Beet- und Balkonpflanzensaison 2021

Zweite Phase im Projekt TerZ erfolgreich absolviert

Artikel und Bilder: Gemeinschaftsarbeit der LVG Ahlem, LVG Heidelberg, VZG Straelen/ KölnAuweiler, LfULG Dresden-Pillnitz und HSWT

Das Projekt TerZ wird derzeit von vielen verfolgt, da es sich mit der brandaktuellen Thematik der Torfminderung aktiv in der Praxis auseinandersetzt. Zur Erinnerung: Es
handelt sich um das Modell- und Demonstrationsvorhaben, was 24 Zierpflanzenbetriebe aus ganz Deutschland über drei Jahre bei der Umstellung auf stärker torfreduzierte Substrate begleitet und unterstützt. Das Projekt ist dabei in drei Phasen gegliedert:

Die Einführungsphase, in der die Demonstrationsbetriebe 2019/2020 mit zunächst geringer Torfreduzierung (durchschnittlicher Torfanteil 70 Vol.-%) gestartet sind, um zu schauen, welche Veränderungen sich in der Kulturführung ergeben könnten und in welchen Bereichen verstärkte Aufmerksamkeit gefragt ist. In der Optimierungsphase soll dann mit bereits geschärftem Blick mit max. 50 Vol.-% Torf im Substrat produziert und die Kulturführung entsprechend optimiert und angepasst werden. Nach erfolgreichem Abschluss dieser Phase, soll das stärker torfreduzierte Substrat in der Festigungsphase als Standard im Betrieb etabliert werden und läuft mit der neu angepassten Kulturführung möglichst ohne größere Unterstützung weiter.

In der Beet- und Balkonpflanzensaison 2021 haben 22 Betriebe das Projektziel mit maximal 50 Vol.-% Torf im Substrat zu produzieren bereits erreicht. Auch die sogenannten TerZ-Substrate aus der Einführungsphase sind teilweise schon als Standard in einigen Betrieben übernommen worden, was den Erfolg für sich sprechen lässt.

Abbildung 1: Calibrachoa, Kulturwoche 8. Links im
Standardsubstrat mit 15 Vol.-% Holzfasern und 15 Vol.-% Perlite, rechts im TerZ-Substrat mit 20 Vol.-% Holzfasern, 15 Vol.-% Perlite und 15 Vol.-% Kokosmark
Abbildung 2: Impatiens, Kulturwoche 8. Links im Standardsubstrat mit 25 Vol.-% Holzfasern, rechts im TerZ-Substrat mit 30 Vol.-% Holzfasern und 20 Vol.-% Kokosmark

Was ist nun zu den Ergebnissen im Detail zu sagen? Insgesamt ist die Beet- und Balkon-pflanzensaison mit diesen Substraten als sehr gut zu bewerten. Wie schon bei den
vorangegangenen Frühjahrsblühern, sind optisch überwiegend keine bis geringe Un-terschiede bei den fertig produzierten Pflanzen zu beobachten gewesen. Anpassungen in Bezug auf Düngung und Bewässerung waren in den Regionen teilweise allerdings nötig und in Einzelfällen sind auch größere Probleme aufgetreten.

Abbildung 3: Pelargonium zonale, Kulturwoche 9. Links im Standardsubstrat mit 15 Vol.-% Holzfasern und 15 Vol.-% Perlite, rechts im TerZ-Substrat mit 20 Vol.-% Holzfasern, 15 Vol.-% Perlite und 15 Vol.-% Kokosmark

In der Region Nord wurden in allen Fällen beide Substratvarianten (Standard und TerZ) von allen Betrieben gleich gedüngt und bewässert, sodass auch kein merklicher Mehraufwand von den Betriebsleitern festgestellt wurde. In der Endbonitur waren keine bis wenig Unterschiede in den Kulturen festzustellen (Abb. 1 und 2). Teilweise waren die TerZ-Kulturen etwas größer (Abb. 3 und 4).

