierte Torfreduktion in den Substraten vorwiegend positiv.

Fazit

Die diesjährige Beet- und Balkonpflanzensaison zeigt, dass die teilnehmenden Betriebe durch die gewonnenen Erfahrungen immer mehr Kulturen auf torfreduzierte Substrate umstellen und die Kulturführung weiter optimieren.


In der Begleitung der Kulturen zeigte sich, dass die stark torfreduzierten Substrate eher zu Schwankungen in den Nährstoff- und pH-Wert-Verläufen neigen. Bei empfindlichen Pflanzenarten, wie z.B. Calibrachoa, kann es so während der Kultur zu suboptimalen Bedingungen für die Pflanzen kommen, die sich negativ auf die Pflanzenqualität aus-wirken. Daher ist es wichtig, bei den stärker torfreduziert produzierten Kulturen nah dran zu bleiben, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und schnell reagieren zu können. Bei robusten Arten, wie Pelargonien oder Sanvitalien konnte dies hingegen nicht festgestellt werden. Solche Kulturen können recht problemlos stark torfreduziert produziert werden und eignen sich sehr gut als „Einstiegskulturen“ für die Torfreduktion im eigenen Betrieb.

Besonderes Augenmerk – vor allem bei stark holzfaserhaltigen Substraten – gilt der Stickstoffversorgung, wobei pauschale Empfehlungen die N-Düngung etwas anzuheben mit großer Vorsicht zu genießen sind. Je nach Aufbereitung der Holzfaser, kann diese N-stabil sein, es kann aber ebenso gut eine N-Immobilisierung oder eine N-Freisetzung auftreten. Hier hilft es nur wachsam zu sein.


Die Bewässerungshäufigkeit war ebenfalls ein Thema, welches immer wieder auftauchte. Man sollte aber nicht pauschal davon ausgehen, dass stärker torfreduzierte Substrate mehr bewässert werden müssen.


Insgesamt waren die Betriebe mit der Umstellung bisher sehr zufrieden, da die aufgeführten „Raffinessen in der Umstellung“ nur bei wenigen Kulturen zu beobachten waren, der Großteil aber ohne weiteren Aufwand oder Qualitätseinbußen gut funktioniert hat. Der diesjährige O-Ton eines Gärtners ist: „30 Vol.-% Torfersatz im Substrat ist problemlos, 50 Vol.-% ist gut beherrschbar, 70 Vol.-% Torfersatz ist schwierig.“

Betriebsinformationstag TerZ

Herbstliche Vorfreude bei Blumen Klefer!

Von Katja Arndt, LVG Hannover-Ahlem/Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Die Gärtnerei Blumen Klefer öffnete am 21.07.2022 ihre Türen zu einem Rundgang durch den Betrieb, um über ihre gemachten Erfahrungen bei der Umstellung auf stärker torfreduzierte Substrate zu berichten und darüber zu diskutieren.

Viel Eigenproduktion

80 % der Kulturen des Endverkaufsbetriebs sind Eigenproduktion. Auf 2700 m² werden Violen, Beet- und Balkonpflanzen, Heuchera und Herbstzauber kultiviert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Floristik. Durch eine Filiale in einem nahegelegenen Lebensmitteleinzelhandel werden zusätzliche Kunden generiert und die Gärtnerei ist so von 7 bis 21 Uhr für Kunden erreichbar.

Hier wird NACHHALTIGKEIT großgeschrieben!

Der Betrieb befindet sich im dritten Projektjahr von TerZ und produziert inzwischen seine Kulturen in einem Substrat mit einem Torfanteil von nur noch 40 Vol.-%. Das Substrat wird für den gesamten Betrieb verwendet und auch für Endverbraucher als Verkaufssubstrat zur Verfügung gestellt. Neben den 40 Vol.-% Torf enthält das Substrat 30 Vol.-% Holzfasern, 10 Vol.-% Rindenhumus und 20 Vol.-% Grüngutkompost. Für einen Vergleich werden einzelne Kulturen parallel auch mit dem vorigen Standardsubstrat mit 75 Vol.-% Torf und 25 Vol.-% Holzfasern produziert.

