Modellregion Nord

Gelungener Betriebsinformationstag in Wolfsburg

Von Katja Arndt, LWK Niedersachsen

Am 09.11.2021 fand in der Gärtnerei Schliebener der erste Betriebs-informationstag für Gärtner statt, die an der Umstellung auf stärker torfreduzierte Substrate interessiert sind und sich einen praxisorientierten Erfahrungsaustausch zu diesem Thema wünschen.

Inhaber Tim Schliebener (Foto: Katja Arndt)

Die Veranstaltung fand großen Anklang und wurde sowohl von zahlreichen Gärtnern und Gärtnerinnen, wie auch anderen Vertretern der Branche besucht, sodass ein lebhaftes Forum mit verschiedenen Perspektiven auf das Thema entstehen konnte. Der Austausch entwickelte sich nach dem Rundgang noch direkt im Gewächshaus zwischen den torfreduziert kultivierten Poinsettien, wo Herr Schliebener von seinen Erfahrungen mit diesen im Vergleich zu seinem Standardsubstrat berichtete. Durch die regelmäßigen Substratproben im Projekt stellte sich z.B. heraus, dass im Betrieb die Düngung durch das weiche Gießwasser mehr angepasst werden muss, um die abfallenden pH-Werte während der Kulturdauer abzufangen.

Als wesentlichen Unterschied zu seiner Standardkultur stellte er zudem fest, dass er die Düngung insgesamt um ca. 20 % erhöhen musste, da die Substrate allem Anschein nach nicht mehr so gut puffern wie es Substrate mit höheren Torfanteilen tun. Auch andere Betriebsleiter erzählten von ihren Erfahrungen mit verschiedenen torfreduzierten Substraten. Man war sich einig, dass eine schrittweise Absenkung des Torfanteils ein guter Weg zu einem stärker torfreduzierten Substrat sei und die Produktion in Substraten mit 50 Vol.-% Torfanteil in der Regel ohne größere Umstellungen der Kulturführung gut umsetzbar ist. Wichtig ist, nah an der Kultur zu bleiben, da das Substrat schneller mit Veränderungen bei pH- und Nährstoffwerten reagiert. „Zukünftig wird es nicht mehr das eine Substrat geben, sondern wir werden es mit vielen verschiedenen Substraten zu tun haben und müssen wieder mehr Gärtner sein.

Auch die Frage, wie die Endverbraucher mit den Substraten zurechtkommen werden, wurde diskutiert. Bisher waren die Erfahrungen der Teilnehmer, dass die Kunden ihre Aufmerksamkeit noch eher auf andere Umweltthemen, wie z.B. Insektenfreundlichkeit fokussieren und die Torfthematik bisher noch zu wenig bekannt ist. Hier war die Meinung, dass die Kunden dahingehend noch mehr informiert werden müssen und auch der praktische Umgang mit den Substraten zu Hause erst noch vom Kunden erlernt werden muss.

Daran, dass die Torfreduktion in den Substraten generell kommen wird, hatte von den Teilnehmern keiner Zweifel. „Wenn wir jetzt nicht handeln, wird uns die Politik dazu zwingen“ war ein O-Ton.

Da einige Substrathersteller vertreten waren, wurde auch das Thema der Rohstoffverfügbarkeit diskutiert. Die Hersteller gaben an, dass es bei steigender Nachfrage nach Torfersatz momentan sicher einige Engpässe geben würde, sich aber durch die steigende Nachfrage weitere Möglichkeiten eröffnen werden, neue Quellen für alternative Ausgangsstoffe zu generieren. Ein anwesender Berater sagte: „Wenn Torf nicht mehr da ist, wird sich hier ein Markt bilden“. Und selbst ein Hersteller sagte, dass Torf sich zum Nebenprodukt entwickeln wird. Unter anderem wurde über das Für und Wider von Gärresten diskutiert.

Selbstverständlich durfte in diesem Zuge auch nicht die Frage nach den Kosten fehlen. Besonders der anwesende Berater macht darauf aufmerksam, dass die steigenden Preise in vielen Bereichen im Gartenbau nicht immer nur durch Einsparungen ausgeglichen werden können. Betriebe müssen zukünftig ihre Preise erhöhen, um wirtschaftlich zu bleiben.

Gäste an der Substratbar (Foto: Katja Arndt)

So gestaltete sich ein bunter und vielseitiger Austausch, wo Fragen aus der Praxis offen diskutiert wurden und der Eindruck entstand, dass die Gäste zufrieden abgereist sind.

Wenn auch Sie gern an solch einem Austausch im Rahmen des Projektes TerZ teilnehmen möchten, schauen Sie regelmäßig auf www.-projekt-terz.de, wo die nächsten Termine veröffentlicht werden. Wir freuen uns auf Sie!

Gäste begutachten torfreduzierte Poinsettien (Foto: Katja Arndt)

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