Abbildung 4: Sanvitalia procumbens, Kulturwoche 11. Links im Standardsubstrat mit 8 Vol.-% Ton, rechts im TerZSubstrat mit 25 Vol.-% Holzfasern, 20 Vol.-% Rindenhumus und 8 Vol.-% Tonosmark

In der Region West zählten unter anderem Bacopa, Euphorbia hyp., Calibrachoa sowie Petunia, Dianthus, Lavandula und Pelargonium zonale (Abb.5) zu den unproblematischen Kulturen des Beet- und Balkonsortiments 2021. Trotz teilweise hoher Kaliumgehalte bis 553 mg/l bei Substrateingang verlief die Einwurzelung bei allen Kulturen sehr gut. In den Betrieben, die mit sehr hohen Kaliumgehalten konfrontiert waren, wurde entweder die Düngung bereits angepasst, oder es wird in den kommenden Kulturen auf eine stickstoffbetontere Düngung umgestellt. Auch lange Standzeiten bei überjährigen Dianthus zeigten stabile pH-Werte und führten zu optimalen Ergebnissen in der Pflanzenqualität.

Auch die in der Region Ost vorwiegend begleiteten Pelargonien, Lavendel, Petunien und Streptocarpus entwickelten sich problemlos ohne wesentliche Umstellungen in der Kulturführung (Abb. 6 und 7).

Abbildung 5: Pelargonium zonale links im StandardSubstrat (80 Vol.-% Weißtorf, 20 Vol.-% Holzfaser), rechts im TerZ-Substrat (50 Vol.-% Weißtorf, 30 Vol.- % Holzfaser, 10 Vol.-% Perlite, 10 Vol.-% Kompost)

Die bisher verwendeten Standard-Substrate enthalten hier 100 Vol.-% Torfanteil und wurden mit TerZ-Substraten mit 50 Vol.-% Torfanteil verglichen. Vereinzelt wurde ein geringer Mehraufwand festgestellt, da zusätzlich ein bis zwei Gießvorgänge mit etwas mehr Anstauzeit erforderlich waren (z.B. bei Streptocarpus).
Dies ist vermutlich auf die drainierenden Eigenschaften der Holzfaser zurückzuführen, die bei allen vier Betrieben als primärer Torfersatzstoff mit einem Anteil von durchschnittlich etwa 30 Vol.-% im Substrat zum Einsatz kam. Das schnellere Abtrocknen der torfreduzierten Substrate wurde nicht von allen Modell- und Demonstrationsbetrieben als Kritikpunkt gewertet. Ein Hinauszögern der Gießdurchgänge und damit ein gleich häufiges Gießen wie beim Standardsubstrat war ohne Qualitätseinbußen möglich.

Abbildung 6: Gleiche Sorten von Pelargonium zonale in stark torfreduziertem Substrat (obere Reihe) mit 50 Vol.-% Torfanteil (30 Vol.-% Holzfaser, 10 Vol.-% Perlite, 10 Vol.-% Kompost) und im herkömmlich verwendeten Substrat (untere Reihe ) mit 100 Vol.-% Torfanteil.
Abbildung 7: Streptocarpus im stark torfreduzierten Substrat mit 50 Vol.-% Torfanteil (30 Vol.-% Holzfaser, 10 Vol.-% Perlite, 10 Vol.-% Kompost) nach acht Wochen Kulturdauer.

Vereinzelte Sorteneffekte führten in beiden Substratvarianten mitunter zu unterschied-lichen, aber insgesamt guten Qualitäten. Unterschiede wären ohne direkten Vergleich nicht erkennbar gewesen. Auch in Bezug auf die Ausfallquote sowie den Einsatz von Pflanzen-schutzmitteln und Hemmstoffen gab es keine negativen Auffälligkeiten im Substratvergleich.

In der Region Süd wurden ebenfalls von allen Betrieben gute Qualitäten bei Calibrachoa, Pelargonien, Sanvitalien, Petunien und Fuchsia mit Torfanteilen im Substrat von 50 – 60 Vol.-% produziert. Ein Gärtner stellte fest, dass im torfreduzierten Substrat mit 50 Vol.-% Torfanteil der Befall an Trauermücken und Botrytis etwas stärker war als im neu aus-gewählten Standard-substrat mit 70 Vol.-% Torf, jedoch führte dies nicht zu großen Ausfällen. Zwei Betriebe haben alle Kulturen auf ein Substrat mit 50 Vol.-% Torf umgestellt und verzeichneten gute Qualitäten.