Leichte Anpassungen in der Düngung

Die gemachten Erfahrungen mit Torfersatz sind gut. Bisher gab es wenig Probleme mit dem Substrat. Herr Klefer ist froh, dass er durch die Substratproben im Projekt TerZ einen guten Überblick über die Nährstoffsituation für seine Kulturen bekommt, und hat dadurch teilweise die Stickstoffdüngung zu Beginn der Kulturen leicht erhöht. Er selbst hat dies bisher regelmäßig mit einem EC-Messgerät überprüft, um einen Richtwert für seine Düngung zu erhalten. Hier musste er nun aber feststellen, dass diese Methode nicht mehr geeignet ist. Denn durch die höheren Kaliumwerte im Substrat werden konstant hohe Leitfähigkeiten angezeigt, sodass keine Rückschlüsse auf Stickstoffgehalte möglich sind. Die Kaliumwerte sind bei komposthaltigen Substraten oft erhöht, schaden den Kulturen aber nicht. In der Düngung wird dies von Herrn Klefer berücksichtigt, sodass sich die Kaliumgehalte im Laufe der Kultur reduzieren.

Herr Klefer berichtet von seinen Erfahrungen mit Torfersatz bei Pennisetum

Steigt die Bewässerungshäufigkeit?

„Wenn die Ballen einmal trocken sind, nehmen sie erstmal kein Wasser mehr auf.“ Deshalb möchte Herr Klefer im nächsten Jahr etwas mehr Netzmittel ins Substrat mischen lassen, um eine bessere Befeuchtung zu gewährleisten. Auch für die Friedhofsbepflanzung hält er dies für sinnvoll. Die Nutzung von Wasserspeichergranulaten hat er bereits getestet. „Das ist die ersten 4 Monate super, aber danach ist es schlechter als es ohne die Granulate wäre“. Das schnelle Abtrocknen der Substratoberfläche sieht er sehr positiv: Es treten kaum noch Probleme mit Trauermücken auf und Botrytis war in den Beständen nicht mehr zu finden.

Heuchera und Carex links im Standardsubstrat mit 75 Vol.-% Torfanteil, rechts stärker torfreduziert mit 40 Vol.-% Torfanteil

Von der Bewässerungshäufigkeit sieht Herr Klefer Unterschiede bei einzelnen Kulturen. Z.B. bei Pennisetum musste an extrem heißen Sommertagen schon zweimal täglich bewässert werden, um Trockenheitsschäden wie gelben Blattspitzen vorzubeugen. Dies hätte im vorigen Standardsubstrat wohl auch mit einer Bewässerung gereicht. Bei anderen Kulturen, wie den Heuchera, waren hingegen keine Unterschiede in der Bewässerung festzustellen.

Aber wird es auch bei Lieschen Müller funktionieren?

Ein wichtiger Punkt in der Torfreduktion ist die Aufklärung. Die ersten Erfahrungen hat Herr Klefer bereits gesammelt. So wurden beispielsweise einzelne Substratkomponenten von Verbrauchern hinterfragt: „Ist das Gras da drin?“. Herr Klefer möchte hier klar voran gehen und die Endverbraucher umfassend zum Thema Torfersatz informieren. Es ist wichtig, dass die Kunden damit zurechtkommen und ihr Gieß- und Düngeverhalten ebenfalls anpassen. Mit Postern und Schildern soll hier zukünftig neben der persönlichen Beratung für Aufklärung gesorgt werden. Für einen guten Übergang ist auch eine Überlegung, Ampelpflanzungen in etwas größeren Gefäßen zu produzieren, um die Wasserkapazität für die Kunden etwas zu erhöhen.

Preise, Preise, Preise

Die Kosten sind ein zentrales Thema und führen immer zu Nachfragen bei den Gärtnern. Hier zeigt sich, dass manches torfreduzierte Substrat teurer ist, andere aber wieder nicht, sodass dieses Thema von jedem Betrieb mit den Substratherstellern seines Vertrauens besprochen werden sollte.

Wer hat an der Uhr gedreht?

Als Ergebnis des Tages kann man sagen, dass sich die Teilnehmer einig waren, dass die Produktion mit Substraten, die Torfanteile von 50 Vol.-% enthalten gut möglich ist. Bei weiter sinkenden Torfanteilen machte Herr Klefer deutlich, dass die Kulturführung durchaus anspruchsvoller wird.

So ging ein weiterer Betriebsinformationstag im Norden zu Ende und machte Lust auf Herbst und Torfersatz!

Aktuelles aus der Modellregion West

Tastversuch zur Haltbarkeit von torfreduzierten Topfpflanzen

Von Melanie Bank, Versuchszentrum Gartenbau Straelen, LWK Nordrhein-Westfalen

Das Projekt TerZ hat bereits gezeigt, dass die Produktion stark torfreduzierter Pflanzen mit einigen Anpassungen in der Kulturweise meist gut funktioniert. Aber wie sieht es beim Endverbraucher aus? Im Versuchszentrum Gartenbau der Landwirtschaftskammer NRW in Straelen wurde ein kleiner Tastversuch zu diesem Thema erarbeitet.