Hinsichtlich Bewässerung und Düngung gab es bei allen Gärtnern keine nennenswerten Unterschiede. Ein Gärtner berichtete, dass er generell die Stickstoffdüngung leicht angehoben hat, womit er in den torfreduzierten Kulturen gute Erfolge erzielte. Die Bewässerung fand weitestgehend identisch wie im Standardsubstrat statt.

Der Torfanteil der Substrate, die von den Betrieben der Region Süd-West verwendet wurden, variierte zwischen 20 und 60 Vol.-%. Pelargonium zonale, in hoher Stückzahl (180.000 Stück) in einem Substrat mit 60 Vol.-% Weißtorf, 20 Vol.-% Holzfaser, 15 Vol.-% Rindenhumus und 5 Vol.-% Ton in KW 5 getopft, zeigte sich zum Vermarktungsbeginn in KW 17 in guter Qualität (Abb. 8). Der Betriebsleiter berichtete von einer Anpassung in der Düngung: Um die Kultur trotz der durch die Holzfaser hervorgerufenen N-Immobilisierung sicher mit Stickstoff zu versorgen, wurde verstärkt mit Kalksalpeter gedüngt.

Abbildung 8: Pelargonium zonale konnte mit einer Anpassung der N-Düngung in 60 Vol.-% Torf in guter Qualität produziert werden.

Ein anderer Betrieb, der Pelargonium peltatum in einem Substrat mit 50 Vol.-% Torf und etwa gleichen Anteilen von Holzfaser, Rindenhumus, Ton und Grünkompost kultivierte, konnte ebenfalls ein gutes Ergebnis zum Kulturende verzeichnen. Hier wurde kein höherer Stickstoffbedarf, aber ein etwas schnelleres Abtrocknen des Substrats festgestellt. Die Kultur von Echinacea purpurea fand im gleichen Substrat statt und führte ohne Anpassungen der Kultur-maßnahmen zur gewünschten Vermarktungsqualität (Abb. 9).


Der Pflanzenbestand blieb aber aufgrund der Witterung im Vergleich zu den Vorjahren etwas kleiner.

Abbildung 9: Echinacea purpurea, produziert in 50 Vol.-% Torf, zeigte zum Vermarktungsbeginn eine
sehr gute Durchwurzelung.

Ein weiterer Betrieb, der Echinacea purpurea in einem Substrat mit 20 Vol.-% Torf, 35 Vol.-% Holzfaser, 30 Vol.-% Ton und 15 Vol.-% Grünkompost kultivierte, berichtete hingegen von erheblichen Schwierigkeiten zu Kulturbeginn. Das stark torfreduzierte Substrat trocknete, wenn es einmal vollkommen durchnässt war, nur sehr langsam ab. Dies hatte einen starken Botrytisbefall und dementsprechend auch hohe Ausfallraten zur Folge. Beim anschließenden 2. Satz wurde auf eine deutliche trockenere Kulturführung geachtet, wodurch ein Botrytisbefall fast vollständig vermieden wurde. Aufgrund des hohen Salzgehaltes, der auf den hohen Anteil von Grünkompost zurückzuführen ist, wuchsen diese Echinaceaen auch deutlich kompakter, weshalb auf einige Hemmstoffeinsätze verzichtet werden konnte.

Bei einem Nord-Betrieb, dessen TerZ-Substrat 30 Vol.-% Holzfasern enthält, deutete sich zwischenzeitlich hingegen an, dass das Substrat beim Bewässern von unten das Wasser nicht so gut in den Topf hochzieht (Abb. 10). Diese Problematik relativierte sich während der Kultur wieder. Teilweise wurde auch in den Betrieben beobachtet, dass das Substrat besonders in kleineren Töpfen an den Tischrändern schneller austrocknet und schwieriger wiederzubenetzen ist. Hier wird deutlich, dass bei zukünftigen TerZ-Kulturen ein verstärktes Augenmerk auf die Bewässerung gelegt werden sollte, um Unterschiede und Probleme in dieser Richtung weiter herauszuarbeiten und eventuelle Anpassungen beim Substrat oder in der Kulturführung vorzunehmen.