Abbildung 1: Beschilderung des Tastversuches zur Haltbarkeit von torfreduzierten Topfpflanzen

Im Versuch wurden Balkonkästen mit Pflanzen, die im Projekt TerZ begleitet wurden, in drei verschiedene Hobbysubstrate von namhaften Firmen gepflanzt. Ein Substrat war torfreduziert (26 Vol.-% Torfersatz), die anderen beiden torffrei. Im Vergleich wurden jeweils die im Standard, sowie die im stark torfreduzierten oder torffreien Substrat produzierten Pflanzen, gepflanzt.

Die Fragestellung ist, ob ein Unterschied in der Haltbarkeit zu sehen ist, wenn die Pflanzen zuvor in einem Standardsubstrat kultiviert wurden oder in einem stark torfreduzierten Substrat mit einer Torfreduktion über 50 Vol.-%.

Das Weitern soll betrachtet werden, ob diese Pflanzen in torfreduzierten oder torffreien Hobbysubstraten beim Endverbraucher optimal weiterwachsen.

Abbildung 2: 30 bepflanzte Balkonkästen, alle Pflanzen aus den TerZ Demonstrationsbetrieben der Region West

Aufgrund des niederschlagreichen und kühlen Sommers 2021 waren die Bedingungen für Beet- und Balkonpflanzen nicht optimal. Einige Gattungen zeigten allgemein keine gute Entwicklung, wie hier bei Lavendel (Lavandula angustifolia) zu sehen ist. Es konnte abschließend kein Unterschied zwischen Standard- und TerZ-Pflanzen gezeigt werden.

Abbildung 3: Lavendel, links produziert im Standardsubstrat mit 80 Vol.-% Weißtorf und 20 Vol.-% Holzfaser; rechts im torfreduzierten Substrat mit 40 Vol.-% Weißtorf, 35 Vol.-% Holzfaser und 25 Vol.-% Kokosmark

Die Pflanzung von Besenheide (Calluna vulgaris) zeigte in allen sechs Balkonkästen eine identisch gute Haltbarkeit und Entwicklung.

Abbildung 4: Calluna, links im Standardsubstrat mit 80 Vol.-% Weißtorf und 20 Vol.-% Holzfaser; rechts im torfreduzierten Substrat mit 50 Vol.-% Weißtorf, 30 Vol.-% Holzfaser und 20 Vol.-% Kokosmark

Zum jetzigen Zeitpunkt konnten kein Unterschied bezüglich der Haltbarkeit der Standard und TerZ-Kulturen beobachtet werden. Auch die weitere Kultur in torfreduzierten und torffreien Hobbysubstraten zeigt aktuell keine nennenswerten Unterschiede.

Die Thematik „Torfvermeidung beim Endverbraucher“ rückt immer weiter in den Fokus und bedarf weiterer Versuche und Aufklärung für den Endverbraucher.

Modellregion Süd-West

Fehrle Stauden: Produktion aller Stauden ab 2022 mit nur 30% Torf

Von Fabian Heesch, LVG Heidelberg

Die Staudengärtnerei Fehrle Stauden, mit Sitz in Schwäbisch Gmünd, geht im dritten und finalen TerZ-Jahr bei der Torfreduzierung einen weiteren großen Schritt.

Nachdem in den letzten zwei Jahren bereits erfolgreich mit stark torfreduzierten Substraten gearbeitet wurde, zuletzt im Jahr 2021 mit einem Standard-Substrat mit 55 % Torf und einem TerZ-Substrat mit 35 % Torf, wird nun im Jahr 2022 das Standard-Substrat im gesamten Betrieb komplett abgeschafft. Die Produktion aller Kulturen erfolgt ab sofort nur noch mit dem TerZ-Substrat, wobei der Torfanteil weiter reduziert wird, auf 30 Vol.-%.

Das neue Substrat setzt sich aus den folgenden Ausgangsstoffen zusammen: Weißtorf, Vulkanton, Holzfaser, Grünkompost, Rindenhumus und Bimskies.

Abb. 1: Bei Fehrle Stauden, Schwäbisch Gmünd, wurde im Jahr 2022 der ganze Betrieb auf ein Substrat mit nur 30 % Torf umgestellt.

Modellregion West

Gärtnerei Leenen und das Projekt TerZ

In diesem Video stellt das Versuchszentrum Straelen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen vor, welche Vor- und Nachteile Torfersatzstoffe haben und warum Torf Alternativen braucht. Sie lernen den Modell- und Demonstrationsbetrieb Leenen aus Straelen kennen und sehen mehr über die Erfahrungen des Betriebs im Projekt TerZ und die Produktion von torfreduzierten Pflanzen.

Aktuelles aus der Modellregion Süd-West

Die Düngung anpassen – Herausforderungen in der B&B-Saison 2022

Von Fabian Heesch, LVG Heidelberg

Die Beet- und Balkonsaison 2022 neigt sich langsam dem Ende zu. Für die Modellbetriebe des Projekts TerZ ist nun ein guter Zeitpunkt, sich die Erfahrungen, die in diesem Jahr mit verschiedenen B&B-Kulturen gemacht wurden, noch mal in Erinnerung zu rufen, bevor der Fokus ganz auf denHerbstkulturen liegt.

Ein Produktionsbetrieb aus der Modellregion Süd-West produzierte auch im Jahr 2022 Pelargonium zonale (Topfwoche: KW 5) in großer Stückzahl (ca. 180.00 Stück) in einem torfreduzierten Substrat. Im Vergleich zu den Vorjahren wurde der Torfgehalt im Substrat weiter abgesenkt, womit sich das Substrat nun aus 50 % Torf, 20 % Holzfaser, 15 % Rindenhumus, 10 % Grünschnittkompost und 5 % Ton zusammensetzte. Zum Kulturende in KW 17 konnte ein gutes Kulturergebnis verzeichnet werden. Die Pflanzen verfügten über eine dunkelgrüne Blattfarbe, eine ausreichende Größe (wenn auch etwas kleiner als im Vorjahr), einen kompakten Habitus und eine gute Durchwurzelung (Abb. 1 und 2). Trotzdem berichtete der Betriebsleiter von zwei Herausforderungen, die er auf die im Substrat enthaltenen Ausgangsstoffe Holzfaser und Rindenhumus zurückführte: Aufgrund der N-Immobilisierung musste im Vergleich zu den Vorjahren mehr Stickstoff nachgeliefert werden, in Form eines stickstoffbetonten Mehrnährstoffdüngers (NPK-Verhältnis 20-7-10) und Kalksalpeter. Außerdem musste im Vergleich zu einem Torfsubstrat deutlich häufiger bewässert werden, da das Substrat schnell austrocknete. In diesem Zusammenhang äußerte der Betriebsleiter die Sorge, dass Kunden auf dem Großmarkt bei gleicher Pflanzenqualität ein Produkt mit klassischem Torfsubstrat wählen könnten, da im direkten Vergleich das torfreduzierte Substrat zu trocken erscheint.

Abb. 1: Pelargonium zonale, produziert in 50 % Torf, in guter Qualität und mit kompaktem Habitus
Abb. 2: Pelargonium zonale, produziert in 50 % Torf, etwas zu klein, aber mit guter Durchwurzelung

Ein weiterer Betrieb aus der Modellregion Süd-West produzierte in diesem Jahr Osteospermum ecklonis (Topfwoche: KW 14) erfolgreich in einem stark torfreduzierten Substrat mit 35 % Weißtorf, 10 % Schwarztorf, 30 % Holzfaser und 25 % Grünschnittkompost. Die Düngung erfolgte zunächst mit einem organischen Stickstoffdünger (NPK-Verhältnis 9-0-0) und Kaliumsulfat, später mit einem ausgeglichenen, mineralischen Mehrnährstoffdünger (NPK-Verhältnis 15-10-15). Zu Kulturbeginn stieg der pH-Wert im Substrat zunächst stark an, dies konnte dann mit dem physiologisch sauer wirkenden Volldünger korrigiert werden (Abb. 3). Die Nährstoffgehalte bewegten sich durchweg in einem guten Bereich, angesichts der hohen Kaliumgehalte wäre aber eine stickstoffbetonte Düngung sinnvoll gewesen (Abb. 4). Zum Kulturende in KW 21 zeigte sich Osteospermum im stark torfreduzierten Substrat in einer guten Qualität und einer stark ausgeprägten Durchwurzelung (Abb. 5 und 6).

Abb. 3: Osteospermum, pH-Wert im Kulturverlauf (Topfwoche: KW 14)
Abb. 4: Osteospermum, CAT-lösliche Nährstoffe im Kulturverlauf (Topfwoche: KW 14)
Abb. 5: Osteospermum, produziert in 45 % Torf
Abb. 6: Osteospermum, produziert in 45 % Torf, mit sehr guter Durchwurzelung
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