Abbildung 10: Sanvitalia, Kulturwoche 6, direkt nach dem Bewässern. Links im Standardsubstrat mit 25 Vol.-% Holzfasern, rechts im TerZ-Substrat mit 30 Vol.-% Holzfasern, 10 Vol.-% Rindenhumus und 10 Vol.-% Grüngutkompost

Auch bei einer Fuchsienkultur in der Region West sowie bei der Kultur von Calibrachoa und Petunien eines Betriebes in der Region Nord traten größere Unterschiede zwischen den Pflanzen in den beiden Substraten auf.

Bei den Fuchsien zeigte sich eine Wachstumsverzögerung vor allem in der letzten Kulturphase, sodass die Ware im stark torfreduzierten Substrat etwa 10 Tage später zur Vermarktung kam. Die Qualität litt darunter jedoch nicht (Abb. 11).

Die Calibrachoen und Petunien eines Nord-Betriebes zeigten deutliche Schwierigkeiten beim Einwurzeln in das TerZ-Substrat. Die Pflanzen ließen sich dies oberirdisch meist nichts ansehen und entwickelten sich normal (Abb. 12). Leider konnte die Ursache für diese Auffälligkeiten bisher noch nicht ermittelt werden, sodass der Betrieb diese beiden Kulturen im nächsten Jahr nicht wieder in diesem TerZ-Substrat produzieren möchte. Alle anderen Kulturen wurzelten dagegen hervorragend in das Substrat ein.

Abbildung 11: Beobachtete Wachstumsverzögerung bei Fuchsia im TerZ-Substrat (50 Vol.-% Weißtorf, 30 Vol.-% Holzfaser, 10 Vol.-% Perlite und 10 Vol.-% Kompost) während der Kultur (links) und verkaufsfertige Ware im TerZ-Substrat (rechts)

Die Erfolge der Beet- und Balkonsaison sind sicher auch der engen Kulturbegleitung
zu verdanken. Wie bereits in der Cyclamen- und Poinsettienproduktion auffiel, können
Schwankungen in den stärker torfreduzierten Substraten besonders bei längeren
Standzeiten und empfindlichen Kulturen zu Qualitätseinbußen führen. Extreme Witter-ungsbedingungen fördern diese Schwankungen zusätzlich.

Abbildung 12: Calibrachoa zum Ende der Kultur. Oberirdisch ist der Pflanze nicht anzusehen, dass sie nicht in das TerZ-Substrat (47 Vol.-% Torf, 25 Vol.-% Holzfasern, 20 Vol.-% Rindenhumus und 8 Vol.-% Ton) eingewurzelt ist.

Es empfiehlt sich daher Kulturen in einem neuen Substrat zunächst mit regemäßigen
Substratproben zu begleiten, denn die Umstellung ist sehr betriebsspezifisch. Je nach Gießwasser und Düngung des Betriebes können sich in dieser neuen Kombination pH- und Nährstoffwerte im Substrat anders entwickeln als gewohnt. Dies kann im Einzelfall eine schnelle Reaktion des Gärtners erfordern. Durch einzelne Substratkomponenten, wie z.B. Kompost oder Rindenhumus im Substrat, kommt es zudem häufig zu erhöhten Kali- und Phosphatwerten. In den projektbegleiteten Kulturen haben Werte von 600 mg Kalium/ l Substrat jedoch noch keine negativen Auswirkungen auf die Pflanzen gezeigt. Teilweise waren Kulturen vermutlich durch die erhöhten Kaliwerte etwas gedrungener, was ein durchaus erwünschter Effekt war.

Hier könnten Dünger-, Substrathersteller und Betriebe zukünftig sicher weiter optimieren, um Substrate und Dünger noch besser aufeinander abzustimmen und der mitunter erhöhten Dynamik im Substrat entgegenzuwirken.

Insgesamt waren die Demonstrationsbetriebe regionsübergreifend zufrieden. „Es ist
beherrschbar“ ist der O-Ton eines Gärtners. Auch bezüglich des Arbeitsaufwandes haben die Betriebe keinen großen Unterschied bemerkt, sodass sie gerne weiter mit diesen Substraten produzieren möchten.

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